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© Decca |
| Cecilia Bartoli - MARIA |
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Zwei Jahre sind um und das bedeutet: endlich gibt es ein
neues Bartoli-Album. Nach dem überwältigenden Erfolg von „Opera proibita“, für
das die Bartoli ihre erste Goldene Schallplatte bekam, überrascht sie uns nun
mit einer Hommage an die wohl bedeutendste Opernsängerin des 19. Jahrhunderts –
die Muse Bellinis, Donizettis und Rossinis. Und kehrt mit der Erinnerung an die
tragische Geschichte der Maria Malibran gleichzeitig zu den Wurzeln ihrer
Karriere, dem Belcanto zurück. Denn vor Gluck, Vivaldi, Salieri und Händel hieß
zumindest einer ihrer Hausgötter Gioacchino Rossini! Der hat über die spanische
Mezzosopranistin gesagt:
„Dieses großartige Geschöpf! Sie
hat alle ihre Vorgängerinnen in den Schatten gestellt... und alle Frauen, die
ich je gekannt habe durch ihr ungezügeltes
Temperament.“
Die Malibran war Vorbild, Abbild und Schreckensbild in einem:
Vorbild für ganze Generationen von Sängerinnen, die ihr nacheiferten, ihr jedoch
nie auch nur nahe kamen; Abbild einer Zeit, für die schwärmerische Exaltiertheit
und das unbedingte Bekenntnis zum romantischen Sentiment zur Grundlage ihrer
künstlerischen Existenz wurden; und Schreckensbild aller Moralapostel, die in
der Frau immer nur das vom Man zu bestimmende Objekt, indes nie das sich selbst
bestimmende Subjekt sahen.
Wenn die Malibran sang, fielen Menschen in Ohnmacht, brachten
sich um, gerieten völlig ausser sich vor Ent- bzw. Verzücken. Maria Malibran war
die erste Frau, die ihr Publikum an den Rand des kollektiven Wahnsinns brachte
und über 50.000 dankten ihr dafür bei ihrem Leichenzug in Manchester, wo die
schwangere, gerade einmal 28jährig an den Folgen eines Reitunfalls kurz zuvor in
London gestorbene Sängerin zu Grabe getragen wurde.
Mit der ihr eigenen Akribie, ihrem Engagement und ihrer
faszinierenden Musikalität hat sich Cecilia Bartoli nun dem Oeuvre dieser
großartigen Persönlichkeit genähert, nicht zuletzt dadurch beflügelt, dass sie
seit Jahren einer ihrer größten Fans und im Besitz von über 200
Erinnerungsstücken der Malibran ist. Auch in dem Bewusstsein, hier eine Frau
anlässlich ihres 200. Geburtstages im kommenden Jahr zu ehren, die in unseren
Tagen den Status eines Superstars mit all seinen Facetten innegehabt
hätte.
Genie,
Skandal und Tod:
Maria — Sängerin und
Diva
Wer war denn eigentlich diese Maria Malibran, Spross der
hochberühmten Familie García...? Der Archetyp der romantischen Frau: höchst
genial, über bedeutende, jedoch unterschiedlichste Talente verfügend,
freigiebig, gefühlvoll und tragisch, hingebungsvoll, inbrünstig und
leidenschaftlich, unbezähmbar, unbekümmert, aber aufrichtig, emanzipiert,
unabhängig, ja modern. Sie war aber auch stolz, starrköpfig und tollkühn, eine
Frau, deren extravaganter Charakter sie zwang, alles ihrem unbeugsamen Willen
und dem, was sie für ihre persönliche Freiheit hielt,
unterzuordnen.
Wo immer die junge Spanierin mit der schlanken Figur, den
großen Augen und den langen dunklen Haaren erschien, entfachte sie eine Eruption
von Atmosphäre und Emotion, die in Europa wie Amerika die kultivierte
Gesellschaft in einen schwindelerregenden Rausch stürzte, welcher alles
Dagewesene übertraf. Mit ihrem mitreißenden Gesang, aber auch mit ihrer freien
Denkweise und ihrer Art, jenseits aller Konvention zu leben, stellte diese junge
“Zigeunerin” — Tochter eines äußerst berühmten andalusischen Musikers und
Prototyps des romantischen Künstlers — nicht nur die Ästhetik des Gesangs und
der Bühnendarstellung auf den Kopf, sondern die Einstellung der Gesellschaft
gegenüber Künstlern ganz allgemein: Zum ersten Mal hinterließ eine Frau, zudem
eine Musikerin, auf dem Gebiet der Kunst, im Alltag sowie in der Geisteshaltung
ihrer Zeitgenossen ein tiefes Gepräge mit unermesslichen Folgen für die
nachfolgenden Generationen. Sie wurde zur ersten Diva der Theatergeschichte, die
erste Göttin der Romantik.
Künstlerhomepage:
www.ceciliabartoli.de
www.mariamalibran.net
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