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So
dicht wie
kein anderer geht Stefan May an seine Modelle heran. So hart und konsequent er
mit ihnen umgeht, agiert er dabei aber auch sensibel und emotional. "Ich
untersuche die Menschen nach ihrer Emotionsfähigkeit und ihrem
schauspielerischen Können."
Stefan May, der, wie er sagt
"keinen Plan hat", weiß was er will und lässt es geschehen. Ganz sanft dirigiert
er Situationen, ganz unauffällig und bedächtig geht er mit den Menschen um. Und
so schafft er genau den Moment, der exakt das Foto entstehen lässt, welches
berührt. Vertrauen und emotionale Tiefe verschmelzen in den Fotos zu
ungewöhnlichen Gesten, Bewegungen und Ausdrucksformen. Aus "Modellen" werden
Schauspieler, die aus sich herausgehen, sich verändern und in Rollen hinein
wachsen.
Es ist die Kunst von Stefan May, die Technik wie ein Dirigent
einzusetzen: Eine sensible Lichtführung und der fast altmodisch anmutende Hang
zur tradierten Qualität in Schwarzweiß sind ihm ein besonderes Anliegen. Im
digitalen Bereich der Bildbearbeitung ist er auf dem neuesten Stand. Er probiert
und experimentiert beständig, doch er wendet sich nicht von der
Analogiefotografie ab. Wer jemals einen Originalabzug seiner Fotos gesehen hat,
weiß, dass seine Liebe zum Handwerk einem Glaubenssatz gleich kommt. Es geht um
nicht weniger als die "Seele" des Fotos. Sie muss leben, spürbar sein, auch bei
absolut perfekter Bearbeitung der ausschließlich handgefertigten Abzüge. Diese
Haptik, ein Original tasten und spüren zu können gibt jedem seiner Fotos erst
das Leben, das Einzigartige.
Von Stefan May werden Bilder in der
Tradition eines Frantisek Drtikol, eines Man Ray, Horst P. Horst oder Herb Ritts
neu geboren. Starke und sensible Männer, die von Frauen und Männern wegen ihrer
Natürlichkeit und Offenheit bewundert und geliebt werden möchten. Nach
ästhetisch übersteigerten Visionen à la Wilhelm von Gloeden oder Bruce Weber
sucht man bei Stefan May vergeblich, auch die Stilisierungen eines Robert
Mapplethorpes finden optisch und inhaltlich nicht statt.
Für Frantisek
Drtikol war der Mann "zur Hälfte Gott und zur Hälfte Tier". Wie kaum ein anderer
Fotograf stellt Stefan May den Mann so als Mann vor: Mann als Macho, Mann als
Muskelprotz, Mann als "Schau mir in die Augen, Kleines", Mann als ewiger
Autofreak, als Beau am Strand oder auf einer Bühne, tanzend, springend und
nieder kniend. Bei Stefan May sind die Männer ganz im Hier und Jetzt. Aber
selten ist man dabei so nah dran am Mann, porentief und hautintensiv, eine
Gratwanderung aus Nähe und Distanz. Wo liegen die Grenzen? Diese Bilder sagen es
klar und deutlich: hier bin ich, hier ist meine Welt, in der ich lebe und mich
wahrnehme. Und das mal als halber Gott, mal als halbes Tier!
Zurückhaltend und leise, ein Fotograf ohne Allüren, der sich ruhig
bewegt und sich erst während der Arbeit völlig auslebt. Geradezu fanatisch ist
Stefan Mays Suche nach Perfektion. Ob Modelle, Locations, Styling, Make-up,
Haare, hier wird nichts dem Zufall überlassen, sondern genau kontrolliert.
Stefan Mays große Fähigkeit ist auch, dass der Betrachter davon nichts spürt.
Seine Bilder sehen aus wie aus der Hüfte geschossen, spontan und aus der Laune
heraus geboren. Aber sie sind exakt erarbeitete und bewusst erlebte Momente. Uns
so spürt man bei jedem Bild die Seele, die in der Kunst der May'schen Fotografie
steckt. Man spürt den Dirigenten, der perfekt mit den Situationen, dem Licht,
der Technik und vor allem mit den Männer-Menschen umgeht. Mit diesen Bildern hat
Stefan May sensibel und konsequent ein wunderschönes Kaleidoskop geschaffen:
"Men" - ein bisschen Gott und ein bisschen Tier!
MEN Photographs by Stefan May
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