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Jeder weiß vermutlich
aus eigener Erfahrung nur zur Genüge, dass wir uns die größten und
hartnäckigsten Schwierigkeiten zumeist selbst aufbürden. Blockaden, Ängste,
Selbstsabotage, starre Handlungsmuster, innere Widerstände etc. – all das türmen
wir vor uns auf, um Vorhaben nicht zu realisieren, Ziele nicht zu erreichen,
Herausforderungen nicht anzunehmen, Alternativen nicht zu suchen usw. usf. Hier
wirken häufig psychologische Mechanismen, die nicht so ohne Weiteres aufzuhalten
sind. Und auch souveräne Menschen sind nicht automatisch gegen sie gefeit.
Menschen mit einer souveränen Persönlichkeit wissen jedoch um die Gefahr dieser
Mechanismen und versuchen, ihnen durch intensive Selbstreflexion auf den Grund
zu gehen und damit einen wichtigen Schritt zu gehen, der sie einer Bewältigung
der Schwierigkeiten näher bringt. Einen weiteren entscheidenden Schritt dazu
haben souveräne Menschen bereits hinter sich: die Entwicklung eines starken
Selbstwertgefühls und eines ausgeprägten Selbstbewusstseins. Ein gutes
Selbstwertgefühl ist deshalb so entscheidend, weil ein Manko hier unversehens
zum Auslöser für Blockaden und Selbstsabotage in unterschiedlicher Ausprägung
werden kann.
"Beliebte" Strategien der Selbstsabotage sind z. B.
der Hang zum (unerfüllbaren) Perfektionismus, die (absichtliche oder
unabsichtliche) Selbstherabsetzung und die Abhängigkeit von der Meinung der
anderen. Wer in ungesunden Ausmaßen nach Perfektion strebt, wird nie zufrieden
sein, denn ein Ideal ist und bleibt unerreichbar. Ansonsten wäre es kein Ideal.
Und der übertriebene Wunsch nach Perfektion macht eine Wertschätzung des bisher
Erreichten deshalb unmöglich. Das ist das maßgebliche Problem. Denn auf diese
Weise wird es nie gelingen, die eigene Leistung anzuerkennen und Zufriedenheit
zu erlangen, stolz zu sein auf das Erreichte und daraus Selbstwertgefühl zu
schöpfen. Die eigenen Leistungen und die eigene Person werden immer unzulänglich
bleiben im Vergleich zum abgehobenen Ideal; Realität und Wunschbild werden unter
diesen Voraussetzungen nie zueinander passen, und alle Erfolge und persönlichen
Qualitäten werden schon im Vorfeld herabgesetzt und
sabotiert.
Orientieren die einen sich an ihrem Ideal,
orientieren sich die anderen nur an ihrer Umgebung. Von den Mitmenschen gemocht
zu werden, ist ihre Quelle des Selbstwertgefühls. Nicht die eigene
Persönlichkeit gibt hier den Ausschlag für das Selbstbewusstsein, sondern vor
allen Dingen die Reaktionen der anderen. Und die größte Angst ist dabei, von den
anderen nicht gemocht zu werden. Das führt dazu, dass das eigene Verhalten und
Handeln immer schon auf die antizipierten Reaktionen des Gegenübers abgestimmt
wird. Harmonie, Bescheidenheit und sogar Unsicherheit sollen z. B. Sympathie
auslösen; und auch die Tendenz zum Understatement und das Herausstellen der
eigenen negativen Seiten sowie der Misserfolge sollen Konfrontationen vermeiden
und das Harmoniebedürfnis befriedigen. Oder es werden Lob und Komplimente
zurückgewiesen oder vorrangig die Leistungen anderer gelobt, um selbst nicht
unbescheiden zu wirken. Die Folge ist immer gleich: Das eigene Selbstbewusstsein
und Selbstwertgefühl wird gehemmt, und Selbstzweifel entstehen, die wiederum
Befürchtungen für die Zukunft entstehen lassen und sich dann nicht selten zu
einer selbst erfüllenden Prophezeiung ausweiten.
