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© MännerschwarmSkript |
| Keine Helden - von Uwe Szymborski |
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Good-bye
Leipzig - Vom Erwachsenwerden in der Endphase der DDR
Pitti hat Macht, seine Mitschüler
bewundern ihn und gehorchen aufs Wort. Heimleiter und Klassenlehrer sind
verglichen mit ihm nur Witzfiguren, kleine Rädchen im Staatsgetriebe, vor denen
man keinen Respekt zu haben braucht. Ob beim Rattenschießen, beim "freiwilligen"
Schneeräumen oder als FDJ-Sekretär ist Pitti der Größte, und Mark, 15 Jahre alt,
himmelt ihn an und fürchtet ihn zugleich. Vier Jahre wird es dauern, bis die
beiden auf einem Ausflug über die gerade gefallene Mauer hinweg ihre erste
Lederkneipe entdecken und begreifen, wie schön westliche Dekadenz sein kann.
Aber bis dahin ist es ein weiter Weg. "Baby Bottom" riecht nach Braunkohle und
schmeckt nach Klub-Cola.
Geborgenheit im Versorgungsstaat
steht neben peinlichen Momenten im Wohnungsausschuss, der dem 18jährigen
vermitteln muss, dass er jetzt zwar wählen darf, aber weiter im Kinderheim
wohnen muss. In einem packenden, der Umgangssprache seiner Helden
nachempfundenen Tonfall erzählt Szymborski vom Alltag in Leipzig, markiert
gekonnt die dem Westler fremde Welt und zeigt zugleich, wie sehr sich die
Verhaltensmuster pubertierender Jungs in Ost und West gleichen. Marks Probleme
heißen: Wie frisiere ich meinen Motorroller? Wie kann ich mich am 1. Mai vorm
Fahnentragen drücken? Was fange ich mit dieser ständigen Geilheit an?
Und dann ist da eine Unterströmung,
die die Schilderung der Freizeitspiele, des Unterrichts, der Berufsausbildung
und der Montagsdemonstrationen durchzieht: Immer wieder spürt Mark, dass ihn
Pittis Herrschsucht erregt, dass er es genießt, im Sand eingegraben, in den
Schnee gedrückt und von Pittis Stiefeln getreten zu werden: Er ist ein "Baby
Bottom" auf dem Weg zum Sklaven.
Vita des
Autors:
Uwe Szymborski wurde 1964 in Sachsen
geboren. Nach einer Bankausbildung arbeitet er heute als Steuerberater. Als
Schülerzeitungsredakteur machte er eigene Erfahrungen mit der Meinungsfreiheit
in der DDR. "Baby Bottom" (neuer Titel der Taschenbuchausgabe 2007: "Keine
Helden") war seine erste Veröffentlichung. Im Frühjahr 2007 erschien der Roman
"Radikal" über einen arbeitslosen jungen Mann in Magdeburg, der sich in der
rechten Szene verfängt. Uwe Szymborski lebt in Hannover.
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