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© Universal Music |
| Jazzanova - Of All The Things |
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Bei Jazzanova gibt es immer einen großen Erklärungsbedarf: "Die ganze Zeit muß man den Leuten erklären, welcher Sinn jetzt eigentlich dahintersteckt", sagt Alexander Barck, einer der DJs von Jazzanova, mit einem ironischen Grinsen. "Manchmal ist das komisch für uns, weil wir uns selbst gar nicht diese Gedanken machen. Wir lieben Musik, hören sehr viel Musik - alt, neu - und machen gern Musik. Und das ist es. Ein spielerisches Umgehen damit."
Klingt plausibel, ist aber stark untertrieben. Denn das sechsköpfige Clubkollektiv gehört weltweit zu den gefeierten Innovatoren im Dancefloor, im NuJazz, Broken Beat, im modernen Folk und Soul. Rund um den Globus beten DJs und Vinylfreaks Jazzanova an. Ihre Remixe für Masters At Work, Fat Freddys Drop, 4hero oder Ursula Rucker sind Kleinode. Aber auch für so verschiedene Künstler wie Lenny Kravitz, Common, Azymuth oder Calexico haben die sechs Berliner gerne das Kunststück gezeigt, unterschiedlichstes Ausgangsmaterial mit Respekt zu behandeln und dabei allem eine unverkennbare Jazzanova-Sound-Signatur zu geben.
Die Fähigkeit, Musik verschiedener Stile auf einen Nenner zu bringen, und ihr enormer Aufwand und Einsatz, die Möglichkeiten auszuloten und umzusetzen, wird nicht nur sehr in der internationalen Musikwelt respektiert, sondern treibt sie auch immer an, einen Schritt voraus zu gehen. Dabei ist ihre Musik authentisch und funktioniert "ebenso auf dem Montreux Jazz Festival wie auch im illegalen Kellerclub des Cousins deiner Freundin", schrieb WaS-Kulturredakteur Cornelius Tittel. Wo andere Produzenten acht Pseudonyme haben, mit denen sie jeweils in dieselbe stilistische Kerbe hauen, bringen die sechs Berliner immer als "Jazzanova" einen achtbaren, außerweltlichen, unberechenbaren Stilmix heraus."Berechnung spielt in diesem Prozess keine Rolle", betont Stefan Leisering. Es interessiert nicht, in welchem aktuellen Genre-Zusammenhang die Musik steht, mit der man sich gerade beschäftigt, was das gerade für einen Hipness-Faktor hat. Der Weg, die Entwicklung seien das Ziel. Es mache Spaß, "auf der Suche nach dem 'perfekten' Sound an ganz vielen verschiedenen Stationen vorbeizukommen und die Leute daran teilhaben zu lassen." "Unsere Musik kann die Leute mit auf eine Reise nehmen", sagt Alexander Barck. "Wenn wir es schaffen, sie damit zu faszinieren, wenn wir Menschen, die - sagen wir - brasilianische Musik nicht mögen (oder das zumindest dachten) dazu kriegen, zu einem Brasil-Track zu tanzen, wenn die sagen: 'noch nie gehört, aber Wahnsinn, ist jetzt meine Lieblingsmusik' - das sind die schönen Momente bei einer Produktion oder bei einem DJ-Set." Diesen Enthusiasmus, diese selbstbewußte Unbefangenheit, gepaart mit professioneller Ethik hört man sofort auf Jazzanovas neuem, zweiten Studioalbum "Of All The Things" heraus. Es fällt sofort auf, daß Jazzanova wieder mit verschiedenen Stimmen gearbeitet haben und die Mehrzahl männlich ist: Leon Ware (Soul-Legende und Writer/Producer von Marvin Gayes Album "I Want You") covert - gemeinsam mit Dwele (Solist für Common und Kanye West) - einen eigenen Song von 1981. Mit Phonte (Rapper der US-HipHop-Band Little Brother) kommen Jazzanova zurück zu ihren HipHop-Wurzeln. Überhaupt hört, spürt und fühlt man viel beim Durchhören dieser Musik! Es ist viel Soul, die Musik ist lebendig und deep zugleich. Jazzanova haben dieses Album genutzt, um sich und ihre Musik in Songs auszudrücken. Wer ihren Weg verfolgt hat, weiß, daß ihr Interesse an Songs im Verhältnis zu Dancefloor-orientierten Produktionen immer weiter gewachsen ist. Und dabei ist ein großer internationaler Sound entstanden; es passiert eine Menge Musik! Über das ganze Album gesehen arbeiten Jazzanova reichhaltig mit Ideen, Soundschichten- und Ebenen. Im Gegensatz zu früher haben Jazzanova auf diesem Album kaum mit Samples gearbeitet. Die Beats kommen aus dem Rechner, aber fast alles andere ist live aufgenommen. Hatten sie auf "In Between" noch dutzende Vinyl-Samples verarbeitet, um ihre Soundvision umzusetzen, so geschieht das jetzt mit Musikern und eigenen Einspielungen.
Das Endergebnis für all die Mühen ist ein unverwechselbarer Klangkosmos der seinesgleichen sucht. Ein maximales Hörvergnügen.
Homepage: www.jazzanova.de
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