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Ist
Ihnen schon einmal aufgefallen, woran Sie in Filmen ganz schnell erkennen
können, wer der Held ist und wer der üble Widersacher ist? Oder können Sie sich
noch an die alten Edgar-Wallace-Verfilmungen erinnern? Dann denken Sie doch mal
an die Stimme von Klaus Kinski... Auf der Stelle ist klar, wer nun der Gute und
wer der Böse ist. Der eine hat stets eine klare, melodische Stimme, der andere
spricht mit kehliger, brüchiger und egozentrisch klingender Stimme. – Damit
werden die Sympathien des Zuschauers nochmals auf den Protagonisten
gelenkt.
Tatsächlich
kommt es oft gar nicht einmal so sehr darauf an, was gesagt wird, sondern wie
etwas gesagt wird. Ärzte mit einer guten (am besten tiefen, beruhigenden) Stimme
sollen bekanntlich schneller das Vertrauen der Patienten gewinnen als andere,
die ein weniger beeindruckendes Organ haben. Ein und dieselbe Diagnose kann also
eine ganz unterschiedliche Wirkung hervorrufen, obgleich sich die Worte selbst
kaum unterscheiden.
Mit unserer
Stimme senden wir immer auch stark unterschwellige Botschaften aus. Diese können
ebenso ein Bild von Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit hervorrufen, wie auch
Misstrauen erwecken. Mit der Stimme von Klaus Kinski wäre es wohl sehr
schwierig, Verhandlungserfolge zu erzielen. Gesprächspartner mit einer positiven
Stimmlage, einem angenehmen Timbre, haben es dagegen de facto leichter, ihre
Ziele zu erreichen.
Der Eindruck,
den wir mit unserer Stimme hinterlassen, setzt sich aus den Faktoren
Sprechgeschwindigkeit, Lautstärke und Klangfarbe zusammen. Auf die beiden ersten
Punkte können wir noch am besten einwirken: Ein zu schnelles Sprechen ist ebenso
wenig angebracht wie ein sehr langsames. Weil die meisten Menschen jedoch dazu
neigen, ihre Sprechgeschwindigkeit im Gespräch stetig zu steigern, ist oft eine
Ermahnung zur Reduzierung der Geschwindigkeit notwendig. Bei der Lautstärke
verhält es sich oft eher so, dass wir zu leise sprechen, was für unsere Zuhörer
bei längeren Gesprächen zu einer echten Zumutung werden kann. Insgesamt sollte
die Stimme hinsichtlich aller drei Aspekte immer moduliert werden. D.h. wir
müssen darauf achten, nicht darin zu verfallen, eine monotone Litanei
herunterzubeten. Ein angebrachter Wechsel der Geschwindigkeit mit
unterschiedlichen Lautstärken (je nach Wichtigkeit der Worte) steigert die
Aufmerksamkeit unserer Zuhörer.
Die zahlreichen
Variationen hinsichtlich der Klangfarbe zeigen, dass es sich bei unserer Stimme
um ein komplexes Instrument handelt. Grundsätzlich wirken dauerhaft hohe
Tonlagen anstrengend und ermüdend, sowohl für uns Sprecher als auch für unsere
Zuhörer. Daher ist es ratsam, die Stimme bewusst tiefer zu regulieren. Aus eben
diesem Grund empfiehlt es sich – gerade bei längeren Ansprachen –, zwischendrin
ganz bewusst durchzuatmen und eine kleinere "Verschnaufpausen“ einzulegen.
Dadurch werden sich angestaute Spannungen lösen, wodurch Ihre Stimme an Dynamik
gewinnt und zugleich auch wieder tiefer und voller klingen wird. Solche
Atempausen können Sie zusätzlich als kleine Erholungsphase nutzen, die es Ihnen
erlaubt, die Gedanken neu zu ordnen, um anschließend mit frischer Kraft
fortzufahren.
