|
Raucher haben ein größeres
Risiko mit HIV infiziert zu werden als Nicht-Raucher. Zu dieser Schlussfolgerung
kommt ein Wissenschaftsteam um Andrew Furber der South East Sheffield Primary
Care Trust, das eine groß angelegte Meta-Analyse von Studien zum Zusammenhang
zwischen Rauchen und HIV durchgeführt hat. Die Forscher vermuten, dass
Tabakrauch die Anfälligkeit für Infektionserkrankungen steigert. Eine andere
mögliche Erklärung sei, dass Raucher eher geneigt seien, sexuelle Risiken zu
nehmen. Die Forscher entdeckten allerdings auch, dass Rauchen das Fortschreiten
von HIV zu einem Ausbruch von AIDS nicht beschleunigt. Die Ergebnisse der
Analyse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Sexually Transmitted
Infection veröffentlicht.
Die Wissenschaftler erforschten 13 wissenschaftliche
Datenbanken sowie drei Datenbanken von vor kurzem stattgefundenen
internationalen AIDS-Konferenzen, analysierten entsprechende Webseiten und
befragten Experten. Von den 3.500 Studien bezogen sich sechs auf den
Zusammenhang zwischen Zigarettenrauch und HIV. Fünf davon kamen zum Ergebnis,
dass Rauchen das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, um 60 bis 300 Prozent
steigert. "Wir wissen, dass Tabak in die Blutbahn aufgenommen werden kann und
somit das körpereigene Immunsystem beeinflusst", erläutert Furber dieses Befund.
Dem Forscher zufolge haben frühere Studien zwar bereits gezeigt, dass Tabak das
Risiko auf Geschlechtserkrankungen steigert, aber es sei das erste Mal, dass HIV
und Rauchen miteinander in Verbindung gebracht wurden.
Zehn weitere Forschungsarbeiten richteten sich auf
den Zusammenhang zwischen Rauchen und dem Fortschreiten zu einem Ausbruch von
AIDS. Neun davon konnten hier keinen Zusammenhang feststellen. Allerdings wurden
die Therapien gegen die Entstehung von Retroviren, die die Entstehung von AIDS
verlangsamen, zur Zeit dieser Studien noch nicht angewendet. Furber vermutet,
dass dies den Zusammenhang verbergen könnte. "Anfang dieses Jahres konnte
eine US-amerikanische Studie nachweisen, dass HIV-positive Raucher trotz der
Tatsache, dass sie eine antiretrovirale Therapie bekamen, ein um 36 Prozent
höheres Risiko haben, innerhalb von fünf Jahren eine AIDS-bezogene Erkrankung zu
entwickeln", bestätigt Keith Alcorn, Chefredakteur der
Online-Informationsquelle National AIDSmap http://www.aidsmap.com , diese
Vermutung in einem Kommentar auf BBC-Online.
Laut Furber sei weitere Forschung absolut notwendig.
"Jetzt, wo der Tabakmarkt fast gesättigt ist, orientiert sich die Industrie
im zunehmenden Maße richtung Asien, Osteuropa und Afrika. Dies sind gerade die
Gebiete, wo die HIV-Epidemie die meisten Opfer fordert", so der Forscher.
Wenn diese Wechselbeziehung tatsächlich existiert, sei es wichtig, darüber
informiert zu sein. "Es könnte die Weise, worauf wir in Entwicklungsländern
Gesundheitsprogramme durchführen, beeinflussen", so Furbes. Alcorn fordert
Ärzte auf, jedem HIV-infizierten Patient dringend zu empfehlen, mit dem Rauchen
aufzuhören. "Rauchende HIV-positive Patienten haben ein erhöhtes Risiko auf
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie ein viel größeres Risiko auf verschiedene mit
Rauchen zusammenhängende Krebsformen, ob sie nun in Behandlung sind oder
nicht", so Alcorn abschließend. |