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Viele Lesben und Schwule
führen Beziehungen zu dritt: Der oder die Ex ist in der Community häufig fester
Bestandteil des täglichen Lebens - nicht immer zur Freude des aktuellen
Partners.
So wie für Stefan, dessen junge Liebe zu Harald auf
eine harte Probe gestellt wurde. Haralds Ex-Freund Thomas war bei fast allen
Unternehmungen dabei, im Kino, auf dem Flohmarkt und am Wochenende in der Bar.
Obwohl Thomas charmant und nett war, wünschte sich Stefan schmerzlich mehr Raum
und Zeit für eigene gemeinsame Erfahrungen mit Harald - anstelle von
Erzählungen, wie toll doch die Urlaube von Thomas und Harald waren. Oder wie bei
Barbara und Claudia: Als sie sich nach fünf Jahren Beziehung trennten, behielten
sie ihre gemeinsame Wohnung, und als Claudia das erste Mal eine andere Frau
mitbrachte, knallten die Türen.
Geht's ohne Schlussstrich?
Müssen wir vielleicht doch einen Schlussstrich
ziehen, wenn Schluss war? Oder erschaffen wir uns aus einem Netzwerk aus
Ex-Beziehungen eine neue Familie? Ob es wirklich für alle Beteiligten gut ist,
wenn der Ex am Weihnachtsabend die Gans tranchiert oder die Ex die
Geburtstagsfeier ausrichtet, kann nur jeder selbst entscheiden. Tatsache ist:
Ohne Ex geht in der Community kaum was. Und zwar in unterschiedlichsten
Ausprägungen:
1. Das Opfer
Manchmal ist Verantwortungsgefühl für den Ex-Partner
der Hauptgrund dafür, den Kontakt zu halten. Wer als "Neuer" in einer solchen
Konstellation Fuß fassen will, hat es schwer. Besonders wenn der besorgte Ex
selbst noch keine neue Beziehung eingegangen ist - entweder weil er sich gerne
umsorgen lässt, womöglich mit einem Funken Hoffnung auf eine Wiederbelebung des
alten Verhältnisses, oder weil er einfach noch mehr Zeit benötigt. Der Neue muss
sich darauf verlassen können, dass sein Partner dem Ex wirklich nur
freundschaftlich verbunden ist. Sonst sitzt er schnell zwischen zwei Stühlen.
2. Der Traumprinz
Die Freunde hatten immer geschwärmt: "Ihr seid
füreinander geschaffen!". Leider hat es dann doch nicht für immer geklappt,
irgendwann passte es einfach nicht mehr. Dennoch bleibt der Ex der Maßstab aller
neuen Partner, im Nachhinein wird womöglich noch ein wenig idealisiert, und
natürlich stinkt jeder Neue dagegen zwangsläufig ab. Hier ist Selbstbewusstsein
gefragt und der Mut, sich aus dem Schatten des Vorgängers zu lösen. Jetzt
regiert ein neuer Traumprinz und der Ex ist nur noch der Ex.
3. Die Einsame
Sie ist jedes Wochenende unterwegs, sie wartet
bereits in der Stammkneipe, und sie weicht den ganzen Abend nicht von Ihrer
Seite. Sie meint es nicht böse, sie bemüht sich aufrichtig um eine Freundschaft
nach der Beziehung - aber vor allem kann sie nicht allein sein. Und Sie sind Ihr
wichtigster und womöglich einziger sozialer Bezugspunkt. Auch wenn es für Sie
selbst schmerzhaft ist: Bestehen Sie auf einem gesunden Abstand, der ihr
ermöglicht, loszulassen.
4. Die Illusionisten
Manchmal soll nachträglich durch eine intensive
Freundschaft legitimiert werden, was zuvor Liebe hätte sein sollen. So viele
Jahre Investition in eine Beziehung sollen doch nicht umsonst gewesen sein!
Leider ist in den meisten Fällen dieses Gefühl einseitig - bei der Person, die
verlassen wurde. Hier hilft häufig nur Beharrlichkeit und Konsequenz. Machen Sie
Illusionisten klar, warum Sie sich getrennt haben und dass Sie über die Vergabe
des frei gewordenen Platzes in Ihrem Leben selbst entscheiden werden.
5. Schwiegermütter und
Schwiegerväter
Sie sitzen wie Spinnen im Hintergrund und weben an
ihren Fesseln. Eifersüchtig beobachten sie alle Aktivitäten des Ex und welches
Frischfleisch angebracht wird. Selbstverständlich bestehen sie peinlich genau
darauf, jede neue Affäre vorgestellt zu bekommen - und mit vorgeblich
konstruktiver Kritik wird dann nicht gespart. Lassen Sie sich nicht bemuttern
und bestehen Sie darauf, dass Ihre neue Partnerwahl einzig Ihre Angelegenheit
ist.
Eric Hegmann/gay-PARSHIP
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