Ein wichtiger Faktor ist die
Betonung unserer Worte. Aus ihr entsteht die Satzmelodie. Betont wird jeweils
der wichtigste Teil eines Satzes. Die korrekte Betonung macht ein echtes
Verständnis unserer Worte oft erst möglich. Ein Satz wie: „Wie gut Sie heute
wieder vorbereitet sind“, kann durch die Betonung entweder überaus sarkastisch
wirken oder aber Anerkennung ausdrücken.
Eine deutliche,
klare, rhythmische und melodische Stimme mit Höhen und Tiefen findet immer den
besten Anklang. Sie können Ihre Stimme durch lautes Lesen schulen, besonders
dann, wenn Sie Ihre Stimme dabei aufnehmen. Hierbei entdecken Sie auch Ihre
Problembereiche. Das Verschlucken von Endsilben, die Vernachlässigung des R in
der Aussprache oder häufige Verlegenheitslaute (Ähm, Öh, Mmmh usw.) und
mehrfaches Räuspern sind sehr gängige Störfaktoren, die alle gemeinsam haben,
dass wir sie selbst beim Sprechen gar nicht wahrnehmen.
Ganz generell
verfügen nur wenige Menschen über eine ausgeprägte Sensibilität hinsichtlich des
Klangs der eigenen Stimme. In wichtigen Gesprächen und Verhandlungen werden die
gesprochenen Worte meistens recht sorgfältig abgewogen, wie die gesprochenen
Worte aber für die Ohren der Zuhörer klingen – darüber sind wir uns oft nur sehr
wenig bewusst. Dieser Umstand ist insofern ein echtes Manko, weil der Klang
unserer Stimme für unsere gesamte Persönlichkeit steht: Fehlende Überzeugung,
Angst, Unsicherheit und Nervosität lassen sich aus der Stimme ebenso
schonungslos heraushören wie Souveränität, Entschlossenheit, Engagement und
Kompetenz. Damit wird die Stimme zum maßgeblichen Faktor für den Erfolg von
Gesprächen und Verhandlungen, mitunter sogar für den beruflichen Erfolg
überhaupt.
Dass wir dem
Klang der eigenen Stimme so wenig Aufmerksamkeit widmen, ist umso erstaunlicher,
wenn man sich vergegenwärtigt, wie sehr wir doch auf den Klang der Worte anderer
achten. Allein wenn Sie an Kinofilme denken, wissen Sie, wie schnell
entscheidend die (Synchron-)Stimme eines Schauspielers ist, um Sympathien oder
aber Antipathien zu ernten. Und vielleicht haben Sie auch schon die Erfahrung
gemacht, wie wählerisch Kinder dabei sind, wenn sie etwas vorgelesen bekommen.
Kinder sind hier nicht leicht zufrieden zu stellen, die größten Bemühungen und
die spannendste Geschichte fruchten nicht, wenn einem Kind die Stimme des
Vorlesers nicht passt – es wird quengeln und nörgeln, einer schönen und warmen
Stimme jedoch selbst dann gebannt lauschen, wenn es sich um eine etwas fade
Erzählung handelt.
Im Berufsleben
verhält es sich nicht unbedingt anders. Eine gut modulierte, wohl klingende
Stimme weckt Sympathie, findet bessere Zuhörer und macht diese aufgeschlossener
für Argumente – eine trainierte Stimme ist immer überzeugender als eine
akustische Dissonanz. Darüber hinaus, auch das ist kein zu unterschätzender
Faktor, verleiht eine angenehme Stimme dem Redner selbst größere Sicherheit. Ein
Redner, dem die Stimme versagt, wird schnell unsicher und nervös (was sich dann
auf die Zuhörer überträgt), während ein Redner, der sich auf seine Stimmkraft
verlassen kann, nochmals an Souveränität gewinnt und so eine optimale Wirkung
bei den Gesprächspartnern erzielt. – Es gibt keinen Schauspieler, natürlich
keinen Sänger und keinen Nachrichten- oder Rundfunksprecher, für den ein
professionelles Stimmtraining nicht geradezu obligatorisch ist. Doch ist eine
trainierte Stimme auch für viele andere Berufe tatsächlich essentiell. Und
hiermit sind nicht nur Vielredner wie Telefonisten, Referenten, Verkäufer und
Lehrkräfte gemeint: Wer auch immer im Beruf viel kommunizieren muss und wichtige
Gespräche und Verhandlungen zu führen hat, ist ganz selbstverständlich auf seine
Stimme angewiesen. Dennoch bleibt "die Stimme unser ungepflegtester
Ausdruckskanal“, wie der Stimmexperte Arno Fischbacher unlängst bei einem
Stimm-Symposium feststellen musste.
