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Ausgebrannt
Die
Burnout-Fallen im Alltag
von Peter Graule
Es trifft Manager ebenso wie
Flugbegleiter, Lehrer oder Krankenpfleger: ausgebrannt sein, völlige
Kraftlosigkeit, Erschöpfung bis an die Grenze des Nervenzusammenbruchs. Das so
genannte Burnout-Syndrom ist eine Erkrankung unserer modernen, schnelllebigen
Zeit, die die Menschen vollkommen auslaugt. Burnout ist ein schillernder, schwer
fassbarer Begriff. Chronische Müdigkeit, Energiemangel, psychosomatische
Reaktionen - mehr als 130 verschiedene Anzeichen gibt es für das Phänomen. Doch
keines alleine reicht für eine Diagnose. Meist erkennt man die Burnout-Symptome
zu spät, denn das Ausbrennen ist ein langsamer, schleichender Prozess. Wenn man
es selbst nicht schafft, Dampf abzulassen, sucht sich irgendwann der Körper ein
Ventil. Der Körper erkrankt, weil die Seele nicht mehr mitspielt. Meist geraten
Personen, die beruflich mit Menschen zu tun haben, in die Spirale des
Ausbrennens. Der Preis für die vermeintliche Unentbehrlichkeit ist hoch: Der
entstehende Stress geht zu Lasten der eigenen Gesundheit – teilweise bis zur
totalen Selbstaufgabe und Erschöpfung.
Stress im Körper
Wenn jemand permanent unter
starkem Stress steht, bleiben die Stresshormone - dazu gehören zum Beispiel
Adrenalin, Noradrenalin und Cortison - auf einem unnatürlich hohen Niveau.
Dadurch werden alle Stressreize sensibler wahrgenommen und im Körper verstärkt
umgesetzt. Meistens äußert sich das in körperlichen Beschwerden, zum Beispiel
als Magen-Darm-Probleme wie Verstopfungen, Blähungen oder Sodbrennen. Das
Atemsystem kann mit Luftnot und Beschwerden beim Atemvorgang, das
Herz-Kreislauf-System mit Bluthochdruck, Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen
reagieren. Es gibt auch Patienten, die in der Vergangenheit einen Hörsturz
hatten und dann ein Ohrgeräusch, den so genannten Tinnitus, entwickelt haben.
Auch dieses Leiden kann durch Stressabbau wieder gelindert werden.
Drei- Phasen-Verlauf
Burnout verläuft in drei Phasen.
Voraus geht in der Regel eine Zeit der Überaktivität, in der viel mehr
gearbeitet wird als man von der betreffenden Person erwartet. Meist beschäftigt
man sich Tag und Nacht mit beruflichen Dingen, am Wochenende und zum Teil sogar
in den Ferien. Die vollständige Identifikation mit der Arbeit führt zwangsläufig
in eine Phase der Erschöpfung. Das Kritische daran ist, dass man sich nicht mehr
regenerieren kann und immer auf einem extrem hohen Stressniveau lebt. In der
zweiten Phase der Entpersonalisierung und Kontaktvermeidung stumpft man immer
mehr ab und vermeidet Kontakte mit Arbeitskollegen, schließlich auch mit
Freunden oder dem Partner. Somit können zusätzlich belastende Beziehungsprobleme
und Vereinsamung die Überforderungssituation verschärfen. Die dritte Phase ist
von der Leistungseinschränkung geprägt: Durch zunehmend schlechtes
Selbstbewusstsein und Kontaktverlust bekommt man immer weniger Erfolgsmeldungen.
Kunden, Patienten oder Mitarbeiter werden durch die wachsende pessimistische
Haltung und durch den Negativismus des Betroffenen zu unpersönlichen Objekten
degradiert („…die Gallensteine von Zimmer 17“) sowie deren Anliegen immer
weniger ernst genommen und verallgemeinert („…ist doch immer das Gleiche…“).
Ironie, Sarkasmus und Zynismus sind vorherrschende Grundstimmungen. Am Ende
dieser Phase stehen Resignation, Kündigung, Selbstaufgabe bis zur existenziellen
Gefährdung – nicht selten sogar die Selbsttötung.
Auswege
Nur wer brennt, brennt aus. Burnout-Patienten fühlen
sich oft wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt. Auf der einen Seite das
hohe Engagement und auf der anderen Seite lodert die Angst, zu versagen und den
eigenen hohen Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Daher gilt es, sich
regelmäßig selbst Auszeiten zu setzen und seine berufliche Motivation zu
überprüfen. Menschen, die in eine Burnout-Situation geraten, sind oft in der
Kindheit sehr leistungsbewusst aufgewachsen. Wertschätzung über Leistung zu
holen, wird im Beruf fortgesetzt. Daher ist es besonders wichtig, private
soziale Kontakte zu pflegen und als Ausgleich zu den hohen Anforderungen immer
wieder bewusst zu entspannen. Gezielte Entspannungstechniken, sportliche
Betätigung ohne Leistungsanspruch sowie gesunde, ausgewogene Ernährung und
ausreichend Schlaf helfen, den Körper vom hohen Stresspotenzial zu befreien.
Auch die bewusste Gestaltung der Auszeiten (Feierabend, Wochenende und Urlaub)
kann Kraftreserven mobilisieren und somit dem Ausbrennen vorbeugen.
Wer schon in der ersten Phase
des Burnout steckt, sollte sich rechtzeitig Hilfe organisieren. Regelmäßige
Massagen, Entspannungsangebote und Kurzurlaube mit Wellness-Charakter können
wieder neue Kraftreserven aktivieren. (In den nächsten beide Ausgaben werden
verschiedene Entspannungstechniken vorgestellt.). Coachings und Therapieangebote
helfen, die eigene Situation zu reflektieren und Auswege zu finden, wenn man
sich nicht mehr selbst zu helfen weiß. Auch in der Naturheilkunde, der
Chinesischen Medizin beispielsweise, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sowohl
dem psychischen als auch dem physischen Erschöpfungszustand entgegenzuwirken.
Auch längere Auszeiten (Sabatticals) helfen oft, genügend Abstand zum Beruf zu
finden. Viele Unternehmen bieten diese unbezahlten Urlaube an.
Wichtig ist vor allem, Signale von Außen
wahrzunehmen, was den meisten Betroffenen nur schwer gelingt. Daher sind
Arbeitskollegen, Freunde und die Familie gefordert, erste Anzeichen möglichst
schnell dem Betroffenen mitzuteilen und Hilfestellung zu geben, indem sie aktiv
auf ihn zugehen und dessen beginnenden Rückzug dadurch vielleicht verhindern.
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