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| Wat kann Liebe schön sein... |
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Das Wort Liebe wird enorm strapaziert. Auch in Paarbeziehungen muss es für eine große Bandbreite
von Bedeutungen herhalten. Ich will hier versuchen, etwas Licht in das Dickicht
der verschiedenen Sichtweisen zu bringen, die an dieses kleine Wort geknüpft
worden sind.
Was wir unter Liebe verstehen ist im Wesentlichen von zwei Faktoren
abhhängig. Erstens welcher Pol uns essentiell mehr anzieht, der
männliche oder der weibliche, bzw. der Drang zur Autonomie oder der Drang zur
Verbundenheit. Zweitens der Grad an Bewusstheit, den wir in unsere polare
Ausrichtung bisher bringen konnten. In der folgenden Tabelle sind die Zustände
von unten nach oben nach zunehmender Selbst-Bewusstheit geordnet.*
Über mehrere Stufen entwickelt sich die polare
(Selbst-)Wahrnehmung ** bis hin zum alles bezeugenden Gewahrsein, dem
so genannten Zeugenbewusstsein und zur allumfassenden Liebe, vollkommener
liebevoller Zustimmung zu allen Wesen. Jeder Mensch beginnt jedoch am unteren
Ende der Skala in der Unbewusstheit über die Existenz von Polen. In einer
gesunden Entwicklung werden dann die Fähigkeit zu Autonomie und Empathie
(Verbundenheit) entwickelt, während in der pathologischen Entwicklung mehr oder
weniger starke autistische und/oder symbiotische Zustände hervorgerufen werden.
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Männlicher
Pol |
Ebene |
Weiblicher Pol
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Reines
bezeugendes
Gewahrsein
(Zeugenbewusstsein) |
Alle fühlenden
Wesen (kosmisch)
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All-umfassende
Liebe |
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globales
Verantwortungsgefühl |
Wir
Alle (weltzentrisch)
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globales
Mitgefühl |
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individuelle
Autonomie |
Wir
(ethnozentrisch) |
persönliche
Verbundenheit |
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Aggressivität zur Abgrenzung |
Ich
(egozentrisch) |
Manipulation zur Herstellung von Beziehung
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Bindungsunfähigkeit
(Autismus) |
undifferenziert
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Bindungsabhängigkeit
(Symbiose) |
Liebe ist...
Was Menschen unter Liebe verstehen ist abhängig von ihrer inneren
Verfassung. Diese »Liebestabelle« zeigt, dass das, was wir für Liebe
halten, einerseits davon abhängt, ob unser Fokus eher auf Autonomie oder auf
Verbundenheit liegt, und andererseits von der Entwicklung der individuellen
Selbstwahrnehmung. Als Liebe wird empfunden, was dem Subjekt der jeweiligen
Ebene (Ich, Wir, Wir alle, alle fühlenden Wesen) als höchste Erfüllung des
Bedürfnisses nach Autonomie bzw. Verbundenheit erscheint.
Auf der Ich-Stufe bedeutet diese Erfüllung die Wahrung der
Ich-Grenzen einerseits (männlicher Pol) und Nähe/Kontakt andererseits
(weiblicher Pol). Wenn sich Partner auf den unteren Stufen treffen,
neigen sie dazu, dem anderen vorzuwerfen, er/sie liebe sie nicht, weil sie nicht
erkennen können, dass dessen Wunsch nach Abgrenzung bzw. Nähe bloß eine andere
Form der Liebe ist.
Klare Grenzen und das Bedürfnis nach Nähe werden nicht immer
selbstverständlich akzeptiert. Ein Mensch, der den weiblichen Pol
stärker lebt, wird dazu neigen, das Bedürfnis nach Kontakt manipulativ
herzustellen, während eine mit dem männlichen Pol identifizierte Person zu
Aggressivität neigt, wenn ihr die richtigen Worte zur Wiederherstellung gesunder
Grenzen fehlen. Manipulation und Gewalttätigkeit hören in dem Maße auf, in dem
echtes Verstehen des aktuellen Bedürfnisses stattfindet. Im Umkehrschluss
bedeutet das: wer seine Bedürfnisse klar hat und eindeutig kommunizieren kann,
braucht weder Manipulation noch Aggressivität.
Wenn Manipulation und Aggressivität durch Verstehen der eigenen
Bedürfnisse und derer des Partners aufgelöst wurden, entsteht ein neues
Wir-Gefühl. Auf der Wir-Stufe ist für den männlichen Pol die Erlaubnis
des freien Willens beider Partner die Erfüllung der Autonomie während für den
weiblichen Pol das Fühlen von Vertrautheit, Einheit und Verständnis im
Mittelpunkt steht. (Siehe nochmals Anmerkung *) Und auch diese Stufe ist
wiederum eine Durchgangsstation auf dem Weg zu einem umfassenderen Verständnis
von Liebe.
* Anmerkung für die ganz Empfindlichen: Mit männlichem und weiblichem Pol
ist nicht gemeint, dass Männer so und Frauen so sind. Vielmehr pendeln sowohl
Männer als auch Frauen zwischen beiden Polen. Allerdings lässt sich feststellen,
dass eine Mehrheit der Männer den Autonomie-Pol höher bewerten und eine Mehrzahl
der Frauen den Verbundenheits-Pol. Da beide in der höchsten Ebene ohnehin
vereint werden, sollten sie nur als das angesehen werden, was sie sind: Zwei
magnetische Positionen, die das göttliche Spiel von Anziehung und Abstoßung auf
allen Stufen der Entwicklung manifestieren.
** Die hier dargestellten Stufen stellen nur eine von vielen möglichen
Unterteilungen dar. Sie sind als Orientierungshilfe gedacht, so wie eine
Landkarte beim Wandern hilft, aber nicht die Fahrt in die Berge ersetzt.
© Henning Matthaei & Claudia Matthaei -
www.das-partnerwerk.de
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