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© Uwe Fenner |
| Stil-Tipps von Uwe Fenner |
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“Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne
ihr”, sagt der Volksmund nicht ohne Zynismus; denn dieses makabre
Sprichwort scheint all denjenigen Recht zu geben, die für die Erreichung auch
geschäftlicher Ziele eine eher brutale Art der Durchsetzung der sanfteren
vorziehen.
Wie macht man’s
richtig? Und muss oder sollte man es denn überhaupt richtig machen? Sind im
Geschäftsleben einer globalen Wirtschaftswelt feine Sitten und gute Manieren
überhaupt noch angebracht oder gar von geschäftlichem Nutzen? Die Fragen sind
nicht leicht zu beantworten. Insbesondere auch nicht mit einem eindeutigen “Ja,
gute Sitten sind nützlich”, wenn es stilvoll oder stillos Handelnden nur um das
einmalige Geschäft, nur um das singuläre Erreichen seiner jetzt unmittelbar
vorgestellten Ziele geht.
“Man
sieht sich immer zweimal”
“Was hab ch
schon davon, wenn ich höflich auftrete und all diesen vornehmen Kram mitmache,
dafür zahlt mir keiner etwas!” Das ist die ebenso häufige, wie doch am Ende
fehlerhafte Frage von Menschen, die Stil und Umgangsformen nicht beherrschen.
Aber diese Menschen machen einen Fehler: Sie sehen nur die unmittelbaren, jetzt
bevorstehenden Folgen ihres vielleicht ruppigen Benehmens. “Man sieht sich immer
zweimal”, ist auch ein Sprichwort, nur dieses ist nicht zynisch gemeint, sondern
es soll offenbaren, dass das Handeln eines Menschen in Bezug auf einen anderen
Menschen, sein Verhalten, sein Stil und seine Umgangsformen, nicht nur eine
Auswirkung auf die Jetzt-Situation zeigt, sondern dass sich der andere an das
jetzige möglicherweise schlechte Verhalten in einer denkbaren zukünftigen
Situation erinnern wird, die für den “Rüpel” möglicherweise nicht mehr so
vorteilhaft ist, dass er sich benehmen kann, wie er will, und trotzdem seine
Ziele erreicht.
Letztlich sind
die Ausübung und Anwendung eines gewissen Stils und guter Umgangsformen die
Einhaltung einer nicht geschriebenen gesellschaftlichen Vereinbarung. Eine
unausgesprochene - sozusagen heimliche - Verabredung. Wer sich daran hält,
bleibt in dem heimlichen Kreis derer, die die Spielregeln kennen und anwenden,
die Stil zeigen und gute Umgangsformen pflegen. Wer diesen “Geheimcode” des
guten Benehmens nicht oder nur unzureichend kennt, wird ausgeschlossen. Und da
er nicht weiß, was er nicht kennt, weiß er auch nicht, warum er ausgeschlossen
wird; warum er beim Geschäftspartner nicht akzeptiert wird; warum das Geschäft,
für dessen Abschluss doch ansonsten vieles spricht, nicht zustande
kommt.
Wie man
in den Wald hineinruft,…
Auf jeden Fall
gilt umgekehrt: Wer glaubt, er könne sich grundsätzlich darüber hinwegsetzen,
dass es höflich ist aufzustehen, wenn eine Dame oder ein Älterer oder eine
jedenfalls würdige Person das Zimmer betritt; dass man nicht mit dem Messer
gestikuliert und seine Tischkonversation angsteinflößend unterstreicht oder dass
man abends zum dunklen Anzug keine braunen Schuhe oder Gürtel trägt; wer nicht
ein bisschen “Lebenseleganz” - nichts anderes ist Höflichkeit im Alltag -
beherrscht, der wird auch bald die Grenzen seines Erfolges im Beruf sehen.
