|
Als vor rund zwei Jahren eine neue Sichtweise
ausprobiert wurde, klassische Musik zeitgemäß zu präsentieren, gaben sich die
Meinungsführer der Szene zunächst skeptisch. Bach nach Mitternacht, Mozart zum
Chillen, Beethoven zum Clubben - das schien manchem sehr gewagt zu sein. Doch
inzwischen sieht es anders aus. Die "Yellow Lounge" hat sich nicht nur zum
gefragten Ausgehtipp gemausert, sondern trägt mit der ergänzenden CD-Edition den
Esprit der Club-Abende in die Wohnzimmer. Eben ist die dritte Folge der Serie
erschienen, ein souveräner und stimmungsvoller Streifzug durch die
Musikjahrhunderte.
Natürlich steht und fällt ein Projekt wie die "Yellow
Lounge" mit dem Mann am Pult, der die Musik in die richtige Reihenfolge und das
passende Stimmungsverhältnis bringt. Nachdem zu Beginn einige Profis ausprobiert
und Erfahrungen in diesem noch gänzlich unbeackerten Terrain gesammelt wurden,
zeichnete es sich vor rund etwa eineinhalb Jahren ab, dass David Canisius mit
den Szenegänger im Berliner "Cookies" besonders gut umgehen konnte. Denn der
Geiger des Deutschen Kammerorchesters Berlin traf den Ton der Abende, nicht zu
extravagant, aber auch nicht zu etabliert, in der Mitte zwischen Wiedererkennen
und Überraschung:
"Das Projekt hat mich von Anfang an fasziniert.
Schließlich ist es nicht einfach, pop-verwöhnte Ohren mit klassischer Musik bei
Laune zu halten. Mittlerweile ist die Yellow Lounge eine Institution im Berliner
Nachtleben. Am ersten Montag eines jeden Monats strömen mehr als 700 Gäste ins
Berliner Cookies. Der Andrang ist momentan so groß, dass sich ab 20 Uhr - eine
Stunde vor dem Einlass - eine Schlange vor dem Club bildet und wir spätestens um
22:30 Uhr die Türen schließen lassen müssen, da der Club nicht mehr Leute
fasst."
Wer es dann geschafft hat, einen Platz zu ergattern, kann eine
Nacht lang ein beeindruckendes Spektrum musikalischer Hörjuwelen erleben, die
man sonst kaum in dieser Form geboten bekommen, in feinstem Sound und in der
Regel ergänzt durch einen Live-Auftritt von Stars wie Anne Sofie von Otter oder
Hilary Hahn.
Club ist das eine, eine CD jedoch eine ganz andere
Sache: "Jede Yellow-Lounge-CD ist eine Herausforderung. Man steht während des
Abends an den Reglern, sieht die Leute und spürt deren Reaktion, kann ablesen,
in welcher Stimmung sie sind, und reagiert darauf. Die Clubnacht ist etwas ganz
Fließendes und Lebendiges. Diese Stimmung auf eine CD zu transferieren, ist
hingegen ein kleines Kunststück." Und so ist Canisius in sich gegangen und hat
eine virtuelle Clubnacht konzipiert, die den Hörer von Maurice Ravel über Philip
Glass, Francis Poulenc oder auch Henryk Górecki bis hin zu Johann Sebastian Bach
führt.
Große Interpreten wie Martha Argerich, Leopold Stokowski oder
Hélène Grimaux unterstützen ihn mit ihren Versionen der Meisterstücke, so dass
eben jener Fluss der Meisterwerke entsteht, den der DJ im Sinn gehabt hatte. Die
dritte Folge der "Yellow Lounge" für die atmosphärische Nachbereitung daheim
oder schlicht für den klassischen Hörgenuss zwischendurch ist daher ebenso
anspruchsvoll und zugleich unterhaltsam wie schon die Vorgänger. Und das Konzept
erweist sich einmal mehr nicht nur als tragfähig, sondern als zukunftsweisend.
Bei amazon
bestellen Yellow Lounge Vol.
3 |