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Ein Zuckerbestandteil der Muttermilch soll in
der Lage sein die Übertragung von HIV von der Mutter auf die Babys zu
verhindern. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler um Bill Paxton von der
Amsterdamer Universität im Fachmagazin Journal of Clinical Investigation.
Demnach liegt das Geheimnis in Lewis-X, einem Zucker, der auch im Speichel und
im Blut vorkommt, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature www.nature.com in
seiner Online-Ausgabe.
HIV infiziert CD4-T-Zellen, die eine Schlüsselrolle
im Immunsystem darstellen. Als Maß für die Zerstörung des Immunsystems dient die
T-Helfer-Zellen-Zahl im Blut eines HIV-Infizierten. Einige Forscher nehmen an,
dass das Virus an die CD4-Zellen herankommt, indem es sich an die dendritischen
Zellen - Immunzellen - anhaftet.
Paxton und sein Team haben nun festgestellt, dass HIV
nicht an die dendritischen Zellen anhaften kann, wenn Lewis X-Bestandteile an
einem bestimmten Protein an der Zelloberfläche angebunden haben. In Versuchen
konnten die Forscher zeigen, dass HIV sogar in 500-fach verdünnter Muttermilch
nicht anbinden konnten. Fraglich bleibt natürlich auch , ob Muttermilch im
echten Leben HIV blockieren kann, meint David McDonald, HIV-Experte an der Case
Western Reserve University in Cleveland, Ohio. "Wenn das so wären, warum
bekommen dann Babys HIV über die Muttermilch?", meint der Forscher.
Diese Frage stellt sich auch der Wiener Mikrobiologe
Hermann Katinger vom Institut für Angewandte Mikrobiologie an der Universität
für Bodenkultur in Wien www.biotec.boku.ac.at im pressetext-Interview.
"Statistisch gesehen geschieht die Mehrheit der Übertragung von HIV bei Babys
über die Muttermilch und bei der Geburt", so der Forscher. Statistisch
signifikant sei ein höheres Risiko bei Mädchen und beim Erstgeborenen bei
Zwillingen gegeben. Nach Angaben der UNICEF werden jährlich etwa 200.000 Kinder
über die Muttermilch mit dem Virus angesteckt. Katinger spricht sogar von weit
höheren Zahlen. "Die Übertragungsrate ist besonders in den ersten Monaten sehr
groß", erklärt der Forscher, der gemeinsam mit einem südafrikanischen
Wissenschaftler aus Durban an einem HIV-Projekt arbeitet.
Katinger betonte, dass das Stillen von Babys in
Afrika ein absolut wichtiges Thema sei. "In der Muttermilch werden viele
Antikörper zum Schutz des Kindes übertragen", erklärt Katinger
abschließend. Paxton argumentiert gegenüber kritischen Stimmen, dass Muttermilch
dafür Sorge trage, dass weniger Kinder an HIV erkranken. Würden diese keine
Muttermilch erhalten, wäre die Infektionsrate noch
höher.
pte |