Denn 36 Jahre nach 1968 fragt heute die erwachsene Kindergeneration der
Antiautoritären berechtigter denn je nach solchen Spielregeln des
Zusammenlebens, weil die jüngeren Menschen die Defizite erkennen und - anders
als ihre 68er-Eltern - ausgleichen wollen. Häufig sind es Hochschulabgänger, die
mit guten Examina den Campus verlassen und nicht wissen, wie sie sich im
Vorstellungsgespräch für den angestrebten Posten als Junior Consultant
verhalten: was sie anziehen, was sie antworten, wo sie agieren und wo reagieren
sollen.
Nicht ohne Grund
befindet sich die Debatte über die Ethik im Unternehmen und im Geschäftleben in
der Diskussion, und Stil und gute Umgangsformen sind “die kleinen Schwestern”
der Ethik. Dass Business und insbesondere die Geschäftsanbahnung nicht nur aus
dem Austausch von in Worte gefasstem Angebot und Annahme besteht, wissen wir
alle. Aber dass eine kleine Verbeugung, ein angedeuteter “Diener” beim Gruß
sympathisch, die Hand in der Tasche dagegen frech wirken, das muss den
gesellschaftlich heute überwiegend ganz Ungelernten eben einfach mal gesagt
werden.
Manieren
sind wieder “in”
Die Erfahrung,
die ich als Headhunter, als Executive Search Personalberater, selbst mit
Führungskräften und mit Hunderten von Führungsnachwuchskräften in mehreren
tausend Interviews - wie wir die Bewerbergespräche nennen - gemacht habe, hat
mich veranlasst, das Institut für Selbstpräsentation zu gründen, mit welchem ich
denen, die sich sicher machen wollen, mit Seminaren - unter anderem auf dem
Sektor Stil und gute Umgangsformen - helfen möchte.
Zum Glück ist
das Thema Manieren neuerlich wieder ein Thema, wie der in Frankfurt am Main
lebende äthiopische Prinz Dr. Asfa-Wossen Asserate mit seinem gleichnamigen
Buch, welches zur Zeit in der Frankfurter Allgemeinen abgedruckt wird (und
dessen erste Auflage wenige Tage nach dem Erscheinen schon vergriffen war)
zeigt. Man kann und darf also wieder darüber sprechen. Man darf und muss wider
gute Manieren zeigen. Es ist nicht mehr verpönt, auch nicht mehr vom Großteil
der Jugend, zu wissen, was sich gehört und dies auch
anzuwenden.
Die
Revolution frisst ihre Eltern
Es ist heute
kein ungewöhnliches Bild mehr, wenn man schlampig angezogene Eltern mit ihren
ordentlich gekleideten erwachsenen Kindern spazieren gehen sieht. Aber gutes
Benehmen, sich ordentlich Anziehen, guten Stil in der Diskussion zeigen, ist
nicht leere Form. Vielmehr kennzeichnet gutes Benehmen vor Allem auch die
Achtung des Menschen gegenüber demjenigen, dem der gute Stil gilt. Gute
Umgangsformen sind ausgeübte Menschenwürde vor dem Anderen. Der Mensch benimmt
sich ordentlich, um dem Gegenüber seine Wertschätzung zu zeigen. Und über
Wertschätzung, die einem entgegengebracht wird, freut sich einfach jeder. Jeder
ehrt diese Haltung des Höflichen. Das erleichtert den Umgang miteinander und
fördert das Geschäft.
Kurzvita
Uwe Fenner
Unternehmens- und Personalberater, Trainer und
Coach
Der 60-jährige
Volljurist hat als Headhunter in mehreren tausend Interviews und Begegnungen mit
Kandidaten für Führungspositionen die typischen Fehler kennen gelernt, die
selbst schon erprobte und in Führungs- oder Nachwuchspositionen befindliche
Unternehmenspräsentanten in der Kommunikation und im Umgang mit Kunden,
Geschäftspartnern, Vorgesetzten und Untergebenen immer wieder
machen.
Als Initiator
und Gastgeber der bekannten “Berliner und Potsdamer Jahreszeitengespräche” hat
er vor allem auch die Wirkung sicheren Umgangs und überzeugender Kommunikation
gemessen und das notwendige Training perfektioniert.
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