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Museo Frida Kahlo
Die gebrochene Säule, Frida Kahlo 1944 (Öl auf Leinwand, 40x30 cm, Dolores Olmedo Stiftung)
© Instituto Nacional de Bellas Artes, Mexico City
Die gebrochene Säule, Frida Kahlo 1944
Casa Azul, Mexico City

Frida appassionata
Wer Mexico City besucht, sollte nicht versäumen, einen Abstecher in den reizvollen Vorort Coyoacán zu machen, wo das Haus der Malerin Frida Kahlo steht. Das Gebäude ist nationales Kulturgut und Museum (seit 1993).

Es bietet intime Einblicke in die Lebenswelt Fridas und den Lebensstil der mexikanischen Bohème im 20. Jahrhundert, erzählt Geschichten einer leidenschaftlichen Künstlerexistenz: Hier wurde Frida Kahlo am 6. Juli 1906 geboren, hier wuchs sie auf, hier lebte sie 25 Jahre mit ihrer großen Liebe Diego Rivera, hier gingen Revolutionäre, Künstlergenies und Kapitalisten ein und aus, hier malte sie, hier überstand sie Krankheiten und Beziehungskrisen – und hier starb sie 1954 mit nur 47 Jahren.
Frida Kahlos Studio mit Rollstuhl und unvollendetem Stalinportrait
© Hershon/Guerra
Frida Kahlos Studio mit Rollstuhl und unvollendetem Stalinportrait

Kompromisslose Leidenschaft
Frida Kahlo, mexikanisch-deutscher Herkunft, gehört unumstritten zu den bedeutendsten Malerinnen ihrer Zeit. Die Direktheit und Intensität der mehr als 70 Selbstportraits, die emotionale Kraft und Aufrichtigkeit ihrer Bilder faszinieren jeden Betrachter. Mit schonungsloser Offenheit stellte sie ihre Lieben, Niederlagen und Höhepunkte, ihre Leidensgeschichten, ihre Kinderlosigkeit, ihre Affären, die mitunter turbulenten Phasen der Ehe mit dem mexikanischen Freskenmaler Diego Rivera und den Schmerz in den Mittelpunkt ihres Schaffens.

Frida als Zweijährige im Innenhof ihres Hauses, Detail des Bildes „Meine Großeltern, meine Eltern und ich“ (1936)
© Museum of Modern Art, New York
Frida als Zweijährige im Innenhof ihres Hauses, Detail des Bildes „Meine Großeltern, meine Eltern und ich“ (1936)

Fridas Leben nahm eine dramatische Wendung als sie im Alter von 18 Jahren Opfer eines Verkehrsunfalls wurde. Eine Straßenbahn rammte den Bus, in dem sie saß. Sie erlitt lebensgefährliche Verletzungen, Knochenbrüche am Becken und der Wirbelsäule, eine Metallstange durchbohrte ihren Unterleib – sie überlebte. Trotz dieses Schicksalsschlages und chronischer Schmerzen gab sich Frida Kahlo niemals auf, nahm am sozialen und politischen Leben ihres Landes regen Anteil.

Die Meisterschaft ihrer Kunst entwickelte sich autodidaktisch, spirituell tief verwurzelt in der indianischen Kultur. Internationaler Ruhm stellte sich ein, als sie von den Surrealisten als ihresgleichen erkannt wurde. Frida lebte und liebte kompromisslos und konsequent nach eigenen Vorstellungen, bereiste die USA und Europa, und begegnete bemerkenswerten Menschen, etwa Leo Trotzki, dem Filmpionier Eisenstein, dem Komponisten Gershwin, den Rockefellers und Fords.

Tagebuchblatt von Frida Kahlo mit Tenderpoint-ähnlichen Pfeilmarkierungen, mit amputiertem linkem Bein
© Museo Frida Kahlo
Tagebuchblatt von Frida Kahlo mit Tenderpoint-ähnlichen Pfeilmarkierungen, mit amputiertem linkem Bein

Dolorosa: Diagnose Fibromyalgie?

„Meine Malerei trägt die Botschaft des Schmezes in sich.“ Das Bild „Die gebrochene Säule“, entstand nach einer Operation und zeigt eine bewegungsunfähige, in ein orthopädisches Stützkorsett gezwängte Person, nackte Haut mit Nägeln gespickt. Der Körper ist in der Mitte aufgerissen, von einer mehrfach gebrochenen ionischen Säule fragil stabilisiert, inmitten der Einsamkeit einer trostlosen Landschaft. Obwohl schmerzvolle Tränen über ihre Wangen rinnen, präsentiert sich Frida in majestätischer Würde, aufrecht, unbeugsam, klaglos, verzieht keine Miene. Mediziner rätseln seit langem, an welcher Erkrankung Frida Kahlo gelitten haben könnte. Diagnosen wie Tuberkulose oder Syphilis erwiesen sich als haltlos.

Sicher ist, dass sie chronisch schmerzkrank war, immer wieder mit unterschiedlichsten Verfahren und Arzneimitteln behandelt wurde, zahlreiche orthopädische Operationen in den USA und Mexico überstand, fixiert in Korsettagen aus Metall oder Gips – ohne Erfolg, die Schmerzen blieben. Vieles spricht für die Diagnose Fibromyalgie: Kardinalsymptome wie generalisierte chronische Schmerzen und Müdigkeit sind dokumentiert. Darüber hinaus blieben, typisch für Fibromyalgie, alle verfügbaren Therapien unwirksam. In einem Tagebucheintrag stellte sich Frida Kahlo von 11 Pfeilen getroffen dar, ein Bezug auf Körperstellen anatomischer Schmerzpunkte (Tenderpoints).

Frida Kahlo
Frida Kahlo

Casa Azul – Das Blaue Haus
Das U-förmige Gebäude im Kolonialstil umschließt einen zentralen Innenhof, in dem tropische Pflanzen wuchern, ehemals auch von Papageien und Affen bevölkert – hier spielte Frida als Kind und arbeitete als Erwachsene mit Ihren Studenten („Los Fridos“). Im Wohnzimmer wurde gefeiert und diskutiert, illustre Freunde aus aller Welt genossen Gastfreundschaft. Heute dient es als Galerie mit zahlreichen Bildern von Frida Kahlo.

In weiteren Räumen sind Fridas farbenfrohe Tijuana-Gewänder, ihr Tagebuch, Masken und Idole sowie Werke von Rivera, Klee, Velasco, Duchamp und Tanguy zu sehen. Esszimmer und Küche zeigen Mexico in Reinkultur: bemalte Böden, an der Decke baumelnde Pappskelette, mexikanisches Steingut, Tierkeramiken. Fridas Schlafzimmer, Studio und Bibliothek finden sich im Obergeschoss eines Anbaus. Fridas Rollstuhl ist leer, ein unvollendets Stalinportrait auf ihrer Staffelei, Diegos Hut und Jacke hängen noch an der Wand – und auf Fridas Kopfkissen ist zu lesen: „Vergiss mich nicht mein Liebster!“


Dr. Eberhard J. Wormer

Haupteingang des Museo Frida Kahlo in Mexico City, Coyoacán

Museo Frida Kahlo, Mexico City, Coyoacán, Calle Londres 247/Allende,

Tel 525-658-8732, Metro 3 (Coyoacán Viveros)

Herrera H: Frida Kahlo. Die Gemälde. Schirmer/Mosel, München 1997

Hershon E, Guerra R: Frida Kahlo. RM Arts, München 1983/Arthaus, DVD 2004

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