Die Angst vor der eigenen Courage, dem eigenen Erfolg
oder vor einschneidenden Veränderungen führt ebenfalls dazu, dass wir uns selbst
im Wege stehen. Wir nehmen in diesen Fällen an, dass wir, wenn wir unser Ziel
erreichen oder diesen wichtigen Erfolg erringen, später dann den hohen
Erwartungen und Konsequenzen, die daraus resultieren, nicht mehr gewachsen sind
und letztlich also sowieso scheitern werden. So passiert es immer wieder, dass
uns kurz vor der Ziellinie die Puste ausgeht und wir das Ziel doch nicht
erreichen (müssen). Wir verlieren dann urplötzlich das Interesse und die
Begeisterung, haben keine Zeit mehr für dieses Vorhaben, weil wichtigere und
dringendere Aufgaben anstehen, oder wir unterliegen einfach dem inneren
Schweinehund. Wir sabotieren so unseren Erfolg, weil uns das nötige
Selbstbewusstsein fehlt, davon auszugehen, dass wir auch die Folgen meistern und
uns auch in Zukunft bewähren können. Denn diese Zukunft hält Unsicherheiten,
Veränderungen, Unbekanntes für uns bereit – und das ängstigt uns. Es könnte
Gefahren bergen oder Schwierigkeiten und Konflikte produzieren, die wir jetzt
noch gar nicht überblicken können. Aus diesem Grunde entwickeln wir ganz
instinktiv Widerstände und Blockaden gegen vehemente Veränderungen – also auch
gegen gewichtige Erfolge – und gehen lieber auf Nummer
Sicher.
Die Eigenschaften souveräner Persönlichkeiten helfen,
die Wirkung solcher Mechanismen zu unterbinden. Die Fähigkeit zur
Selbstreflexion und Selbsterkenntnis und deren stetige Anwendung sind die wohl
wichtigsten Elemente in diesem Zusammenhang. Mit diesen Instrumenten wird die
Grundlage gelegt: Denn nur, wer sich selbst kennt, weiß, auf welche
Eigenschaften und Fähigkeiten er sich verlassen kann und was er zu leisten in
der Lage ist. Aus diesem Wissen heraus entstehen Sicherheit und Zuversicht für
zukünftige Herausforderungen sowie ein gutes Selbstwertgefühl. Die Angst vor
Veränderungen, vor persönlicher Zurückweisung und auch vor Fehlschlägen verliert
so ihren Schrecken, denn die eigene Persönlichkeit bietet ein festes Fundament,
das nicht so leicht zu erschüttern ist und auch Schwierigkeiten standhalten
kann.
Ein weiteres Phänomen, das uns blockieren oder unsere
persönliche Entwicklung und unsere Erfolgsaussichten sabotieren kann, ist die
mögliche Fremdbestimmung unseres Denkens. Jeder Mensch wird in seinem Denken
mehr oder weniger von den verschiedensten Faktoren und Umständen beeinflusst.
Problematisch wird dies, wenn diese Einflüsse zu wahrer Fremdbestimmung
heranreifen und unser Denken dadurch unfrei und unselbstständig wird. Denn dann
sind auch die Resultate unseres Denkens – unsere Entscheidungen und Handlungen –
unfrei und abhängig von Fremdeinflüssen. Das bedeutet, dass wir letztlich nicht
die Verantwortung für unser Handeln übernehmen. Wir können nicht authentisch
sein, da unsere Entscheidungen nicht unseren wirklichen inneren Überzeugungen
entsprechen – und damit nicht im Einklang mit unserer Persönlichkeit insgesamt
stehen. So ist es jedoch unmöglich, dass wir unsere Potenziale entfalten und
unsere persönliche Entwicklung voranbringen, denn das, was wir tun, hat kaum
mehr etwas mit unserem Selbst zu tun. Es sind vielmehr fremde Überzeugungen,
Motive oder Zielvorstellungen, die unser Denken und Handeln leiten, anstatt dass
wir aus uns selbst heraus selbstbestimmte Gedanken hervorbringen. Diese
Fremdbestimmungen formieren sich häufig in festen Denkmustern und -gewohnheiten,
in denen sich dann unser Denken vollzieht. So entstehen starre Denkstrukturen,
die Kreativität und freie Entfaltung verhindern. Innere Widersprüche,
Unzufriedenheit und Konflikte sind dann oft die Folge, und die souveräne
Selbstbestimmung geht verloren.
