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| Happy Endings - Liebesgeschichten von Schwulen und Lesben |
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Schwul-lesbische Zweisamkeit im
Elchtest - verzwickte Beziehungsgeschichten aus Norwegen
Dass Männer und Frauen nicht zusammen passen, ist von
Wissenschaft und Literatur hinreichend dokumentiert. Nachdem sich die Euphorie
der Emanzipation von Schwulen und Lesben gelegt hat, stellt sich heraus, dass
auch Mann und Mann bzw. Frau und Frau ihre liebe Not miteinander haben, und zwar
in allen drei Phasen einer Liebesbeziehung: vorher, während dessen und danach.
Es sind also vor allem Missverständnisse und kleine Missgeschicke, die von den
Helden und Heldinnen dieser 13 Geschichten erlitten und bewältigt werden müssen,
und bekanntlich verfügt das Pech anderer Menschen über einen beträchtlichen
Unterhaltungswert, wenn es dem Publikum genüsslich serviert wird.
Liebes-
oder Beziehungsgeschichten bringen persönliche Eigenheiten auf den Punkt, die
Intimität der Beteiligten lässt ein Maskenspiel nicht dauerhaft zu. Insofern
bietet dieses Genre jenseits der Schmachtgeschichten der Groschenromane die
Möglichkeit, aktuelle Befindlichkeiten, Wünsche und Probleme zu verarbeiten.
Wenn am Ende hin und wieder etwas richtig Schönes dabei herauskommt, um so
besser.
Die meisten Autoren und Autorinnen sind in Norwegen (und einige
auch in Deutschland) bereits bestens eingeführt, mehrere schreiben sonst
Jugendbücher, ein Indiz für erzählerisches Talent. So bunt und unterschiedlich
diese Zusammenstellung sich auch präsentiert, eine Gemeinsamkeit ist
festzustellen, und vielleicht ist es gerade diese Eigenschaft, die in den
letzten Jahren immer wieder das Interesse des deutschen Publikums auf die
skandinavische Literatur gelenkt hat: Sie verstecken sich nicht hinter
geschmäcklerischen Ambiente-Schilderungen, Markennamen und weltläufigem Getue,
sondern entfalten mit schlichten Worten die Poesie jeder noch so eigentümlichen
oder gar verschrobenen Figur. Diese puristische Tendenz ist für den deutschen
Leser immer wieder eine schöne Überraschung.
Eine Auswahl:
Ein Feingeist verlässt einmal im Jahr die Zivilisation, um
allein in den Bergen zu wandern. Zu seinem Schrecken taucht ein zweiter Wanderer
in seiner Hütte auf, dessen bodenständige Männlichkeit ihn fasziniert und
verängstigt. Im Unterschied zum Stadtmenschen ist der "schöne Wilde" jederzeit
in der Lage, ganz selbstverständlich das Richtige zu tun - und so wird der Held
nicht abgestochen, wie er befürchtet, sondern erlebt eine großartige Verführung
ohne viel Gerede. ("Alles klar" von Odd Klippenvåg)
Bei Simon
lässt die Pubertät auf sich warten. Während die andern Jungs schon überall Haare
bekommen, tut sich bei ihm noch gar nichts. Heimlich himmelt er den schönen
Lingen an, und bei der Konfirmation stehen ausgerechnet diese beiden
nebeneinander. Es ist dann auch weniger die Hostie als der "Leib Lingens", der
Simon in spirituelle Verzückung versetzt, und als er aus der Ohnmacht erwacht,
sieht er Lingens Gesicht über sich. ("Der Leib Lingens" von Gudmund
Vindland - Autor von "Der Irrläufer" und
"Sternschnuppen")
Weihnachten, eine schlimme Zeit für Singles. Ein
Mann sitzt allein zu Haus und lässt Erinnerungen an seine große Liebe Revue
passieren. Der Leser begreift allmählich, dass dieser wunderbare Liebhaber den
armen Kerl nach Strich und Faden ausgenutzt hat, aber der begreift es noch immer
nicht. ("Ein echtes Mannsbild" von Ulf Nestvold)
Anne und
Anne, Gerd Brantenbergs berühmtes Lesbenpaar, leben seit Jahren fern der
Kneipenszene in einer Satellitenstadt. Wenn eine von beiden ausgehen will,
vermutet die andere sofort den geplanten Seitensprung; also gehen sie endlich
gemeinsam in die Disco. Dort treffen sie ein anderes Paar, und ohne viel
Federlesens gehen zwei Beziehungen in die Brüche, zwei neue werden gegründet -
und alle sind sehr zufrieden. ("Anne und Anne besuchen einen Frauenabend"
von Gerd Brantenberg - Autorin der "Töchter Egalias" und weiterer klassischer
Lesbenromane)
Das "Durchhecheln" verflossener Liebschaften kann
grausam sein: Auf einem Fest wird genüsslich erzählt, wie eine bildschöne Frau
in der Disco ausgerechnet bei einer dicken Postbotin aus der Provinz landete,
was von allen wortreich bedauert wird. Leider sitzt die Postbotin mit am
Tisch. ("Abendfüllend" von Beate Nossum)
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