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Mark Wyand - Hidden Hill
Mark Wyand
© Sony/BMG
Mark Wyand
Mark Wyand: Hidden Hill - Ein Meisterstück musikalischer Kontemplation oder auch Jazzimpressionismus in Vollendung

Mark Wyand gilt mittlerweile als einer der bemerkenswertesten Tenorsaxophonisten der zeitgenössischen deutschen Jazzszene. Eine äußerst sensible, nicht selten meditative Handschrift prägt den Stil des 34-jährigen Musikers und Komponisten. Bereits auf seinem hoch gelobten SonyBMG-Debüt „Eye To Eye“ (2007) hatte der gebürtige Engländer, der in Deutschland aufgewachsen ist und seit einigen Jahren in Berlin lebt, der Kunst der Jazzballade zu neuer Blüte verholfen. Jetzt ist Mark Wyand noch einen entscheidenden Schritt weitergegangen; so extrovertiert und freigeistig, wie der Bandleader bei seinen Liveauftritten klingen kann, so introvertiert und kontemplativ wirken seine neuen Studioaufnahmen, die er gemeinsam mit Till Brönner produziert hat. Der metaphorische Albumtitel steht für einen „Ort der Stille und Zurückgezogenheit“ und aus dieser inneren Versenkung heraus hat er das neue Werk auch in Angriff genommen. Neben sieben Eigenkompositionen enthält „Hidden Hill“ vier Interpretationen von Songs aus fremder Feder: die beiden Standards „Once Upon A Summertime“ von Michel Legrand und „Dearly Beloved“ von Johnny Mercer und Jerome Kern sowie „Jóga“ von der isländischen Pop-Avantgardistin Björk und „Paper Bag“ von Goldfrapp.
 

Streng genommen ist „Hidden Hill“ eine klassische Quartettaufnahme, zu deren Realisierung Wyand exzellente Instrumentalisten eingeladen hat. Am Klavier fiel seine Wahl auf den schwedischen Pianisten Daniel Karlsson, dessen lyrisches Spiel ihn schon seit geraumer Zeit tief beeindruckt. Der deutsche Kontrabassist Dieter Ilg gilt nicht erst seit seiner Zusammenarbeit mit Charlie Mariano als einer der besten deutschen Virtuosen seines Fachs. Vervollständigt wird das Quartett durch den Amerikaner John Hollenbeck, dessen filigranes Schlagzeugspiel oft die Grenzen zwischen Klassik, Jazz und Weltmusik überschreitet. Er arbietet mit Grössen wie Bob Brookmeyer, Fred Hersch oder Kenny Wheeler und hat derzeit eine Gastprofessur am Berliner Jazz-Institut inne. Die hochkarätige Besetzung wird ergänzt durch den Gitarristen Frank Möbus – Bandleader der Jazzavantgardisten „Der Rote Bereich“.


Mark Wyand - Hidden Hill
© Sony/BMG
Mark Wyand - Hidden Hill
 Ganz ruhig und entspannt, fast erhaben beginnt das neue Album mit „Kriyaban“, ein aus dem Kriya Yoga stammender Begriff für einen „Suchenden“. Schon die ersten Klavierakkorde setzen hier den Ton für ein Album, das seine Kraft aus der Ruhe schöpft und seine Schönheit aus dem puren Wohlklang. Die Interaktion zwischen den Musikern kommt nahezu ohne großartige solistische Exkurse aus, denn stets stellen sich die Musiker ganz in den Dienst der Komposition respektive der mit ihr erzeugten Emotionen. Gerade das fein austarierte Kräfteverhältnis gibt der Musik Raum und Tiefe – alles fließt und wirkt mühelos. „The Second Sight“ scheint ebenfalls dem freien Gedankenfluss zu folgen, ein musikalischer „stream of consciousness“. Das folgende „Prelude“ hingegen ist ein eher statisch angelegtes Stück. Wyand, der betont, beim Komponieren fast immer „in Bildern zu denken“, verfolgt im Zusammenspiel mit Frank Möbus einen filmmusikalischen Ansatz und setzt dabei wie im Gleitflug zu kreisenden Improvisationen an.
 

Zu seinem Tenorsaxophon, einem Anfang der 1930er gebauten Selmer „Super Sax“, pflegt Mark Wyand eine besonders innige Beziehung und es ist für ihn von unschätzbarem Wert, hat es ihm doch stark geholfen, seinen Klang zu entwickeln: „Auf meinem Instrument versuche ich mich immer weiter weg zu entwickeln von einer bestimmten Klangvorstellung, die sich rein über das Saxophon vermittelt. Björk und Goldfrapp haben mich inspiriert, auf eine bestimmte Art zu phrasieren.“ Tatsächlich interpretiert er Björks Pop-Elegie „Jóga“ mit einer malerischen Finesse, die auch sein tiefes klassisches Harmonieverständnis deutlich macht. Bewundernswert, wie er sich dieses Stück ganz zu Eigen macht. „Paper Bag“ ist ebenfalls ein vorzügliches Beispiel für die Fähigkeit des Tenoristen, sich in den emotionalen Reiz einer Sängerin wie Alison Goldfrapp hineinzuversetzen, wobei hier schon der Luftzug des Mundstücks den Raum zu füllen vermag.
 

Hidden Hill“ erzeugt nicht selten einen faszinierend sanften Schimmer, als wäre hier jeder Ton auf die Goldwaage gelegt worden. Sei es in der unterkühlt nächtlichen Atmosphäre, die „High Moon“ hervorruft, oder mit der mystischen Aufbruchstimmung, die das vitale „Hidden Hill“ vermittelt. Selbst „First Morning Without Rain“, eine wohltemperierte Skizze für Saxophon und Klavier, ist von betörender Anziehungskraft. Eine künstlerische Verbeugung vor der Schönheit der Komposition sind auch die erlesenen Versionen der beiden Standards. „Dearly Beloved“ (aus dem Fred-Astaire-Filmmusical „You Were Never Lovelier“), über das sich eine feine Patina des Romantischen legt und bei dem sich Klavier, Saxophon und Bass mit beschaulichen Solos umgarnen. Auch „Once Upon A Summertime“ steckt voller Hingabe und evoziert das Bild eines Spaziergangs durch Paris, wie es schon der Originaltext nahelegt. „Hidden Hill“ endet mit der so luziden wie fragilen Klangskulptur „Flowers From Lila“, einem Duo zwischen Gitarre und Saxophon, das dem Album eine perfekte Schlussnote verleiht: ein Meisterstück jazzmusikalischer Kontemplation.

Hidden Hill“ zu hören, das ist wie Lustwandeln in einem Irrgarten voller sattgrüner Töne. Mark Wyand hat mit seinem neuen Album seinen Ruf als einer der sensibelsten Tenorsaxophonisten Deutschlands untermauert und zelebriert mit beeindruckender Leichtigkeit seine ganz persönliche musikalische Welt. „Hidden Hill“ ist ein künstlerisch vollendeter Zauberberg, von dem eine Spiritualität und Magie ausgeht, der man sich nur schwerlich entziehen kann. Das ist Jazzimpressionismus in Vollendung.

Homepage des Künstlers:
www.markwyand.com


 


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