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Pierre et Gilles |
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"In unserer Arbeit mögen wir es, die Welt zu durchbrechen, den
Gegenstand unserer Liebe aufzugreifen und ihn in eine fast mystische Dimension
eintreten zu lassen, wo er zur Melodie unserer Träume wird."
Wenige homo- oder heterosexuelle Künstlerpaare haben so viel
Furore gemacht wie Pierre et Gilles seit den achtziger Jahren des letzten
Jahrhunderts. Dieses Duo hat dabei zu einer künstlerischen Symbiose gefunden,
die sich auf bildstrategische wie auch -technische Aspekte ebenso bezieht wie
auf das, was wir spätestens seit dem 19. Jahrhundert und dem Expressionismus als
Einheit von Kunst und Leben bezeichnen.
Die Identität von Kunst und
Leben ist das künstlerische Credo schlechthin von beiden. Bei Pierre et Gilles
vermählen sich Photographie und Malerei zu neuen Bildfügungen. Nach der
Ausstellung "Douce Violence" (Süße Gewalt), die zu einem Hauptereignis der
Saison 1998/99 (Paris, Jérôme de Noirmont) wurde und noch nie da gewesene
Scharen von Aficionados anlockte, vereinigte die Ausstellung, "Arrache mon cœur"
(Entreiß mein Herz) die 2002 in Wien stattfand, 75 Arbeiten, im wesentlichen die
Gesamtproduktion von Pierre et Gilles der vergangenen drei Jahre, und markiert
eine entscheidende Wende ihrer Arbeit.
Ganz neue Themen und Welten
wurden behandelt, die handbemalten Photographien haben eine Reife und einen
Reichtum, die alle Besucher zweifellos überraschten und beeindruckten. Pierre
(Commoy), der Photograph, und Gilles (Blanchard), der Maler sind zwei
Seelen-Schwestern. Einer photographiert, der andere malt. Sie vervollständigen
sich, sie mögen sich... seit mehr als zwanzig Jahren. Pierre machte Photos in
schwarz und weiß und Gilles kämmte in Farbe, als sie sich im Herbst 1976
begegnet sind.
Es war während eines Festes, dass man sich das erste Mal
gesprochen hat, man hatte ein wenig zuviel getrunken, man war sehr verschieden,
aber man ähnelte sich... seitdem arbeiten und leben sie gemeinsam. Am Beginn
standen Portraits von Persönlichkeiten wie Salvador Dalì, Catherine Deneuve,
Claudia Schiffer, Paloma Picasso oder Yves Saint-Laurent und Jean-Paul Gaultier,
heute sind es u.a. Laetitia Casta, Dalida und Juliette Greco. Die Bilder des
Künstlerpaares zu betrachten bedeutet unter anderem, mit der Sehnsucht nach
Vollkommenheit konfrontiert zu werden.
Es ist dies vielleicht das
wichtigste existentielle Begehren. Die Werke erzählen nicht nur von diesem
unendlichen Verlangen, sie sind dessen Projektion und Realisator zugleich. Das
Paradiesische der Arbeiten von Pierre et Gilles ist nicht Kitsch als Ausdruck
des Unwahren, wie es Theodor W. Adorno formulierte, sondern ist Ausdruck eines
absolut Wahren: desjenigen der erfüllten Vollkommenheit.
An der Grenze
zwischen populärer Ikonographie und der Geschichte der Kunst ist der Stil von
Pierre et Gilles einmalig. Pierre et Gilles haben ein präzise und sofort
identifizierbares stilistisches Territorium zwischen Malerei und Photographie,
Bühnenbild und Installation buchstäblich erfunden. "Alles hat sich vermischt,
das Leben, die Bilder, die Arbeit, die Freunde, die Reisen, die Lieder, man ist
untrennbar geworden..." "Die Leute, die man photographiert, sind alle
verschieden - berühmt oder unbekannt; es ist ihre Persönlichkeit und die Liebe,
die man für sie hat, die uns tragen und in uns eine Geschichte entstehen
lassen."
"Unsere Bilder ähneln uns, es ist
unser Leben, unsere Zusammenkünfte, unsere Freundschaften, unsere Liebe und
unsere Träume."
The Complete Works 1976 - 1996
von Bernhard Marcade,
Dan Cameron
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