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Qi Gong – Bewegung zur Entschleunigung
Qi Gong 1
© touched to be
In der Hektik des Alltags wächst die Sehnsucht nach Ruhe, Stress hinterlässt Spuren der Müdigkeit und Energielosigkeit. Zahlreiche Wundermittel, die ewige Jugend versprechen, Nahrungsergänzungs-Pillen für mehr Kraft und Ausdauer sowie die wachsende Beliebtheit von Trendsportarten, Schönheitsoperationen und Wellness-Tempeln sollen Abhilfe schaffen, ausgleichen und uns gesund erhalten. Diese Sehnsüchte beschäftigen nicht nur moderne Menschen, sondern bewegen schon seit Jahrtausenden die Menschheit. Der Wellness-Experte Peter Graule stellt die vor mehr als 4000 Jahren entstandene Bewegungskunst der Chinesischen Medizin „Qi Gong“ vor, die er selbst seit 15 Jahren praktiziert.

Die Therapie von Krankheiten, die Stärkung von Körper und Geist, das Verhindern frühzeitigen Alterns und die Verlängerung des Lebens liegen in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) nicht allein in der Hand der Heilkundigen. Schon vor 4000 Jahren wurde der schamanische Tanz in vielen Kulturen als Heilmethode eingesetzt. In China entwickelte sich aus den Kampfkünsten (Kung Fu) eine Methode, die den Menschen zur Gesunderhaltung dienen sollte. Die Gelenke sollen bewegt werden, die Muskeln und Sehnen gedehnt und geschmeidig gehalten werden und die Lebensenergie (Qi sprich: Tschie) über den Atem im Fluss gehalten werden. Dies wurde mit „beharrlichem Üben“ (Gong) erreicht.

Wie alles in der TCM und anderen natürlichen Heilmethoden, bezog man sich sehr stark auf die Beobachtung der Abläufe in der Natur. So entstanden Übungen, die den Menschen spielerisch zu natürlichen Haltungen bringen sollten. Tierbeobachtungen, wie das Spiel des Kranichs, des Bären oder von wilden Tieren wie Löwen und Tigern wurden nachgespielt. Auch andere Naturbilder, wie Bäume oder Berge, Wolken und Gestirne wurden interpretiert. So entstanden Übungen, in denen die Menschen entweder die Tiere selbst darstellen oder diese jagen bzw. mit ihnen spielen

Qi Gong 2
© touched to be

Berge versetzen oder die Welt für einen Moment anhalten


Die Vorstellungskraft (Imagination), die in vielen modernen Entspannungstechniken eingesetzt wird, spielt beim Qi Gong eine große Rolle. Wenn man sich zum Beispiel in der Übung „Schiebe einen Berg“ vorstellt, mit den bloßen Händen einen Berg schieben zu können, kann das positiv auf alles, was einem im Alltag lästig im Wege steht übertragen werden. Wie alles in der chinesischen Weltanschauung ist auch in dieser Übung das Wechselspiel zwischen Yin und Yang Teil der Übung. Diese beiden widerstreitenden Kräfte symbolisieren die Wandelbarkeit eines jeden Wesens, durch die Energie (Qi) bewegt wird und sich entfalten kann. So ist der Berg zunächst ein starres Objekt (Yang), das sich durch den Fluss der Bewegung imaginär schieben lässt (Yin). Durch den Wandel entsteht eine neue Kraft, die der Übende wieder zu sich heranholt. In einem anderen Beispiel: So still wie ein Kranich im seichten Wasser zu stehen und die Flügel in der Sonne auszubreiten, damit kann die Welt für einen Moment still stehen. Nichts bewegt sich. Für den Kranich ein wesentlicher Aspekt, da er mit jeder Bewegung die Fische vertreiben würde, die ihm Nahrung sind. Der Übende des Qi Gong spielt dieses stille Stehen des Kranich nach, um sich ins Bewusstsein zu holen, dass in der Stille auch die Welt für einen Moment angehalten werden kann um wichtige, nährende Gedanken nicht durch zuviel Tun zu vertreiben.

Doch nicht nur die Imagination ist für die Wirkung des Qi Gong wichtig. Durch die langsamen und gleichmäßigen Bewegungsabläufe wird unsere Herz- und Atemfrequenz gesenkt, so dass wir beim Üben in eine entspannte Haltung gelangen – sowohl im körperlichen wie im geistigen Sinne. Gleichzeitig ist unser Geist gefordert, die Bewegungsabläufe zu koordinieren und somit abgelenkt von den Gedanken des Alltagsgeschehens. Die Muskulatur, die Sehnen und Gelenke werden mit dem sanften Dehnen und Strecken der Qi Gong-Übungen beweglich gehalten – bis in´s hohe Alter. Die Übungsfolgen des Qi Gong sind so zusammengestellt, dass der Energiefluss des Qi gleichmäßig im ganzen Körper verteilt wird. Der immerwährende Wechsel von Bewegungsabläufen in alle Richtungen, sorgt für einen Ausgleich, für eine Konzentration auf die Koordination der Orientierung im Raum. Alle Übungen führen immer wieder zur Mitte im eigenen Körper zurück. Allein dieser Umstand – die Konzentration auf die eigene Mitte – ist ein wertvoller Aspekt, der in der Zerstreuung des Arbeitsalltags oft verloren geht und im spielerischen Üben des Qi Gong wieder erlernt werden kann.

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