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Seit über 250
Jahren gilt der Apfelwein als das Frankfurter Nationalgetränk. Seine Geschichte
ist jedoch viel älter: Wann genau er erfunden wurde, ist bis heute nicht
bekannt. Fest steht nur, dass der Apfelwein zur Zeit Karls des Großen, also
bereits vor 1.200 Jahren, schon längst ein Begriff war. Der Apfelwein (häufig
auch Äpfelwein, Ebbelwei, Äbbelwoi, Äppler oder Stöffche genannt) gilt als
anregendes alkoholschwaches Getränk, das nicht müde macht, sondern Kreislauf und
Nervensystem günstig beeinflusst. Es hat in Frankfurt schon viele berühmte Ärzte
gegeben, die ihren Patienten den Genuss von Apfelwein ausdrücklich empfohlen
haben. Aus medizinischer Sicht wird dem Getränk eine gefäßerweiternde Wirkung,
eine bessere Gehirndurchblutung und Verzögerung des Alterungsprozesses
bescheinigt.
Mit der
Herstellung des Apfelweins in größerem Maßstab begann man im 16. Jahrhundert,
als Rebkrankheiten den Weinanbau, der bis dahin in Frankfurt reichlich betrieben
worden war, stark beeinträchtigten. Die große Zeit des Apfelweins brach jedoch
erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts an, als die Weintrauben aufgrund der
einsetzenden Klimaveränderung nicht mehr reif wurden. Viele Wirte waren
gezwungen, sich nach einer Alternative umzusehen, und so entstanden die ersten
Apfelwein-Wirtschaften. Mit behördlicher Genehmigung konnten die Wirte ihr
hauseigenes Gebräu ausschenken, eine Tradition, die bis heute fortlebt. Als
Erkennungszeichen musste jeder, der Apfelwein ausschenken wollte, einen grünen
Kranz vor seine Wirtschaft hängen. Manche dieser selbstkelternden Wirte
erweiterten nach und nach ihre Produktion, so dass im Lauf der Zeit so große
Keltereien wie Höhl und Possmann entstehen konnten, die mit einer Produktion von
rund 25 Millionen Liter Apfelwein und -saft pro Jahr heute zu den
Branchenführern gehören. Sachsenhausen gilt heute als die Hochburg des
Apfelwein-Konsums in Frankfurt, doch auch viele Gaststätten im Stadtzentrum und
in den Außenbezirken bieten ihn an.
Traditionsgemäß
wird der Apfelwein in einem blaugrauen Tonkrug serviert – dem sogenannten
Bembel. Getrunken wird er aus einem leicht geriffelten Glas, dem Gerippten. Ein
echter Apfelweintrinker trinkt seinen Apfelwein pur, nur in Ausnahmefällen
trinkt er mal einen Gespritzten, d.h. einen mit Mineralwasser verdünnten
Apfelwein. Unzumutbar für viele Apfelweinkenner ist ein Süßgespritzter, bei dem
der Apfelwein mit Limonade gemischt wird. Während der kalten Jahreszeit wird der
Apfelwein auch gerne heiß und mit Gewürzen versetzt getrunken. Im Sommer dagegen
fügt man dem Apfelwein Erdbeeren bei und trinkt dies dann als
Apfelweinbowle.
Gekeltert wird der Apfelwein im
Oktober und so entstehen je nach Jahreszeit mehrere Arten des Getränks. Der
trübe frischgepresste Saft im Herbst enthält keinen Alkohol. Wenn dieser Süße in
Fässern abgefüllt wird, vergärt er rasch und wird als Rauscher ausgeschenkt.
Dieses Getränk gilt für viele als vorzügliches, natürliches Abführmittel. Lässt
man den Rauscher den Herbst über in Ruhe im Fass gären, entfaltet er sich zur
vollen Stärke und wird ein richtiger Apfelwein. Dieses alkoholhaltige Stöffche
kann einem leicht zu Kopf steigen. Der Helle wird um die Weihnachtszeit
ausgeschenkt, lässt man ihn noch länger in Ruhe, reift er im Fass zum Alten
heran. Die Qualität des aromatischen Getränks bemisst sich alleine am Geschmack.
Viele erfahrene Wirte verstehen es aus diesem Grund, ihr Stöffche aus der
richtigen Mischung von süßen und sauren Apfelsorten zu pressen. So kommen sie
häufig auf altbewährte Apfelsorten zurück, vor allem auf den Speierling, ein
fester kleiner Apfel, der zum Essen nicht taugt.
Zum Stöffche
schmeckt am besten ein saftiges Rippchen mit Kraut, ein Haspel oder Leiterchen,
Kartoffeln mit „Grüner Soße“ und natürlich „Handkäs mit
Musik“. |