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Stress, nein danke!
Am Strand liegen
© photocase

von Lüder Tietz

„Ich bin ja so im Stress!“, sagt heute jeder und seufzt. Dabei ist Stress an sich gar nicht Schlimmes. Stress ist eine Aktivierung des Nervensystems. Früher beim Anblick eines Säbelzahltigers genauso sinnvoll wie heute bei einem wichtigen Date (beruflich oder privat).

Der Puls geht hoch, der Atem wird schneller, die Muskeln spannen sich an: Du bist bereit für Flucht oder Angriff. Dieser Stress ist gut und sinnvoll (Eustress), sorgt er doch dafür, dass du das Notwendige anpacken kannst. Aber nur solange sich Anspannung und Entspannung oft genug abwechseln. Andauernder Stress hingegen ist schädlich (Distress). Aber davon gibt es heute mehr als genug: Termindruck, Arbeitsüberforderung, Ärger mit den KollegInnen oder Druck vom Chef.

Für Schwule und Lesben kommt Homophobie als wichtiger Faktor dazu. „Kann ich ein Coming-out am Arbeitsplatz wagen oder verliere ich dann den Job?“, fragen sich viele. Der/Die Liebste braucht vielleicht mehr Diskretion als du. Dazu kommt für manche der Freizeit-Stress: Exzessives Fitness-Training oder Parties mit zuviel Alkohol oder Drogen können dem Körper bald zu schaffen manche. Und mancher Schwule plagt sich damit herum, zu viel oder zu wenig Sex zu haben.

Wenn der Körper „Stopp!“ schreit

Die vielen Anforderungen im Beruf und im Privaten können dazu führen, dass du gar nicht mehr abschalten kannst. Wenn deine Gedanken darum kreisen darum, etwas nicht zu schaffen, wirst du bald unkonzentriert und vergesslich. Bald fühlst du dich unsicher, unzufrieden und unausgeglichen, reagierst aggressiv, ängstlich oder hilflos. Der Blutdruck steigt, der Magen krampft, die Muskeln verspannen sich oder der Kopf schmerzt. All dies signalisiert „Stopp!“

Jetzt wird es Zeit, zurückzuschalten und zu analysieren – mit der ABCD-Methode aus der Rational-Emotiven Therapie (RET):

  • A Was genau löst den Stress aus? Ist es wirklich der E-Mail-Berg oder der Gedanke, alle sofort bearbeiten zu müssen?
  • B Wie bewertest du den Auslöser emotional? Schimpfst du dich gleich einen Versager, weil mal was nicht klappt?
  • C Wie schätzt du die Konsequenzen ein? Was kann im schlimmsten Fall passieren? Ist das realistisch?
  • D Nun ist es wichtig, anders zu denken: Bewerte die Situation noch einmal neu. Dabei ist Ent-Dramatisieren wichtig: „Ich bin nicht perfekt, und das ist ok!“. So kannst du dem akuten Stress entkommen.

Aktiv vorbeugen

Noch wichtiger ist, den Stress zu vermeiden. Dafür brauchst du Selbst- und Zeitmanagement. Mach dir als erstes deine Prioritäten klar – im Job, im Privaten, im Leben überhaupt. Was willst du wirklich erreichen und vor allem wozu? Jedes dieser Ziele wird dann in kleine Schritte zerlegt und in der Jahres-, Monats-, Wochen- und Tagesplanung berücksichtigt. Diese Planung kostet Mühe und Zeit, aber lohnt sich! Solange sie nicht zu perfekt ist, genug Luft für Unerwartetes und neue Ideen lässt.

Für die Tagesplanung sind Blöcke wichtig, die den einzelnen Zielen dienen, Blöcke, in denen du für andere da bist (im Job und im Privaten) und vor allem Blöcke nur für dich – kleine und große Pausen zur Entspannung und Highlights zur Belohnung. Gerade die kleinen Pausen zwischendurch – einfach mal frische Luft schnappen, deine Lieblingsmusik hören oder ein kleiner gesunder Snack – sind enorm wichtig.

Zwischendurch relaxen

Zudem solltest du eine klassische Entspannungstechnik beherrschen: Beim Autogenen Training lernst du, dich allmählich auf die innere Ruhe, die Schwere der Muskeln und die Wärme im ganzen Körper zu konzentrieren. Bei der Progressiven Muskelentspannung trainierst du bewusst den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung. Auch Atemtraining, Meditation und Yoga sind beliebt. Bald funktioniert das Umschalten von Stress auf Entspannung wie auf Knopfdruck.

All diese Techniken brauchen regelmäßige Praxis. Dafür gibt es Kurse bei Volkshochschulen, Vereinen und Fitness-Studios. Viele Krankenkassen und -versicherungen bezuschussen diese als Vorsorge, manche halten kostenlose Broschüren zum Stress-Management bereit. Für Schwule gibt es zudem den Kurlaub im Waldschlösschen, bei dem alle Ebenen der Wellness berücksichtigt werden: Bewegung ohne Leistungsdruck, gesunde Ernährung, mentale, emotionale und körperliche Entspannung sowie Genuss pur (www.kurlaub.waldschloesschen.org).

Ein einfacher Tipp zum Schluss: Die 5-4-3-2-1-Methode: Tür zu, Telefon und Computer aus, bequem hinsetzen, Augen zu. Nun stelle dir 5 schöne Bilder vor, dann 5 tolle Klänge, 5 angenehme Gefühle, 5 herrliche Geschmacksrichtungen, 5 tolle Düfte. Nun jeweils 4, dann 3, dann 2, dann 1 und dann eine Zeit lang gar nichts mehr: Genieße einfach die herrliche Entspannung! Tief Luft holen, langsam die Augen öffnen und schon geht’s leichter weiter.

Link:
www.kurlaub.waldschloesschen.org

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