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Im Flieger ist das Reisen inzwischen für viele eine reine
Routinesache; ob in der Business Class oder als "Rucksacktourist" im
Billigflieger. Man weiß es: Gewöhnlich ist dort bequeme Kleidung klassenlos
angesagt. An Bord eines Schiffes ist dagegen vieles (noch) anders. Sicher, man
kennt das Traumschiff aus dem Fernsehen ganz genau. Dennoch verläuft die
richtige Kreuzfahrt meist nicht so wie die illusionäre Kopie daheim im
"Puschenkino".
An Bord ist Reality für
"Herrn und Frau Jedermann". Wenn die Leinen einmal los sind, lassen sich Fehler
kaum noch korrigieren. Was muss ich also planen? Was muss ich mitnehmen? Habe
ich alles in den Koffern? Was ziehe ich wann an, wenn es auf Kreuzfahrt
geht?
Grundsätzlich solltest Du wissen, dass an kaum einem anderen Urlaubsort die
Klassengesellschaft so gepflegt wird wie auf den großen Kreuzfahrschiffen. Die
Klasse ist nachgerade systemimmanent – sozusagen ein fester Bestandteil des
Reiseprogramms. Die Markierung der Klassengrenzen zieht sich vom Abstand der
Fenster der Kabine zur Wasserlinie in Zentimetern bis hin zur jeweils größten
erreichbaren Nähe zum Kapitänstisch. Das ist O.K., denn jeder weiß, oder sollte
wissen, auf was er sich bei Seereisen einlässt. Ein Unterhaltungsspiel auf
Gegenseitigkeit. Sehen und gesehen werden. Das weiß man. Das verpflichtet.
Die Kreuzfahrtliner selbst tragen bereits Klassenmerkmale, die sie
unnachahmlich unterscheidet. Es gibt Ozeanriesen mit dem ständig
vorprogrammierten imaginären "blauen Band" des Elitären und solche, die
ebenfalls recht fein sind, aber nur "so mitschwimmen".
Je nach Klasse des Schiffs ist der Kleidungsstandard, der vom Passagier
erwartet wird, unterschiedlich. In den 30er Jahren mieteten die "Vielflieger"
jener Tage auf den großen Luxuslinern der Atlantikroute im Bug des Schiffes
ständigen "Seekoffer". Der Frack, Frackweste, Dinnerjackets, Abendkleider und
alles, was man eben sonst noch an Bord zu tragen hatte, wurde dort regelmäßig
von den Stewards gepflegt, selbst wenn man nicht an Bord war. Zur Ausstattung
vieler First-class-Passagiere gehörte seinerzeit auch die goldene Kaviarkugel,
die man lässig an einer Goldkette trug. Bei Gelegenheit wurde die Kugel auf den
"Block" fallen gelassen. An der Art, mit der die Kugel zurückfederte, erkannte
der Kenner die Frische des Kaviars.
Gleichwohl, es hat sich mittlerweile an Bord einiges verändert. Korrekte
sportliche Kleidung ist auch auf Luxuslinern "in". Der Herr trägt zum Beispiel
tagsüber Polo-Hemd und Bermuda-Shorts. Die Dame kann ebenfalls in Shorts und
Polo-Shirts – ärmellos oder mit kurzem Ärmel – auftreten. T-Shirts und
Spaghetti-Träger bei Mahlzeiten genügen indessen nicht der Etikette bei Tisch.
Zum Lunch empfiehlt sich ein leichtes Sommerkleid für die Tischdame.
Am Abend solltest Du die offizielle Kleidungsempfehlung unbedingt beachten,
um nicht gegen die allgemeine Etikette an Bord zu verstoßen. Sie kann von
"leger" über "Jackett und Krawatte" bis hin zur "'Abendgarderobe" laufen. Zum
Kapitäns-Dinner sowie für andere Galaveranstaltungen ist in der Regel die
Abendgarderobe Pflicht.
Für die Herren bedeutet das, ein weißes Dinnerjackett mit Smokinghose und für
die Damen ein festliches Abendkleid. Das muss man im Urlaubskoffer haben.
Allerdings: Die ganz große Garderobe mit Frack und Ehrenzeichen und die
Kaviarkugel darf man heute indessen auf den meisten Schiffen getrost zu Hause
lassen.
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