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© Eveline d'Hanens |
| Receiving treatment |
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Jenseits von Afrika? Lessons learned und die
Folgerungen für die Therapie von Migranten
Auf mehr als 30 Foren, Workshops und Diskussionsrunden des 6.
Kongresses "HIV im Dialog" im Roten Rathaus Berlin tauschten sich rund 500
Experten, Betroffene und Interessierte zum Thema HIV/AIDS aus. Zahlreiche
nationale und internationale Initiativen berichteten über Erfolge und
Misserfolge im Kampf gegen HIV/AIDS sowohl in Dritte-Welt-Ländern als auch
hierzulande.
Die Zahl der HIV-Erstdiagnosen ist in den letzten
Jahren in Deutschland, wie auch in vielen anderen Industriestaaten, deutlich
angestiegen. Dies nahm der Kongress HIV im Dialog 2006 zum Anlass, sich dem Erfahrungsaustausch zu neuesten
medizinischen Entwicklungen im Bereich HIV/Aids und Fragestellungen rund um die
Prävention zu widmen. Auch die Probleme der antiretroviralen Therapie bei
(insbesondere afrikanischen) Migranten in Deutschland war
Diskussionsthema.
Knapp 26 Millionen HIV-Infizierte leben in der
Subsahara-Zone (UNAIDS/AIDS WHO 2005). Nach wie vor blockieren soziale,
ökonomische, kulturelle und politische Faktoren sowie die Eigendynamik
unzähliger Hilfsinstitutionen wesentliche Fortschritte der HIV/AIDS-Therapie in
Afrika: autoritäre Staatsformen, Stammeskriege, Analphabetismus, Magie,
Stigmatisierung, abwanderndes Medizinpersonal, fehlende medizinische
Infrastruktur.
Etwa jeder fünfte der 7,3 Millionen Migranten in
Deutschland stammt aus Afrika oder Asien, 21% aller HIV-Infizierten in der
Deutschland kommen aus der Dritten Welt. Dr. Nzimegne-Gölz vom Praxiszentrum
Kaiserdamm in Berlin wies darauf hin, dass HIV-infizierte Migranten den
gesonderten sprachlichen und nicht-sprachlichen Dialog mit der westlichen
Medizin brauchen, bevor therapeutische Interventionen möglich sind.
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© Luis Quintanal Cabriales |
| Shadow of Happiness |
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Die Mehrheit afrikanischer Patienten hat und will
keinen Zugang zu Behandlungen ("Noncompliance"), eine Folge kulturell bedingter
Missverständnisse und Ängste. Migranten aus Afrika haben viele existenzielle
Probleme: unsicherer Aufenthaltsstatus, mangelnde Krankenversicherung, drohende
Abschiebung, Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Delegationskonflikte gegenüber
der Herkunftsfamilie, patriarchalische Familienstruktur und Polygamie, sexuelle
Tabus, grundverschiedene Medizinkonzepte (traditionelle versus westliche
Medizin).
Sehr hinderlich für die adäquate Versorgung sind
rationale und irrationale Ängste der Migranten, die auf einen erschütternden
Mangel an Wissen über die Verbreitung der HIV-Infektion und Schutzmaßnahmen
zurückgehen: "Die bei Migranten aus Afrika beobachtete mangelnde Compliance ist
vorwiegend auf kulturell bedingte Missverständnisse zurückzuführen", so das
Fazit von Dr. Nzimegne-Gölz.
Zahlreiche NGOs, Hilfsorganisationen, private
Stiftungen und Pharmafirmen bemühen sich seit langem die prekäre Lage der
HIV-Infizierten in Afrika zu verbessern, mit einem gewissen Erfolg: Immerhin
gelang die Therapie bei 810.000 Infizierten in Dritte-Welt-Ländern, das Ziel von
3 Millionen Behandlungen der UN-Sonderinitiative "3 by 5" wurde dennoch
verfehlt. Auch die Forderung der Absenkung der antiretroviralen Therapiekosten
auf unter 1 $ pro Tag und Patient wird vielerorts erfüllt.
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© Victoria Heese |
| A Sunday |
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Das Pharmaunternehmen Bristol-Myers Squibb
investierte seit 1999 $ 150 Millionen in die Initiative "Secure The Future –
care and support for women and children with HIV/ AIDS", die insbesondere den
Aufbau lokaler Therapiezentren und auf die Behandlung von Kindern mit HIV/ AIDS
spezialisierte Zentren in Afrika unterstützt. Der jährlich stattfindende „One
Vision„ Fotowettbewerb versteht sich als Beitrag zur Bekämpfung von Vorurteilen
und der Diskriminierung von Menschen, die HIV-infiziert oder von AIDS betroffen
sind. Deborah Jack, Direktorin des National AIDS Trust sagte in ihrer Laudatio
zur diesjährigen Preisverleihung: "Obwohl verbesserte Therapieoption bedeuten,
dass die meisten Menschen mit HIV-Infektion in Europa ein annähernd normales und
aktives Leben führen können, bleiben HIV-assoziierte Stigmatisierung und
Diskriminierung problematisch und erschweren den offenen Umgang Infizierter mit
ihrer Diagnose."
Zahlreiche Arbeiten thematisieren insbesondere die
Lebensverhältnisse infizierter Frauen und Kinder (www.onevision2006.org). Der
Kampf gegen HIV/AIDS, assoziierte Tabus, Ausgrenzung und Stigmatisierung sowie
therapiebezogene Forschung und Entwicklung bleiben nach wie vor eine
Herausforderung angesichts zunehmender Neuinfektionen, nicht nur in Afrika.
Quellen:
Symposium "Jenseits von Afrika? Lessons learned und
die Folgerungen für die Therapie von Migranten", HIV im Dialog 2006, Berlin,
02.09.2006
Preisverleihung "One Vision", Europäischer
Fotowettbewerb 2006, London, 28.06.2006, Veranstalter: Bristol-Myers
Squibb
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