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Yohji Yamamoto
© Yohji Yamamoto
Yohji Yamamo-to sagt, er hasse Mode. Trotzdem ist der Japaner ei-ner der ge-fragtesten De-signer.

Mr Yamamoto, wie würden Sie folgenden Satz beenden: Eine Pause zu machen bedeutet für mich…
Wissen Sie, ich bin sehr gleichgültig in Bezug auf die Frage: Was kommt als Nächstes? Es interessiert mich nicht. Ich weiß nur, dass meine Instinkte tadellos funktionieren. Also atme ich ein und aus und spüre, was für mich kommt. So einfach. Gleichzeitig können Sie mir glauben, dass ich mir viel Mühe gebe, ja nicht in den Mainstream der Modewelt zu geraten. Wie war noch gleich Ihre Frage?

Eine Pause zu machen bedeutet…
Sie sollten den Satz beenden. Ich spreche gern mit mir selbst, und ich sage mir immer: Gib mir eine Pause!

Der nächste Satz: Wichtig ist mir…
Leben, Raum. Frei sein. Keine Verant-wortung haben.

Aber Sie haben zwei Kinder.
Ja, das stimmt, und ich habe Schuldgefühle ihnen gegenüber.

Wieso das?
Es tut mir leid, dass ich sie in die Welt gesetzt habe. Sie können ja nichts dafür. Das Leben ist nicht einfach, und in dem Moment, wo man merkt, das Leben ist real, ist man zwangsläufig dazu verdammt zu kämpfen, zu leiden.

Sie selbst hatten eine schwere Kindheit, geboren kurz nach Kriegsende.
Ja, das war sehr hart. Was haben unsere Eltern gelitten? Sie haben einen echten, fürchterlichen Krieg erlebt! Meine Mutter war früh Kriegswitwe, und so kam es, dass ich mir als Einzelkind immer wahnsinnig viel Mühe gab, ein braver Junge zu sein. Heute kommt es mir so vor, als hätte ich damals die gesamte Zeit geschauspielert. Brav zu sein, das ist nicht einfach.

Wann haben Sie aufgehört, den braven Jungen zu spielen?
Niemals. Ich tu es noch heute. Jetzt zum Beispiel.

Weiß Ihre Mutter, was Sie arbeiten?
Sie tut so, als ob, erkennt meine Arbeit an, aber sie hört niemals auf zu fordern: »Du bist der einzige Sohn. Du musst dich um mich kümmern. Ich will nicht allein sein.« Dabei arbeitet sie auch für meine Firma. Wir wohnen ein paar Meter auseinander. Wir sehen uns jeden Tag. 
  Jeden Tag?
Ja. Aber sie ist nie zufrieden, fordert immerzu.

Das hat doch auch gute Seiten. Sie müssen immer ein guter, braver, fleißiger Junge sein!
So etwa mit 40 Jahren war ich auf einem sehr harten Konfrontationskurs ihr gegenüber und habe immer gesagt: Es reicht, Mutter! Aber heutzutage bin ich wieder milde, weil ich verstanden habe, welch ein Leid ihr widerfahren ist, durch den Tod meines Vaters im Krieg.

Dann sind Sie heute so etwas wie ein Ersatzehemann für Ihre Mutter?
Könnte man so sagen.

Ist es so: Erst kämpft man gegen die Eltern, und dann kommt man zurück zu ihnen?
Ja, das ist wahrscheinlich bei jedem so.

Was bedeutet Ihnen das Reisen? Ständig unterwegs zu sein von Tokyo nach Paris und zurück?
Das hat mit Reisen nichts zu tun, das ist Pflichterfüllung.

Wie wird Ihr Streben nach Freiheit in Ihren Arbeiten sichtbar?
(Sehr lange Pause, er überlegt). Seit Beginn meiner Karriere habe ich Mode immer ganz grundsätzlich infrage gestellt. Ich könnte es auch so formulieren: Ich hasse Mode.

Von Anfang an, bis heute?
Ja. Ich mache zwar im handwerklichen Sinn Mode, aber ich hasse die Modewelt.

Warum hassen Sie die?
Die Mode hechelt den Trends hinterher. Ich will zeitlose Eleganz. Die Mode hat keine Zeit. Ich schon. Ich sage: Hallo, Frau, wie kann ich dir helfen? Die Mode hat nicht genug Zeit, eine solche Frage überhaupt zu stellen, weil sie ständig damit beschäftigt ist herauszufinden: Was kommt als Nächstes? Es geht mir mehr darum, Frauen zu helfen, weniger zu leiden, mehr Unabhängigkeit und Freiheit zu erlangen.

Mr Yamamoto, haben Sie eigene Zeitrhythmen, besonders gestalte-te Arbeitsabläufe, individuelle Zy-klen gegen die Alle-halbe-Jahre-was-Neues-Formel der Modewelt?
Ich versuche, einen eigenen Rhythmus zu haben. Aber ich glaube, ich habe keinen. Wissen Sie, ich habe ja einen ganz schönen Widerspruch auszuhalten: Ich bin der Mann, der Mode hasst, aber in der Modewelt arbeitet...

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