DIE BAYREUTHER LOHENGRIN-INSZENIERUNG
von Werner HERZOG
Völlig unerwartet war die Aufführung der Wagner Oper durch den Regisseur Werner Herzog, der durch seine unkonventionelle Herangehensweise bestach, deutlich an das Original angelehnt.
Anders als von vielen erwartet, die Werner Herzog vor allem als Autorenfilmer des Neuen Deutschen Films kannten, fiel sein Bayreuth-Debüt nicht durch einen besonders unkonventionellen Zugang zur Wagner-Oper auf. In den ersten beiden Aufzügen folgt die Inszenierung konzentriert dem Libretto und entfaltet ihren subtilen ästhetischen Reiz in den magischen, auf brillante Weise kühlen Bühnenbildern und phantasievollen Kostümen Henning von Gierkes. Ganze Aufmerksamkeit kommt dabei den SängerInnen zu, vor allem Paul Frey in der Lohengrin-Rolle, für den diese Inszenierung den Durchbruch als international gefeierter Heldentenor darstellte.
Im dritten Aufzug entfernt sich Herzogs Inszenierung von der Wagnerschen Textvorlage und wählt atmosphärische, z.t. eher filmische Settings für die Handlung: Lohengrins und Elsas Brautgemach verlegt er in eine von Eisbergen geprägte Außenlandschaft, Lohengrin verschwindet wie in einem Filmtrick am Ende plötzlich in einer Wolke aus blauem Dunst, ähnlich rätselhaft verwandelt sich aus dem Körper des Schwans ein kleiner Junge, der Elsas verloren geglaubten Bruder Gottfried darstellt. Die Dramatik des Schlusses nimmt Herzog zurück, indem er Elsa nicht in den Armen Gottfrieds sterben lässt: sie wird sich auch weiterhin gegen die Anfeindungen Ortruds behaupten müssen – ihr Konflikt erfährt keine Lösung. Die Klarheit der musikalischen und choreographischen Strukturierung der Oper und die ungemein theatralischen Bühnenbilder und Lichteffekte machen aus Wagners Lohengrin eine ergreifend schöne und zwingende Operninszenierung, die international gefeiert und als Musterbeispiel für eine behutsame Modernisierung einer Wagner-Oper begriffen wurde, die eine deutliche Nähe zum Original beibehält.
Eine ergreifende Inszenierung, musikalisch souverän von Peter Schneider geleitet mit Cheryl Studer und Paul Frey.
Die Aufzeichnung dieses Festpielhighlights war bisher nur im Kino zu sehen und erscheint nun erstmals auf einer Doppel-DVD.
Richard Wagner
Lohengrin
Besetzung
Heinrich der Vogler, deutscher König: Manfred Schenk
Lohengrin: Paul Frey
Elsa von Brabant: Cheryl Studer
Friedrich von Telramund, brabantischer Graf: Ekkehard Wlaschiha
Ortrud, seine Gemahlin: Gabriele Schnaut
Der Heerrufer des Königs: James Johnson