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Ein Platz fürs wunderschöne Chaos |
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© Comme des Garcons |
| Guerilla - Shop |
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“Mode ist so unerträglich hässlich, dass wir
sie alle halbe Jahre ändern müssen.“ Das sagte schon Oscar Wilde.
Manchmal dauert es allerdings ein bisschen länger bis sich
etwas ändert. Die Guerilla Stores des japanischen Labels Comme des Garcons
ändern sich nach genau einem Jahr: Sie schließen. Egal ob die Umsätze gut sind
oder schlecht.
Der erste seiner Art wurde im
Februar letzten Jahres in Berlin eröffnet (und inzwischen
wieder geschlossen). Im Mai Barcelona und nun sollen Stores in Singapur, Ljubljana,
Helsinki, Warschau und Stockholm folgen. Die Store Manager arbeiten mit
Materialien und Gegenständen die bereits vorhanden sind.
In Berlin war es ein Buchladen der
einfach leer geräumt worden ist und mit gelber Farbe gestrichen wurde. Das ganze
hat weniger als 3000 Euro gekostet. Der Londoner Store auf der Dover Street arbeitet nach dem gleichen
Prinzip, nur wurde hier weitaus mehr Geld investiert. In der britischen
Metropole handelt es sich allerdings nicht um einen Guerilla Store, demnach
schliesst er auch nicht nach einem Jahr. Trotzdem ist das vierstöckige Gebäude so
anders als alle anderen.
Anders als die Marmorböden in Burberry und Gucci und
anders als die große, leere Halle von Jil Sander. Comme des Garcons erlaubt den
Londonern in ihre Welt einzutauchen. Das Label eröffnete seinen Flagship Store
unweit von Prada und anderen Luxus Palästen.
Rei Kawakubo, die 60 Jahre
alte Designerin und Gründerin des Labels ist extra nach London gekommen um sich
zu vergewissern das alles mit rechten Dingen zugeht. “Wir haben nicht viel
Geld und können uns keine Marmorböden leisten. Wir brauchten also eine Idee, die
nicht viel kostet “ Und diese Idee ist mal wieder bahnbrechend.
Die Zahl der Designer die sich dieser Idee angeschlossen haben ist enorm.
Junya Watanabe, der japanische Designer, auch unter den Fittichen von Comme
des Garcons, zeigt seine Sportswear Kollektion. Hedi Slimane, der Designer von Dior
Homme, stellt seine Home Furniture Kollektion zum ersten Mal aus. Im “Sound
Shop” direkt daneben wird Musik der ganzen Welt angeboten und wem das alles
zuviel ist setzt sich ins Café und entspannt sich.
Etwas verwirrt ? Dann
haben Sie das Konzept nicht verstanden. Kawakubo erklärt: “Ich wollte eine
Welt erschaffen, in der viele verschiedene Menschen zusammenkommen. In einer
Atmosphäre die chaotisch ist. Seelen verschiedener Menschen werden gemischt. Da
gibt es junge, kreative Menschen ohne Geld und andere aus großen Modekonzernen.
Jeder ist frei sich auszudrücken, alles unter einem Dach.”
Dabei
ist es gar nicht so einfach sich in dem monotonen, ja fast schon
Parkhausähnlichen Gebäude zurechtzufinden. Es gibt keine Schilder die einem dem
Weg weisen. Noch nicht einmal im Aufzug darf man auf ein bisschen Information
hoffen. Alles kahl, alles steril. Hat man sich dann einmal seinen Weg in die
heiligen Hallen vom „Dover Market“ verschafft, warten Skurrilitäten wie
ausgestopfte Hühner und Katzen in Vitrinen auf den Besucher.
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© Comme des Garcons |
| Comme des Garcons Store |
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Hinter einem Blockhaus stellt Raf Simons, der
brillante belgische Designer Vintage Stücke der letzten 10 Jahre aus und Alber
Elbaz hat eine Linie exklusiv für den Flagship Store designed. “Dies ist ein
Platz wo sich Menschen in einem wunderschönen Chaos treffen können” erklärt
Kawakubo.
Als Chaos würden viele Menschen den Laden wahrscheinlich auch
bezeichnen. Auf den ersten Blick nichts schönes - alles grau, alles dunkel.
Aber die Rechnung scheint aufzugehen.
Das Vermögen von Comme des Garcons
lässt sich vielleicht nicht mit dem von Christian Dior, Chanel oder Gucci
vergleichen aber immerhin brachten sie es bis Ende Februar 2004 auf 150
Millionen Dollar. Das Imperium Comme des Garcons besteht aus 12 verschiedenen
Modelinien und unzählige bahn- brechende Parfums. So wie die neuen “Anti
Perfumes”, die nach Dry cleaning, Zigaretten oder Garage riechen.
Comme
des Garcons Stores gibt es auf der ganzen Welt, allein 270 in Japan. Dabei
ähnelt kein Store dem anderen. In New York muss man durch einen meterlangen
Tunnel gehen um in die Geschäftsräume zu kommen. Als Architekten nach
Grundrissen und Plänen der anderen Stores gefragt haben um sich ein besseres
Bild zu verschaffen, verweigerte Kawakubo jeglichen Vergleich. „Jeder Store
muss ein Einzelstück bleiben.”
Eines haben sie doch gemeinsam: Es
werden keine Produkte im Fenster ausgestellt. Comme des Garcons Produkte auf
diese banale Weise auszustellen entspricht einfach nicht der Philosophie des
Unternehmens. Dieser rote Faden zieht sich von der Eingangshalle bis ins letzte
Stockwerk. Alle Designer haben vollkommen freie Hand ihren Platz im Laden so zu
designen wie sie möchten, vom Kleiderbügel bis zum Tisch auf dem die Ware
ausgestellt wird.
Auch wenn sich
der Flagship Store von den anderen Läden in der Umgebung unterscheidet eines
haben doch alle gemeinsam: Sie verkaufen Luxusgüter. Und die sind überall gleich
teuer, nur ist es angenehmer zu den unscheinbaren Laden auf der Dover Street in
London zu gehen. Willkommen im wunderschönen Chaos. von
Andre Schlagowski, London
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