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Das Badehaus blickt auf eine
lange Tradition zurück Mit der Herrschaft der Türken, schossen überall Hamams
aus dem Boden, war doch die körperliche Reinheit Voraussetzung für das
Gebet.
Viele der Bäder befinden
sich in alten, historischen Gebäuden. In der Zeit der Sultane war ein Treffen im
Bad mit schwulem Tete-a-tete gang und gebe. Miniaturen aus dieser Zeit lassen an
Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.
In neuerer Zeit werden die
Hamams aber immer weniger besucht. Moderne Wohnungen mit eigenen Bädern mache
das öffentliche Badehaus überflüssig. Daher sind viele etwas heruntergekommen.
Aber es gibt sie noch, die pompösen Badetempel. Von außen eher unscheinbar,
überrascht das Innere mit Marmor und einem Spiel aus Licht und
Schatten.
Den Hamam besucht man am
besten abends oder am Wochenende. Männer aller Altersklassen treffen sich zum
gemeinsamen Schwitzen, zur Massage und Plausch. Im Dampfraum ist man, bei
tropischen Temperaturen, auch einem innigerem Körperkontakt auch nicht
abgeneigt.
Im ersten Raum wird sich um-
bzw. ausgezogen. Hemd und Hose werden gegen ein rot-kariertes Wickeltuch
getauscht. Dann geht es ab in den Hararet, dem Schwitzraum. Er ist der
Mittelpunkt des Bades. Eine hohe Kuppel wölbt sich über dem Raum. Aus kleinen
Öffnungen in der Decke dingt das Licht gebündelt ins Innere, malt helle Kreise
auf den Boden. Der Rest des Raumes versinkt in schummriges Dämmerlicht.
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Lang ausgestreckt liegen
Männer auf dem warmen Boden begießen sich mit Wasser. Nass klebt das Wickeltuch
auf der Haut, zeichnet Konturen nach - orientalische Erotik. In der Mitte der
Halle steht der „Nabelstein". Die Arbeitsstätte des Tellak, des Masseurs. Wer an
eine Massage mit Streicheleinheiten denkt, wird herb enttäuscht. Mit geübtem
Griff wir das Tuch von der Hüfte gezogen. Bloß keine falschen Hoffnungen machen!
Der Körper verschwindet unter Bergen von Seifenschaum.
Dann beginnt die
Massage, die eher einem Knochenbrechen ähnelt. Es wird geknetet, gedrückt und
gewalkt. Das Knacken der Knochen scheint dem Tellak besonders gut zu gefallen.
Bald fragt man sich, warum man sich das antut. Wurde die Vorderseite gründlich
bearbeitet, kommt der Rücken dran. Ist das Lächeln des Masseurs eher ein
teuflisches Grinsen? Wer jetzt nicht aufhört, erlebt der Folter zweiter Teil.
Mit einem rauen Lappen,
traditionell aus Pferdehaar, wird der Körper abgerubbelt. Bald stellt sich das
Gefühl ein, es ist nur noch rohes Fleisch übrig. Der Tellak gibt erst Ruhe, bis
auch das letzte Fitzelchen alter Haut abgerieben ist. Fast fluchtartig springt
man von „Nabelstein", sinkt erschlagen in einer der Ruheecken zusammen. Nach
einer kalten Dusche, bekommt man ein trockenes Wickeltuch und warme Handtücher.
Ausruhen in der Kabine. Bei einem Glas Tee kehren die Lebensgeister zurück, auch
in den Nachbarkabinen.
Gemeinsam lässt sich auch
die neuerwachte Erregung besser genießen. Bei den gemeinsamen
Handgreiflichkeiten, sollte man aber sehr auf Diskretion achten Das Personal und
der Hamambesitzer sind meist nicht schwul und die Stimmung wechselt von Toleranz
zu heftiger Abneigung. Oft ist es ratsamer, nach dem Baumeln der Seele im Dampf,
auch alles andere einfach baumeln zu lassen und das erotische Abenteuer im
schwulen Bermuda-Dreieck Taksim zu suchen.
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