Eine Methode, die dabei hilft, feste Denkmuster und
-gewohnheiten zu erkennen und aufzubrechen, um wieder eigenverantwortlich und
frei von Fremdbestimmung denken und handeln zu können, ist das Alternative
Denken. Mit seiner Hilfe lassen sich Selbstbestimmung und Souveränität im Denken
und Entscheiden wieder herstellen. Die Basis dieser Methode liegt in der
umfassenden Selbsterkenntnis, die der Schlüssel zur bewussten und aktiven
Gestaltung der eigenen Persönlichkeitsbedingungen ist. Im
Selbsterkennungsprozess befragen wir unser Denken, Entscheiden und Handeln
eingehend nach Ursachen, Einflüssen, Referenzen, Mustern, Konflikten,
Unstimmigkeiten etc. und gleichen es bewusst mit unseren tatsächlichen inneren
Überzeugungen ab. Als Resultat entsteht im Laufe der Zeit ein System aus Werten
und Prinzipien, das wirklich unserer Persönlichkeit entspricht und auf das wir
bewusst zurückgreifen können in unserem Denken und Entscheiden. Das ermöglicht
es, dem Chaos der Fremdbestimmung, das aus vielen – sich einander zum Teil
widerstrebenden – Einflüssen besteht, eine eigene Struktur entgegenzusetzen und
frei und authentisch zu entscheiden.
Von dieser Basis aus geht das Alternative Denken
einen nächsten Schritt: Das Ziel ist es, das eigene Denken so weit zu öffnen,
dass neben den bisherigen Lösungsansätzen und Strategien zur
Entscheidungsfindung auch neue und realisierbare Alternativen entstehen können.
Kreativer Spielraum und der freie Lauf der Gedanken, die sich nicht einengen
lassen durch vorzeitige Bewertungen oder den beliebten Rückgriff auf
Erfahrungswerte und herkömmliche Schemata, die uns Sicherheit suggerieren,
sollen dabei Raum bieten für die Entwicklung von Alternativen. Die Entscheidung
für oder gegen eine bestimmte Alternative wird im nächsten Schritt dann nicht
nur von der Faktenlage bestimmt – die manchmal gar nicht hinreichend für die
Entscheidung ist. Hinzu kommt das Kriterium der persönlichen Verantwortung. Wenn
man für eine Entscheidung die volle Verantwortung übernehmen kann, deren
Konsequenzen zu tragen bereit ist und auch langfristig mit dieser Entscheidungen
leben kann, ist ein entscheidendes Kriterium für die Auswahl dieser Alternative
erfüllt. Und die Frage der eigenen Verantwortung wird in unserer Zeit immer
relevanter, da menschliches Handeln zeitlich und räumlich immer ausgedehnter
wirkt, sodass die Folgen zum Teil schon gar nicht mehr absehbar sind.
Verantwortung kann aber nur derjenige übernehmen, der sich seines eigenen
Wertesystems bewusst ist und aufgrund seiner tatsächlichen Ansichten und
Überzeugungen agiert. Wer indes unter fremdem Einfluss entscheidet, wird jedoch
spätestens, wenn es darum geht, für die Konsequenzen gerade zu stehen, seine
persönliche Verantwortung zurückweisen.
Das Alternative Denken kann mit dieser Vorgehensweise
weiterführend dabei helfen, Blockaden und Hemmnisse der eigenen Entwicklung
aufzulösen, indem es Möglichkeiten eröffnet, kreative und neuartige
Zielsetzungen zu entwickeln, die alte Muster durchbrechen und neue Blickwinkel
offenbaren. Stagnation wird dadurch verhindert, und Innovationen werden
gefördert. Alternatives Denken weckt die Bereitschaft und den Wunsch,
Alternativen zu entwickeln, Veränderungen entschlossen anzugehen und die Zukunft
nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung zu betrachten. So lassen sich
Chancen besser erkennen, neue Wege werden ausprobiert, feste Strukturen, die das
eigene Fortkommen behindert haben, werden überwunden und die Entfaltung der
eigenen Persönlichkeit unterstützt.
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