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© Deutsche Grammophon |
| Anne Sofie von Otter - Watercolours |
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Anne Sofie von Otter ist vielleicht die bekannteste Mezzosopranistin
unserer Zeit. Die vielseitigste ist sie auf jeden Fall, wie zwei neue Aufnahmen
beweisen.
"Auch in Schweden wird weniger gesungen als früher", bedauert Anne
Sofie von Otter. "Ich glaube, es liegt am Fernsehen. Und überhaupt an all dem
Lärm, den unsere Zeit mit sich bringt. Wenn die Leute irgendwann ausgeschaltet
haben, wollen Sie nichts mehr hören. Nicht mal mehr ihren eigenen
Gesang." Lachend erzählt die Diplomatentochter, die ihre
Gesangskarriere schon mit zwölf begann, dann von einer der raren Gelegenheiten,
bei der sie ihre Söhne im Konzert besuchten. "Die beiden sind jetzt elf und
dreizehn und haben ganz andere Interessen. Schon als kleine Kinder mochten sie
es überhaupt nicht, wenn ich gesungen habe. Dann haben sie erst recht
geschrieen. Kürzlich haben sie mich als Carmen in der Oper gesehen. Aber in der
Pause wollten sie nach Hause. Es reichte ihnen."
Was die leidenschaftliche Spanierin nicht vermochte, gelingt möglicherweise
all den schönen, sanften, traurigen und lustigen Schweden von "Watercolours".
Auf ihrem neuen Album widmet sich die 48-jährige Mezzosopranistin ausschließlich
schwedischem Liedrepertoire, erneut in Begleitung des Pianisten Bengt Forsberg,
mit dem sie schon so viele Alben einspielte, etwa "Mots d'Amour" aus dem letzten
Jahr oder 1996 das preisgekrönte "Swedish Songs"-Album "Wings In The Night".
"Meine Muttersprache ist mir einfach in Denken, Aussprache und Gefühl so viel
selbstverständlicher als jede andere Sprache", gibt sie zu.
Gemeinsam mit Forsberg fand Anne Sofie von Otter für "Watercolours" 33
weitenteils unbekannte Lieder, allesamt zwischen 1910 und 1950 komponiert von so
unterschiedlichen Musikern wie dem 1986 verstorbenen Romantiker und
Schoenberg-Fan Lars-Erik Larsson, Hugo Alfvén, dem durch "Midsommarvarka"
vielleicht bekanntesten schwedischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, oder
Gösta Nystroem, der sich nicht nur als Komponist, sondern auch als Botaniker,
Organist und Maler einen Namen machte. "All diese Musik ist von einer typisch
nordischen Romantik durchzogen. Man spürt doch, dass diese Komponisten genauso
von der schwedischen Landschaft, den Jahreszeiten, dem Licht geprägt waren, wie
die Maler und Schriftsteller ihrer Heimat."
Ob die Schwedin ihre eigenen Kinder mit diesem Repertoire überzeugen kann,
steht noch aus - und als nächste Nagelprobe steht schon eine CD mit Werken von
Ravel und Debussy an, die sie mit dem Cleveland Orchestra unter Pierre Boulez
aufgenommen hat. Die Bewunderung der Klassikwelt jedenfalls und eine neue
Begeisterung für diese melodisch melancholischen, zeitlos nordischen Lieder sind
jedoch schon jetzt garantiert.
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