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Natürlichkeit ist nicht nur eine Zier, sondern die
Voraussetzung überhaupt, um Musik mit Überzeugungskraft präsentieren zu können.
Sieht man Nicole Cabell auf der Bühne, erlebt man eine Sängerin, die voll und
ganz von den Melodien und Rollen durchdrungen ist, die sie sich vorgenommen hat.
Sie scheint die Charaktere zu leben, sogar ohne die Kostüme der Opernbühne wie
im Fall des BBC Wettbewerbs Cardiff Singer of the World, und schafft auf diese
Weise eine Atmosphäre, die die Menschen von den Stühlen reißt. So steht das
Album "Soprano" an einem wichtigen Punkt in Nicole Cabells Karriere. Hinter ihr
liegen die Jahre der Ausbildung und des sukzessiven Aufstiegs in der
amerikanischen Opernszene, vor ihr erwartet sie eine internationalen Laufbahn
als neuer Star am Himmel der lyrischen Stimmen - das Ganze mit dem Charme und
dem Selbstbewusstsein einer Frau, die genau weiß, dass sie das Zeug zur Spitze
hat.
Auf ihre
Herkunft ist sie stolz. Nicole Cabell wuchs in Ventura in der Nähe von Los
Angeles auf. Ihre Vorfahren entstammen dem afro-amerikanischen wie auch dem
europäischen und koreanischen Kulturkreis. Der Großvater war der erste
afro-amerikanische Polizeipräsident der benachbarten Millionenstadt und so waren
Eigenständigkeit, Durchsetzungsfähigkeit und Toleranz stets ein Teil der eigenen
Familiengeschichte. "Meine bunt gemischte Abstammung ist ein sehr wichtiger
Teil von mir. Ich bin dankbar, dass ich in einer Umgebung aufwuchs, in der sie
voll akzeptiert wurde",
meint Cabell im Rückblick auf ihre Kindheit und Jugend.
Tatsächlich war bald deutlich, dass das Mädchen eine ungewöhnliche Stimme und
Darstellungsgabe hatte, auch wenn sie selbst zunächst davon träumte, als
Schriftstellerin zu reüssieren. Ihren ersten professionellen Stimmunterricht
bekam sie erst mit 15 Jahren, die Fortschritte waren aber derart offensichtlich,
dass gegen Ende der Highschool-Zeit die Entscheidung für eine Ausbildung zur
Sängerin getroffen werden musste. Cabell dachte nach und war schließlich
überzeugt, dass ihre Zukunft auf der Bühne liegen könnte.
Erste Station war die Eastman School
of Music, Studienaufenthalte brachten sie nach Italien, bald auch an das New
Yorker Chautauqua Institute. Die nächste Station war das Lyric Opera Center for
American Artists in Chicago, wo sie in dem unlängst verstorbenen Richard
Pearlman einen wichtigen Mentor fand. Von der Sopranistin Gianni Rolandi lernte
Cabell die Feinheiten der stimmlichen Differenzierung, der Kontakt zur Lyric
Opera von Chicago verhalf ihre dazu, zahlreiche Koryphäen des Gesangs auch live
zu erleben. So wuchs eine Stimme heran, deren Qualitäten
die Kollegin und Lehrerin Marilyn Horne begeistert umschreibt:
"Sie ist sinnlich und rund und hat im höchsten Register einen
unglaublichen Klang. Sie hat ein sehr geschmeidiges Legato, es ist eine Stimme,
die einen ganz umfängt".
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© Decca |
| Nicole Cabell - Soprano |
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Das hängt zum
einen mit den Anlagen zusammen, die die Sängerin mit in ihre Ausbildung gebracht
hat, ist aber auch die Folge einer künstlerischen Einstellung, die sich vom
Mainstream der stilistischen Meinungsbildung unterscheidet. Denn Cabell singt,
was ihr Spaß macht, und achtet sehr darauf, dass es Rollen sind, die zu ihr
passen. "Bei meiner Karriere geht es mir nicht darum, eine Diva zu sein. Ich
möchte nur Musik singen, die mich berührt, die zu meiner Stimme passt und die
meinem Publikum gefällt." Diese Einstellung wiederum umgibt die Sopranistin
mit einer Aura der Selbstverständlichkeit, die wiederum sich auf die
Interpretation und die Wirkung der Arien überträgt, die sie verkörpert.
Das war
schließlich auch einer der Gründe, weshalb die Kalifornierin ausgewählt wurde,
im Juni 2005 die amerikanische Opernwelt beim renommierten BBC Wettbewerb
Cardiff Singer of the World zu vertreten, und es ihr möglich wurde, die
Konkurrenz auf die Plätze zu verweisen. Nachdem sie sich in den Vorrunden einem
weitgehend bekannten Repertoire gewidmet hatte, wagte sie sich im Finale an
unkonventionelle Stücke:
"In der letzten Runde entschied ich mich für ein eher eklektisches Programm,
unter anderem die Arie aus Tippetts 'A Child of our Time' und Teresas Arie aus
Berlioz' 'Benvenuto Cellini', die ich großartig finde".
Mit dieser
Auswahl stand Cabell mit einem Mal auf dem Siegertreppchen, erhielt von Dame
Joan Sutherland die Ehrungstrophäe überreicht und war quasi über Nacht
Gesprächsthema der internationalen Musikpresse. Sie gehören natürlich auch zu
dem Programm, das sie für ihr Debüt bei der Decca zusammen mit Andrew Davis und
dem London Philharmonic Orchestra aufgenommen hat. Dabei reicht das Spektrum
enorm weit, von Donizettis "Don Pasquale" bis Gershwins "Porgy and Bess", von
Puccinis "La Bohème" bis Menottis "The Old Maid and the Thief". Und es
dokumentiert eindrucksvoll, dass hier jemand sich zu Gehör meldet, dessen
Potential sich nicht mit ein paar Jahren Glamour zu erschöpfen droht.
Klassikakzente
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