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Ein kleiner Kreuzfahrtknigge
Angels @ Sea
© Angels Travels

Im Flieger ist das Reisen inzwischen für viele eine reine Routinesache; ob in der Business Class oder als "Rucksacktourist" im Billigflieger. Man weiß es: Gewöhnlich ist dort bequeme Kleidung klassenlos angesagt. An Bord eines Schiffes ist dagegen vieles (noch) anders. Sicher, man kennt das Traumschiff aus dem Fernsehen ganz genau. Dennoch verläuft die richtige Kreuzfahrt meist nicht so wie die illusionäre Kopie daheim im "Puschenkino".

An Bord ist Reality für "Herrn und Frau Jedermann". Wenn die Leinen einmal los sind, lassen sich Fehler kaum noch korrigieren. Was muss ich also planen? Was muss ich mitnehmen? Habe ich alles in den Koffern? Was ziehe ich wann an, wenn es auf Kreuzfahrt geht?

Grundsätzlich solltest Du wissen, dass an kaum einem anderen Urlaubsort die Klassengesellschaft so gepflegt wird wie auf den großen Kreuzfahrschiffen. Die Klasse ist nachgerade systemimmanent – sozusagen ein fester Bestandteil des Reiseprogramms. Die Markierung der Klassengrenzen zieht sich vom Abstand der Fenster der Kabine zur Wasserlinie in Zentimetern bis hin zur jeweils größten erreichbaren Nähe zum Kapitänstisch. Das ist O.K., denn jeder weiß, oder sollte wissen, auf was er sich bei Seereisen einlässt. Ein Unterhaltungsspiel auf Gegenseitigkeit. Sehen und gesehen werden. Das weiß man. Das verpflichtet.

Die Kreuzfahrtliner selbst tragen bereits Klassenmerkmale, die sie unnachahmlich unterscheidet. Es gibt Ozeanriesen mit dem ständig vorprogrammierten imaginären "blauen Band" des Elitären und solche, die ebenfalls recht fein sind, aber nur "so mitschwimmen".


Angels @ Sea
© Angels Travels

Je nach Klasse des Schiffs ist der Kleidungsstandard, der vom Passagier erwartet wird, unterschiedlich. In den 30er Jahren mieteten die "Vielflieger" jener Tage auf den großen Luxuslinern der Atlantikroute im Bug des Schiffes ständigen "Seekoffer". Der Frack, Frackweste, Dinnerjackets, Abendkleider und alles, was man eben sonst noch an Bord zu tragen hatte, wurde dort regelmäßig von den Stewards gepflegt, selbst wenn man nicht an Bord war. Zur Ausstattung vieler First-class-Passagiere gehörte seinerzeit auch die goldene Kaviarkugel, die man lässig an einer Goldkette trug. Bei Gelegenheit wurde die Kugel auf den "Block" fallen gelassen. An der Art, mit der die Kugel zurückfederte, erkannte der Kenner die Frische des Kaviars.

Gleichwohl, es hat sich mittlerweile an Bord einiges verändert. Korrekte sportliche Kleidung ist auch auf Luxuslinern "in". Der Herr trägt zum Beispiel tagsüber Polo-Hemd und Bermuda-Shorts. Die Dame kann ebenfalls in Shorts und Polo-Shirts – ärmellos oder mit kurzem Ärmel – auftreten. T-Shirts und Spaghetti-Träger bei Mahlzeiten genügen indessen nicht der Etikette bei Tisch. Zum Lunch empfiehlt sich ein leichtes Sommerkleid für die Tischdame.

Am Abend solltest Du die offizielle Kleidungsempfehlung unbedingt beachten, um nicht gegen die allgemeine Etikette an Bord zu verstoßen. Sie kann von "leger" über "Jackett und Krawatte" bis hin zur "'Abendgarderobe" laufen. Zum Kapitäns-Dinner sowie für andere Galaveranstaltungen ist in der Regel die Abendgarderobe Pflicht.

Für die Herren bedeutet das, ein weißes Dinnerjackett mit Smokinghose und für die Damen ein festliches Abendkleid. Das muss man im Urlaubskoffer haben. Allerdings: Die ganz große Garderobe mit Frack und Ehrenzeichen und die Kaviarkugel darf man heute indessen auf den meisten Schiffen getrost zu Hause lassen.


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