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Ein Tag bei gayroyal
Gay Online Dating - Das ultimative Handbuch fürs schwule Chatten, Verabreden und Bloggen
© Bruno Gmünder Verlag
Gay Online Dating

Die Zentrale von gayroyal befindet sich mitten in der Kölner Innenstadt, ganz in der Nähe des Neumarkts. Zentrale ist vielleicht nicht ganz treffend, das klingt so nach Office-Komplex mit Empfangssekretärin. Eher ist es jedoch eine Privatwohnung mit einem Büroarbeitsplatz. Das schwule Boomportal ist eben noch ein recht junges Pflänzchen, fest verwurzelt mit dem Boden der Tatsachen. Büroräume wird es erst zu einem späteren Zeitpunkt geben. Was passiert an einem stinknormalen Tag in der Schaltstelle des beliebten Gay-Dating-Service? Wir durften Mäuschen spielen.

 

6:30 Uhr

Alex Ganz schlurft vom Schlaf- ins Badezimmer. Auf dem Weg dorthin drückt er die Powertaste an seinem Rechner. Der fährt während des Zähneputzens und Kaffeekochens hoch und wartet leise schnurrend auf die erste Amtshandlung. „Ich schaue nach, ob gayroyal überhaupt noch läuft“. Abstürze hat es in der Vergangenheit schon öfters gegeben, aber nach mehreren Aufrüstungen läuft das System seit ein paar Monaten geradezu beunruhigend stabil. Trotz der 30.000 Useranmeldungen täglich. Insgesamt neun Computer stehen in einem Rechenzentrum beim Provider und sorgen dafür, dass monatlich mehrere Terabyte an Daten durch die Leitungen geschaufelt werden. Ein Terabyte, das ist eine 1 mit 13 Nullen- eine unvorstellbare Datenmenge. Ungefähr dieselbe Menge Daten würde man erzeugen, wenn man sich 200 DVDs hintereinander anschauen würde. Daten, die eine Menge Kohle kosten. Denn wer eine Webseite betreibt, der muss für den erzeugten Traffic, den Datenverkehr, zahlen. 

 

8:00 Uhr

Die Systeme sind gecheckt, die E-Mails ebenfalls. Nichts Außergewöhnliches darunter. „Eine Beschwerde: „Der Typ, der da auf dem Foto im Profil XY gepoppt wird, das bin ich. Ich will, dass das Bild da raus genommen wird.“ Ok. Ein paar Anfragen zur Bedienung der Tools. Alex antwortet mit Verweis auf die richtige Stelle in den FAQ, die Sammlung der wichtigsten Fragen und Antworten zur Nutzung des Portals. Nicht jeder kommt auf Anhieb mit der Benutzerführung klar, weil er es nicht gewohnt ist. Gayroyal ist kein Dating-Portal von der Stange, es ist im Laufe der Jahre organisch gewachsen und hat deshalb auch Menüs und Tools, die aufgrund der Bedürfnisse der User entstanden sind. Das erfordert etwas Einarbeitungszeit, ist zumeist intuitiv erlernbar, und dann ganz easy. Und wenn etwas unklar ist, oder nicht funktioniert, wie man es sich denkt, wird nachgefragt. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. „Hier klingelt auch schon mal um drei Uhr in der früh das Telefon“, wundert sich Alex über die User, die offensichtlich ihr Zeitgefühl verloren haben. Ein letzter prüfender Blick in das Gästebuch. Manchmal reden sich darin ein paar Hitzköpfe in Rage und vergessen dabei die Nettiquette. „Sollte es persönliche Beschimpfungen oder gar rassistische Kommentare geben, werden die sofort entfernt.“ Heute gibt es nichts zu löschen, alles in allem war es eine ruhige Nacht.

 

8:10 Uhr

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit für den Programmierer. Die Software will schließlich gehegt und gepflegt werden. Bugs, wie die Fehler in den Programmen genannt werden, müssen beseitigt werden. Und natürlich soll gayroyal schöner und besser werden. Alex nimmt sich die Baustelle mit der Suchmaschine vor. Die nächste Erweiterung der Funktionalitäten steht dort an. Gerade fertig geworden ist der Einbau der Haltestellenfunktion. Wer will, kann in seinem Profil angeben, welche Haltestelle in Wohnungsnähe liegt oder eben nach Usern in Haltestellennähe suchen lassen. Was jeden Insider staunen lässt: Alex programmiert komplett in einer Microsoft-Umgebung. „Garagenprojekte“, die aus Privatinitiative entstehen, arbeiten in der Regel mit Open Source-Software, weil die Anschaffungskosten geringer sind. Doch Alex hat in dem festen Job, den er vor seinem freiberuflichen gayroyal-Abenteuer hatte, mit MS-Software gearbeitet, und dabei ist es geblieben. Gedanklich versinkt er nun in Befehlszeilen und Softwarecodes. Für die nächsten Stunden ist er nicht mehr ansprechbar.

