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© Foto: Astrid Witt/Rolf Kaiser |
| AIDS-Viren verlassen eine befallene Zelle des Immunsystems. |
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Seit der ersten erfolgreichen
Impfung durch den Arzt Edward Jenner im Jahr 1798 hat die Medizin eine Reihe
vorher tödlicher Infektionen besiegt, darunter die Viruserkrankungen Pocken und
Polio. Aktuelle Beispiele zeigen, dass mit diesen "Schlachten" keineswegs der
Krieg gegen Viruserkrankungen gewonnen ist: HIV ist zu einem der größten
globalen Killer gewachsen; die drohende weltweite Grippeepidemie lässt
Erinnerungen an die verheerende "Spanische Grippe" von 1918 wach werden, die
mehr Leben kostete als der Erste Weltkrieg; Hepatitis-Infektionen mit
langsamerem, aber oft tödlichem Verlauf breiten sich immer weiter
aus.
Einer der wichtigsten Gründe für die
fortdauernde Bedrohung durch Viren ist deren Wandelbarkeit, die häufig zu
Resistenzen gegen Medikamente führt oder Impfungen unwirksam macht. Doch mit
modernen biologischen Methoden bleibt die Medizin den Viren auf den Fersen.
Unterstützt wird sie dabei von der noch jungen Disziplin Bioinformatik, die in
den großen Mengen biologischer Daten medizinisch nutzbare Zusammenhänge
aufdeckt, beispielsweise zwischen Virus-Varianten und Wirkstoff-Resistenzen.
Diese Erkenntnisse werden gezielt für die Therapie und die Entwicklung neuer
Medikamente eingesetzt.
Ein Beispiel: Bei vielen
HIV-Patienten werden nach längerer Behandlung die Viren gegen den
"Medikamentencocktail" resistent. In solchen Fällen helfen den Ärzten mit
Computern abgeleitete statistische Modelle, die die Bedeutung von Mutationen im
Virusgenom für die Medikamentenresistenz erfassen. Beim gleichzeitigen Auftreten
mehrerer Mutationen gibt es dabei komplexe Wechselspiele, die sich nur mit
Computerhilfe analysieren lassen. Diese Bioinformatikmethoden basieren auf einer
Datenbank gemessener Resistenzwerte und werden in Kooperation zwischen der
Universität Köln, dem Forschungszentrum caesar, der Fachhochschule Bingen und
dem Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken entwickelt. Sie werden
bereits in der Praxis angewendet.
Die
Entwicklung neuer Therapien ist ein besonders wichtiges Einsatzgebiet der
Bioinformatik. Ihre Anwendungen reichen von der Identifizierung molekularer
Angriffspunkte für Wirkstoffe über die computergestützte Entwicklung neuer
Medikamente bis hin zur patientenspezifischen Optimierung von Therapien gegen
resistente Viren. Auch die Ausbreitung von Infektionen kann mit
bioinformatischen Methoden simuliert werden.
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© Grafik: Forschungszentrum caesar |
| Die Atome des Hepatitis-B-Virus sind nach ihrer Beweglichkeit eingefärbt. |
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Trotz aller Forschung, die
Wissenschaft ist der Entwicklung eines Impfstoffes gegen HIV heute nicht näher
als vor 20 Jahren. Nobelpreisträger David Baltimore glaubt, dass dieser Kampf zu
wichtig ist um einfach aufzugeben, auch wenn manche sagen, dass nie ein
Impfstoff gefunden werden wird. Der Präsident der American Association for the
Advancement of Science (AAAS) http://www.aaas.org betont, dass es eine große
Herausforderung für die Wissenschaft ist, sich auf den Kampf gegen die Natur
einzulassen. Vor allen auch etwas zu erreichen, dass der Evolution selbst nicht
gelungen ist. "Unser Mangel an Erfolg mag verständlich sein, aber er ist
nicht akzeptabel."
Auf dem Jahrestreffen der AAAS
erklärte der Biologe laut BBC, HIV habe einen Weg gefunden sich vor dem
menschlichen Immunsystem zu schützen. "Ich glaube, dass HIV Möglichkeiten
gefunden hat, das Immunsystem total in die Irre zu führen. Also müssen wir
besser sein als die Natur." Versuche, das Virus mit Antikörpern oder einer
Verbesserung des Immunsystems zu bekämpfen, sind gescheitert. Das habe die
Wissenschaftler frustriert, weil sie keinen Erfolg versprechenden Ansatz
erkennen können. Derzeit setzt die Forschung auf neue Verfahren wie die
Gentechnik oder die Behandlung mit Stammzellen.
Laut Baltimore besteht nur die
Möglichkeit, die Gene in den Stammzellen zu verändern. "Daher versuchen wir
Vektoren zu entwickeln, die Gene mit einem therapeutischen Nutzen transportieren
können." Baltimore gewann den Nobelpreis für Medizin 1975 für die
Entdeckung der Retrotranskriptase. Später wurde erkannt, dass dieses Enzym vom
Virus für die Vermehrung in den Zellen eingesetzt wird. Derzeit leitet der
Wissenschaftler das Baltimore Laboratory http://baltimorelab.caltech.edu an der
Caltech. Mit Unterstützung der Gates Foundation wird nach Möglichkeiten gesucht,
das Immunsystem gentechnisch im Kampf gegen Infektionen wie HIV zu
unterstützen.
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