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Aktion "wir sind fuer dich da" - für junge Lesben, Schwule und Transgender an Münchens Schulen
Gestaltung der Poster: Städt. Berufsfachschule für Mode- und Kommunikationsgrafik
© Foto: Monika Eberle

Im Schuljahr 2005 / 2006 führt die Koordinierungsstelle zusammen mit dem Schulreferat eine umfangreiche Aufklärungskampagne an Münchens Schulen durch. Ziel ist es dabei, das oft schwulen- und lesbenfeindliche Klima an den Schulen zu verbessern und die betroffenen Jugendlichen zu stärken.

 

Warum braucht es eine solche Aktion? 

  • Die Begriffe „schwul“ und lesbisch“ sind in den Schulen sehr präsent: als Schimpfwörter!

Die „schwule Sau“ ist ganz normal, für Lesben gibt´s ähnlich schlimme Ausdrücke.

Für betroffene Jugendliche signalisiert dies immer wieder unüberhörbar: Du gehörst nicht zu uns, Dich wollen wir nicht dabei haben, von Dir halten wir nichts!

  • Aber: ca. 5 – 10 % der Jugendlichen empfinden gleichgeschlechtlich.

Bei knapp 50.000 Jugendlichen im Alter von 14 – 18 Jahren in München sind das: 2.500 – 5.000 Jugendliche stadtweit 1 - 3 Jugendliche in einer Klasse (bei 30 Schülern / Klasse)

  • Die Zeit, in der junge Menschen ihr „Anderssein“ bemerken, ist eine schwierige Entwicklungsphase: Pubertät und Jugend stellen schon heterosexuelle Jugendliche vor viele Probleme – bei Lesben und Schwulen kommen viele Belastungsfaktoren dazu:

Gestaltung der Poster: Städt. Berufsfachschule für Mode- und Kommunikationsgrafik
© Foto: Monika Eberle

• Sie werden nicht gesehen und haben keine Vorbilder.

• Ein coming out an der Schule und im Freundeskreis ist deshalb oft unvorstellbar, weil die Risiken, die damit verbunden sind, viel zu hoch sind: Verlust von Freunden, Einsamkeit, an den Pranger gestellt werden usw.

• Selbst ihre Familien stellen für die Jugendlichen oft keine nutzbare Ressource dar, weil auch die Haltung und Reaktion der Eltern nur schwer einschätzbar ist – also auch dort, am vertrautesten Ort, könnte Gefahr lauern. („hat nicht der Vater mal einen bösen Schwulenwitz gemacht und alle haben gelacht und sich abfällig geäußert?“)

• Auch in sich selber haben homosexuelle Jugendliche Bilder über Lesben und Schwule, die oft alles andere als positiv sind („Und so soll ich jetzt selber auch sein – nie im Leben!). Sie müssen also auch noch mit sich selber kämpfen, sich der eigenen Ablehnung stellen.

• Homosexuelle Jugendliche sind deutlich mehr einem Suizidrisiko ausgesetzt:

4 x mehr schwule oder lesbische Jugendliche als heterosexuelle denken an Selbstmord oder versuchen Selbstmord zu begehen (Berliner Studie)

• Die Studie der Koordinierungsstelle „Unter´m Regenbogen – Lesben und Schwule in München“ hat ergeben, dass die Diskriminierungserfahrungen bei jungen Lesben und Schwulen nicht nachlassen, auch sie haben mit über 80 % schon solche Erlebnisse machen müssen.

Gestaltung der Poster: Städt. Berufsfachschule für Mode- und Kommunikationsgrafik
© Foto: Monika Eberle


Es ist sehr begrüßenswert, dass die Jugendlichen mit dieser Thematik nicht alleine gelassen werden und die Landes
hauptstadt München ein klares Signal gibt:

Schwule, lesbische und transsexuelle Jugendliche gehören ganz selbstverständlich mit dazu.

Sie haben ein Recht darauf, ohne Ausgrenzung, Angst und Benachteiligung an ihren Schulen zu sein, ohne sich verstecken zu müssen.

Und wir alle, Eltern, Pädagogen, Verwaltung und Öffentlichkeit sind in der Pflicht, ihnen dies zu ermöglichen.

Deshalb sind Eltern und Pädagogen, aber auch alle Jugendlichen aufgefordert, Zivilcourage zu zeigen, wenn schwule und lesbische Jugendliche beleidigt, ins Abseits gedrängt oder gar zu Prügelknaben gemacht werden.

  

Die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, das Schulreferat und eine Projektgruppe aus Mitgliedern des Runden Tisches zur Gleichstellung von Lesben und Schwulen haben ein umfangreiches Programm erarbeitet.

Erfreulich ist, dass auch das Kultusministerium dieser Aktion zugestimmt hat!Damit können erstmals auch staatliche Schulen einbezogen werden. Die Aktion läuft somit an allen Haupt-, Real-, Berufsschulen und Gymnasien.

Plakate mit 3 verschiedenen Motiven werden nacheinander für ca. 3 Monate an Münchens Schulen aufgehängt. Die Plakate wurden von der städt. Berufsfachschule für Mode- und Kommunikationsgrafik entwickelt. Der Auftrag lautete, Plakate zu entwickeln, die die betroffenen Jugendlichen ansprechen und auf eine einprägsame Internetadresse hinweisen sollen.

Die Internetseite www.wirsindfuerdichda.org enthält viele Informationen über Angebote für junge Lesben, Schwule und Transgender in München. Es wird auf Beratungsstellen, Jugendgruppen und Freizeitangebote für die betroffenen Jugendlichen hingewiesen.Auf dieser Seite wird auch über weitere Aktionen und Veranstaltungen informiert.

Alle Eltern der Schüler der 9. Jahrgangsstufe erhalten von der Stadtschulrätin Elisabeth Weiß-Söllner ein Schreiben, in dem sie auf die Situation von homosexuellen Jugendlichen und diese Aktion hingewiesen werden. Zudem erfahren sie, wo sie sich informieren und beraten lassen können, wenn sie Fragen haben oder Hilfen für ihr Kind benötigen. 

Fortbildungsangebote für Lehrkräfte, thematische Veranstaltungen an den Schulen und Angebote für Schülerinnen und Schüler
 während des Schuljahres sollen dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und Verständnis zu fördern.


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