 

13:00 Uhr

In der Mittagspause läuft Alex zum Metzger um die Ecke. Zum Kochen ist keine Zeit.

 

13:15 Uhr

Bernd Kurz, ebenfalls Inhaber von gayroyal, taucht auf. Am Vormittag gab es schon ein paar Außentermine. Auch er absolviert sein E-Mail-Check-Ritual. Ein paar Neuanmeldungen für den XL-Club müssen abgeschlossen, Anfragen wegen Bannerwerbung beantwortet werden. Bernd ist für die Finanzen in der Firma zuständig. Steuerkram, Buchhaltung, all die notwendigen Übel halt, die ihm aber zusehends mehr Freude machen. Denn nach Jahren des Investierens fließt jetzt endlich Geld zurück. Der XL-Club, mit dem User kostenpflichtige Zusatztools bekommen, funktioniert inzwischen als Geschäftsmodell.

 

13:45 Uhr

Koordination ist das Stichwort für den Nachmittag. Bernd und Alex hängen am Telefonhörer und bekommen rote Ohren. Drei bis vier Stunden gehen am Tag für die Abstimmung zwischen den sieben ehrenamtlich zuarbeitenden Administratoren und den Geschäftspartnern drauf. Die Kollegen, die die niederländische Version von gayroyal betreuen, haben ein paar Fragen. Das Feedback der rund 100-köpfigen Beta-Community, die neue Features austesten, muss ausgewertet werden. Der Shop-Partner will etwas geändert haben, usw.

 

17:50 Uhr

DJ Helmi ruft an. Das Urgestein der Partyveranstalter erinnert Bernd daran, dass er zur nächsten Fete nach Düsseldorf kommen muss. Bernd sagt zu, seufzt aber nach dem Gespräch. Nicht wegen Helmi, aber in letzter Zeit sind es ein bisschen viele Partys, auf denen er präsent sein muss. Die Kooperationen mit den Event-Veranstaltern machen Sinn. Erstens wird gayroyal so präsenter, zweitens kann ihnen so niemand mehr vorwerfen, ihr Portal würde die Szenegastronomie schädigen. Ebenso wie bei ihren Berliner Kollegen von gayromeo hält sich auch bei ihnen hartnäckig das Gerücht, dass die Kneipen sofort spürbar voller würden, wenn der Server mal abschmiert. Wie viele von den rund 3.000 Usern, die sich an einem normalen Abend auf der Plattform tummeln, tatsächlich in die Kneipe gingen, gäbe es das Angebot nicht, weiß niemand genau. Umgekehrt aber lässt sich belegen, dass gayroyal Leute mobilisieren kann. Partys, die darüber publik gemacht werden, sind spürbar voller.

 

20:00

Alex merkt, dass statt des Monitors so langsam seine Augen zu flimmern beginnen. Eigentlich wäre es kein Problem, noch weiter zu machen, Arbeit ist reichlich da. Doch genug ist genug. Die Programmierwerkzeuge werden geschlossen, das Browserfenster mit gayroyal in den Hintergrund geklickt. Auch Bernd zieht es nach Hause, die Ohren sind heiß genug telefoniert. Alex bleibt aber noch ein bisschen vor dem Rechner sitzen. Er programmiert schon wieder. Diesmal allerdings Musik. „Zur Entspannung“, sagt er, und meint das ganz ernst …

 

Der Text ist eine Leseprobe aus dem neuen Ratgeber „Gay Online Dating. Das ultimative Handbuch fürs schwule Chatten, Verabreden und Bloggen“. Der von Christian Scheuß und Micha Schulze herausgegebene Band ist erschienen im Bruno Gmünder Verlag, hat 192 Seiten und kostet 12,95 Euro.

 

www.gayroyal.de
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