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© capitol/emi |
| Keren Ann - Not going Anywhere |
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Seit dem vorzüglichen Sampler
"Le Pop", der auch hierzulande eine Welle der Begeisterung für Popchansons aus
Frankreich lostrat, kennt man Keren Ann als eine der wichtigsten Talente der so
genannten "Nouvelle Scène" des französischen Chansons. Mit ihrem neuen Album
"Not Going Anywhere", ihrem ersten in englischer Sprache, legt die zierliche
Sängerin, die wegen ihrer sanften Stimme mit Françoise Hardy verglichen wird,
jetzt den Grundstein für eine internationale Karriere als Singer/Songwriterin.
Bislang war der Name Keren Ann Zeidel eng verbunden
mit dem großen Hoffnungsträger des "Nouvelle Chanson", Benjamin Biolay.
Gemeinsam schrieben und produzierten sie Keren Anns hochgelobte Alben "La
Biographie de Luka Philipsen" (2000) und "La Disparition" (2002), arbeiteten an
Biolays Debüt "Rose Kennedy" (2001) und hatten maßgeblichen Anteil an "Chambre
avec vue", jenem preisgekrönten Werk, mit dem die 80-jährige Chanson-Legende
Henri Salvador vor drei Jahren ein sensationelles Comeback feierte.
Auch auf "Not Going Anywhere" hat Benjamin Biolay
unüberhörbare Spuren hinterlassen. Gleichwohl markiert das Album das vorläufige
Ende des Dreamteams Zeidel/Biolay. Denn die fünf Titel, bei denen er einmal mehr
sein Talent als begnadeter Arrangeur demonstriert, sind englische Adaptionen von
Songs, die bereits auf "La Disparition" zu hören waren: Großtaten wie die
Jazz-Blues-Folk-Melange "Road Bin", die nostalgische Swing-Vignette "Spanish
Song Bird" und die zauberhaften Songpretiosen "Seventeen" und "Right Now &
Right Here", deren verschwenderische Orchestrierungen an klassische Filmmusik
erinnern.
Der Rest des Albums mit Ausnahme der spinnwebfeinen
Soundelegie "Ending Song", die in Kooperation mit Bardi Johannsson von der
isländischen Gruppe Bang Gang entstand, trägt allein die Handschrift von Keren
Ann. Und die ist geprägt von ihrem Faible für leise, melancholische Songs mit
kristallklaren Gitarren, eleganten Melodien und zarten Poesien über Liebe,
Verlust und Sehnsucht. Dabei belegen das filigrane, von Streichern verzierte
Titelstück, die verträumte Ode "Polly" sowie die eindringlichen Balladen „End Of
May“, "Sit In The Sun" und "By The Cathedral" nicht nur eine Affinität für Joni
Mitchell, die magische Atmosphäre ihres berückend schönen Folkpops weist Keren
Ann auch als Erbin von Nick Drake aus.
Gleichzeitig ist die 29-jährige eine begnadete
Erfinderin unwiderstehlicher Popmelodien. Das einfache, aber unglaublich
mitreißende "Sailor & Widow" etwa, das ein französischer Kritiker mit den
Beatles der Sgt.-Pepper-Ära assoziierte, hat in jedem Fall das Zeug zum
internationalen Pophit. Wie Keren Ann hier in atemraubender Rasanz die Worte
aneinander reiht, ist schlicht großartig. Und dass sie ganz ohne französischen
Akzent singt, verwundert bei ihrem familiären Hintergrund
nicht.
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