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Womit wir auch immer
auf unsere Außenwelt wirken, wir achten darauf, wie wir gekleidet sind, ob die
Frisur in Ordnung ist, welche Art unser Habitus hat, was wir reden usw. – der
Stimme aber – und wie wir sprechen – wird meistens nur sehr wenig Aufmerksamkeit
geschenkt. Vor einem wichtigen Gespräch wird vielleicht noch schnell ein
Halsbonbon gelutscht – doch das ist dann auch schon alles, was wir für unsere
Stimme tun. Jedenfalls verfügen nur die wenigsten über eine auch nur ansatzweise
geschulte und damit optimierte Stimme. In den allermeisten Fällen gibt man sich
hier mit dem zufrieden, was man hat. Vergessen wird hierbei, dass unsere Stimme,
verglichen mit unserem äußeren Erscheinungsbild, ein mindestens ebenbürtiges
Aushängeschild für unsere ganz spezifische Persönlichkeit ist. Und wer würde
schon mit zerrissenem Anzug und ungekämmten Haaren in ein wichtiges Gespräch
oder zu einer bedeutenden Verhandlung kommen? Unsere Stimme soll einfach nur da
sein, wenn wir sie brauchen – wie sie nun genau klingt, darum kümmern wir uns
nur wenig.
Der bedeutendste
Faktor unserer täglichen Kommunikation ist und bleibt die gesprochene Sprache.
Allein damit bekommt die Stimme eine Schlüsselstellung. Weil ein erheblicher
Anteil der persönlichen Wirkung von der Stimme abhängt, beeinflusst diese
unmittelbar die Wahrnehmung unserer Gesprächspartner. Und natürlich wird jemand,
der mit kratzender, verklebter, oder gepresster und wenig modulierter Stimme
spricht, bei seinem Gegenüber keine besonders positive Wirkung erzielen.
Insbesondere dann nicht, wenn zu einer an sich schon unangenehmen Stimme noch
die üblichen Sprechfehler wie das undeutliche, zu laute oder zu leise Sprechen
in einer unangemessenen Stimmlage hinzukommen. Mit der Art des Sprechens senden
wir in allen Fällen wichtige Signale (auch über uns selbst!) an unsere
Gesprächspartner. Dennoch denken wir nur wenig über unsere Stimme nach. Und
wenn, dann meistens nur dann, wenn sich aufgrund einer Erkältung oder einer
anders gearteten Reizung unserer Stimmbänder bereits ganz offenkundige Probleme
eingestellt haben.
Weil die Stimme schon rein anatomisch ein
überaus komplexes Organ ist, bei dessen Klangerzeugung faktisch ein sehr
differenziertes Zusammenspiel von über 100 Muskeln stattfindet, lässt sich der
Weg zu einer positiven Stimme nicht auf eine einfache Formel bringen. Wie
kompliziert die reine Klangerzeugung der Stimme ist, beweist ein kurzer Blick
auf die Anatomie. Beim Sprechen sind beteiligt: die Nasenhöhle, der Nasenrachen,
der Mundrachen, der Kehlkopf, die Luftröhre, das Zwerchfell, die
Rippenmuskulatur und weitere Gebiete. Sobald auch nur an einer Stelle eine
Störung (bspw. ein kleiner Schnupfen oder, was weniger bekannt ist, eine
schlechte Haltung oder auch psychosomatische Spannungszustände) auftritt, wird
dies nie ohne Auswirkungen auf die Stimme bleiben. Hinzu kommen noch Aspekte der
Ernährung und insbesondere unser Trinkverhalten (Kaffee, schwarzer Tee, Alkohol
usw. schaden der Stimme ebenso wie eine insgesamt zu geringe
Flüssigkeitszufuhr). Und natürlich haben die Atmung und auch die Beschaffenheit
der Luft (Heizungsluft, Abgase, Rauchen) generell großen Einfluss auf den Klang
unserer Stimme.
