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Hamam
Turkish Bathhouse
© MSD

Das Badehaus blickt auf eine lange Tradition zurück Mit der Herrschaft der Türken, schossen überall Hamams aus dem Boden, war doch die körperliche Reinheit Voraussetzung für das Gebet.   

                                         

Viele der Bäder befinden sich in alten, historischen Gebäuden. In der Zeit der Sultane war ein Treffen im Bad mit schwulem Tete-a-tete gang und gebe. Miniaturen aus dieser Zeit lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

 

In neuerer Zeit werden die Hamams aber immer weniger besucht. Moderne Wohnungen mit eigenen Bädern mache das öffentliche Badehaus überflüssig. Daher sind viele etwas heruntergekommen. Aber es gibt sie noch, die pompösen Badetempel. Von außen eher unscheinbar, überrascht das Innere mit Marmor und einem Spiel aus Licht und Schatten.

 

Den Hamam besucht man am besten abends oder am Wochenende. Männer aller Altersklassen treffen sich zum gemeinsamen Schwitzen, zur Massage und Plausch. Im Dampfraum ist man, bei tropischen Temperaturen, auch einem innigerem Körperkontakt auch nicht abgeneigt.

 

Im ersten Raum wird sich um- bzw. ausgezogen. Hemd und Hose werden gegen ein rot-kariertes Wickeltuch getauscht. Dann geht es ab in den Hararet, dem Schwitzraum. Er ist der Mittelpunkt des Bades. Eine hohe Kuppel wölbt sich über dem Raum. Aus kleinen Öffnungen in der Decke dingt das Licht gebündelt ins Innere, malt helle Kreise auf den Boden. Der Rest des Raumes versinkt in schummriges Dämmerlicht.  


Hamam 2
© MSD


Lang ausgestreckt liegen Männer auf dem warmen Boden begießen sich mit Wasser. Nass klebt das Wickeltuch auf der Haut, zeichnet Konturen nach - orientalische Erotik. In der Mitte der Halle steht der „Nabelstein". Die Arbeitsstätte des Tellak, des Masseurs. Wer an eine Massage mit Streicheleinheiten denkt, wird herb enttäuscht. Mit geübtem Griff wir das Tuch von der Hüfte gezogen. Bloß keine falschen Hoffnungen machen! Der Körper verschwindet unter Bergen von Seifenschaum.

Dann beginnt die Massage, die eher einem Knochenbrechen ähnelt. Es wird geknetet, gedrückt und gewalkt. Das Knacken der Knochen scheint dem Tellak besonders gut zu gefallen. Bald fragt man sich, warum man sich das antut. Wurde die Vorderseite gründlich bearbeitet, kommt der Rücken dran. Ist das Lächeln des Masseurs eher ein teuflisches Grinsen? Wer jetzt nicht aufhört, erlebt der Folter zweiter Teil.

Mit einem rauen Lappen, traditionell aus Pferdehaar, wird der Körper abgerubbelt. Bald stellt sich das Gefühl ein, es ist nur noch rohes Fleisch übrig. Der Tellak gibt erst Ruhe, bis auch das letzte Fitzelchen alter Haut abgerieben ist. Fast fluchtartig springt man von „Nabelstein", sinkt erschlagen in einer der Ruheecken zusammen. Nach einer kalten Dusche, bekommt man ein trockenes Wickeltuch und warme Handtücher. Ausruhen in der Kabine. Bei einem Glas Tee kehren die Lebensgeister zurück, auch in den Nachbarkabinen.

 

Gemeinsam lässt sich auch die neuerwachte Erregung besser genießen. Bei den gemeinsamen Handgreiflichkeiten, sollte man aber sehr auf Diskretion achten Das Personal und der Hamambesitzer sind meist nicht schwul und die Stimmung wechselt von Toleranz zu heftiger Abneigung. Oft ist es ratsamer, nach dem Baumeln der Seele im Dampf, auch alles andere einfach baumeln zu lassen und das erotische Abenteuer im schwulen Bermuda-Dreieck Taksim zu suchen.


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