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Am nächsten Tag hatte sich die Neuigkeit im ganzen
Dorf verbreitet. Jedermann hatte plötzlich begonnen, seine Pelzchen aufzuheben.
Man verschenkte zwar immer noch welche, aber sehr, sehr vorsichtig.
"Unterscheide!", sagten sie. Die kleinen Wippiduler begannen einander
misstrauisch zu beobachten und verbargen ihre Beutel mit den Pelzchen während
der Nacht vorsichtigerweise unter ihrem Bett. Streitigkeiten brachen darüber
aus, wer die meisten Pelzchen hat, und schon bald begannen die Leute, weiche
Pelzchen für Sachen einzutauschen, anstatt sie einfach zu verschenken. Der
Bürgermeister von Wippidu stellte fest, dass die Zahl der Pelzchen begrenzt sei,
rief die Pelzchen als Tauschmittel aus, und schon bald fragten sich die Leute,
wie viel ein Mahl oder eine Übernachtung im Hause eines jeden kosten soll. Es
gab sogar einige Fälle von Raub wegen Pelzchen.
An manchen dämmrigen Abenden war man draußen nicht
mehr sicher, an Abenden, an denen die Wippiduler früher gern in den Park und auf
den Straßen spazieren gingen und einander grüßten, um sich weiche warme Pelzchen
zu schenken.
Das schlimmste von allem an der Gesundheit der
kleinen Leute begann sich etwas zu ändern, viele klagten über Schmerzen in
Schultern und Rücken, und mit der Zeit befiel mehr und mehr kleine Wippiduler
eine Krankheit, bekannt als Rückgraterweichung.
Sie liefen gebückt umher und (in den schlimmsten
Fällen) bis zum Boden gebeugt. Ihre Pelzchenbeutel schleiften auf dem Boden.
Viele Leute im Dorf fingen an zu glauben, dass das Gewicht des Beutels die
Ursache der Krankheit sei, und dass es besser wäre, sie zu Hause einzuschließen.
Binnen kurzem konnte man kaum noch einen Wippiduler mit einem Pelzchenbeutel
antreffen.
Zuerst war der Kobold mit dem Ergebnis seiner Lüge
zufrieden. Er hatte herausfinden wollen, ob die kleinen Leute auch so fühlen und
handeln würden wie er, wenn er selbstsüchtige Gedanken pflegte. Und er fühlte
sich erfolgreich, so wie die Dinge liefen.
Wenn er nun in das Dorf kam, grüßte man ihn nicht
länger mit einem Lächeln und bot ihm keine weichen Pelzchen an. Statt dessen
starrten ihn die kleinen Leute misstrauisch an, so wie sie auch einander
anstarrten. Und ihm war es auch lieber so. Für ihn bedeutete dies, der
Wirklichkeit ins Auge zu schauen: "So ist die Welt", pflegte er zu sagen. Mit
der Zeit ereigneten sich aber schlimmere Dinge. Vielleicht wegen der
Rückgraterweichung, vielleicht auch deshalb, weil ihnen niemals jemand ein
weiches Pelzchen gab, starben einige der kleinen Leute. Nun war alles Glück aus
dem Dorf Wippidu verschwunden - und es betrauerte das Dahinscheiden seiner
kleinen Bewohner.
Als der Kobold davon hörte, sagte er zu sich selbst:
"Mein Gott, ich wollte ihnen nur zeigen, wie die Welt wirklich ist. Ich habe
ihnen nicht den Tod gewünscht." Er überlegte, was man jetzt machen könne, und er
erdachte einen Plan. Tief in seiner Höhle hatte der Kobold eine geheime Mine von
kaltem, stacheligem Gestein entdeckt. Er hatte viele Jahre damit verbracht, die
stacheligen Steine aus dem Berg zu graben, denn er liebte deren kaltes und
prickeliges Gefühl - und er blickte gerne auf den wachsenden Haufen kalter,
stacheliger Steine im Bewusstsein, dass sie alle ihm gehörten.
Er entschloss sich, sie mit den Wippidulern zu
teilen. So füllte er Hunderte von Säcken mit den kalten, stacheligen Steinen und
nahm sie mit ins Dorf. Als die Leute die Säcke mit den Steinen sahen, waren sie
froh und nahmen sie dankbar an. Nun hatten sie wieder etwas, was sie sich
schenken konnten. Das einzig Unangenehme war, dass es nicht so viel Spaß machte,
kalte, stachelige Steine zu verschenken, wie weiche, warme Pelzchen. Einen
stacheligen Stein zu geben war gleich eine Art, dem anderen die Hand zu reichen
- aber nicht so sehr in Freundschaft und Liebe. Auch einen stacheligen Stein zu
bekommen, war mit einem eigenartigen Gefühl verbunden. Man war nicht ganz
sicher, was der Geber meinte, denn schließlich waren die Steine kalt und
stachelig. Es war nett, etwas von einem anderen zu erhalten, aber man blieb
verwirrt und oft mit zerstochenen Fingern zurück.
Beginn: Ein
Märchen Teil 1 auch, oder gerade für Erwachsene
Fortsetzung: Ein
Märchen Teil 3 auch, oder gerade für Erwachsene |