Grundsätzlich
soll die Stimme deutlich und nicht zu schnell, weder zu laut noch zu leise und
in allen Fällen abwechslungsreich moduliert sein. Wichtig ist dabei auch, immer
auf die Bedürfnisse der Zuhörer zu achten. In kleineren Runden kann der Gestik
und Mimik der Gesprächspartner abgelesen werden, ob sie noch konzentriert bei
der Sache sind – oder ob Sie Ihre Stimme den Bedingungen anpassen sollten, um
neue Aufmerksamkeit zu erzielen. So können Sie situationsbedingt entscheiden und
die Modulation auf die Gegebenheiten immer wieder neu abstimmen: Sie können
stärker akzentuieren oder aber beruhigend einwirken; die Lautstärke anpassen (um
auch noch in den hinteren Reihen gehört zu werden) oder Ihre Stimme dämpfen
(wenn vertrauliche Dinge behandelt werden, die von anderen nicht gehört werden
sollen). Gerade mit geschickt eingesetzten Modulationsformen lässt sich bspw.
zielgerichtet eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen.
Eine Reparatur, Verbesserung und
Optimierung der individuellen Stimme kann jedoch einzig mit einem
professionellen Stimmtraining erzielt werden. Am Anfang aller Trainingsprozesse
der Stimme steht immer die bewusste Wahrnehmung der eigenen Stimme. Und
tatsächlich sprechen nicht wenige Menschen mit einer verzerrten Version ihrer
wahren Stimme. Entweder haben sie es nie gelernt, richtig und mühelos zu
sprechen oder aber Stress, Überarbeitung und Ängste sorgen dafür, dass die
Stimme im Laufe der Zeit eine unvorteilhafte Wandlung vollzieht. So wie sich die
rhetorischen Fähigkeiten systematisch trainieren lassen, kann auch die eigene
Stimme neu gebildet werden. In jeder Stimme steckt weitaus mehr Substanz und
Klangvermögen, als im Augenblick vielleicht zu hören ist. – Letztendlich können
mit einer effizienten Stimme erstaunliche Erfolge erzielt werden, wenn diese zum
wohlklingenden Instrument wird, mit dem wir unsere rhetorischen Fähigkeiten
eindrucksvoll klingen lassen.
Tipp aus dem Buch ALTERNATIVES DENKEN von Albert
Metzler
(BusinessVillage 2005):
Wenn Sie nicht vor
vielen Menschen sprechen mögen: Suchen Sie zunächst nach den Gründen für diese Hemmung. Liegt es daran, dass Sie glauben, nicht gut genug sprechen
zu können, dass Sie eine unausgebildete Stimme haben oder dass Sie Gedanken nur schwer
spontan strukturieren können?
In diesem Fall hilft
Training – entweder für den Anfang durch ein Rhetorikbuch oder durch einen
Rhetorik-Trainer. Auch bei anderen Ängsten kann ein Coach helfen. Oft ist aber schon die Beschäftigung mit
dem Problem der erste eigene Schritt, um es in den Griff zu
bekommen.
Weitere
wertvolle Informationen zum Thema Stimme, unter anderem aktuelle
wissenschaftlich fundierte Studien und praxisbezogene Tipps finden Sie auf den Plattformen www.stimme.at und www.forum-stimme.de
Link zum Management Institut SECS
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