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Evgeny Kissin - Der junge Klaviergott
Evgeny Kissin spielt Johann Sebastian Bach, Christoph Willibald Gluck - Fantasy
© Universal Music
Evgeny Kissin: Johann Sebastian Bach, Christoph Willibald Gluck - Fantasy

Natürlich zweifeln die Skeptiker. Geht denn das überhaupt, dass ein junger Mensch derart genial spielt und wohlmöglich mit zunehmendem Alter auch noch besser wird? Doch Evgeny Kissin führt den Beweis. Er hat sich von einem der faszinierenden Jungstars des Klaviers zu einer Institution der internationalen Konzertsäle entwickelt, der mit jedem Bühnenabend aufs Neue sein Publikum zu Begeisterungsstürmen hinzureißen vermag. Inzwischen Mitte Dreißig ist Kissin unangefochten einer besten Pianisten der Welt, nicht nur in Bezug auf seine stupende Spieltechnik, sondern auch auf das profunde und tiefgründende Verständnis der Werke, die er den Menschen präsentiert. So ist es auch rund eineinhalb Jahrzehnte nach seinem internationalen Durchbruch und seinen ersten Aufnahmen für die Deutsche Grammophon ein Erlebnis, sich die Interpretationen etwa von Schuberts "Wanderfantasie" oder des wuchtigen Tschaikowski-Klavierkonzerts in Erinnerung zu rufen. Im Rahmen der aktuellen Reihe mit Künstlerportraits sind nun auf einem Doppelalbum die wichtigsten Einspielungen der frühen Jahre unter dem Titel "Fantasy" erschienen. Eine Sammlung voller akustischer Juwelen, einschließlich einiger erstmal auf CD erhältlichen Mitschnitte.

 

Für außergewöhnliche Talente hatte die ehemalige Sowjetunion einen gut fuktionierenden Förderapparat zur Verfügung. Evgeny Kissin wurde am 10. Oktober 1971 in Moskau geboren und noch bevor er richtig reden konnte, versuchte er schon, Bach-Fugen am Klavier nachzuspielen. Als Dreijähriger improvisierte er ausführlich, mit sechs Jahren wurde er an das renommierte Gnessin-Institut in seiner Heimatstadt verwiesen. Dort nimmt ihn Anna Pavlovna Kantor unter ihre Fittiche und unterstützt den Knaben nach Kräften. Sie wird über all die Jahre hinweg seine einzige Lehrerin bleiben, bald mehr als eine Pädagogin, eine Freundin der Familie. Kissin ist 12 Jahre alt, als ihn die stolzen Parteikader als russisches Wunderkind gemeinsam mit den Moskauer Philharmonikern und einem Programm mit den beiden Chopin-Klavierkonzerten auf Tournee schicken. Der Musikwelt stockt der Atem, denn da ist tatsächlich ein junges Genie zu hören, das nicht nur Technik, sondern auch Tiefe zu bieten hat. Nächste Stationen sind Japan 1986, die Berliner Festspiele 1987, wo sich längst Herbert von Karajan als einer seiner Förderer anbietet. Das Silvesterkonzert mit Tschaikowskis Klavierkonzert, vom Fernsehen mitgeschnitten und in die Welt gesendet, markiert endgültig den Durchbruch für Kissin. Von da an ist der 16-jährige Pianist ein Star und deshalb steht die berühmte Aufnahme auch am Beginn der zweiten "Fantasy"-CD. Verblüffend, mit welch einer Chuzpe hier in die Tasten gelangt wurde, so jenseits aller technischen Beschränkungen und aus einer Sicherheit heraus, die nur jemand haben kann, der ein Werk aus seinem innersten Kern heraus verstanden hat.

 

Und bald war Kissin nicht nur ein international gefeierter Virtuose, sondern auch ein Künstler der Deutschen Grammophon Familie. Es entstanden einige wundervolle Aufnahmen, die nun gesammelt und um bislang auf CD nicht veröffentlichte Stücke ergänzt im Rahmen des Doppel-Albums "Fantasy" wieder zu hören sind. Dabei handelt es sich um Liszts Transskriptionen der "Sechs Lieder" von Franz Schubert, erstmals vollständig mit dem "Erlkönig" und "Die Forelle", die grandiose Interpretation von Schuberts "Wanderer-Fantasie", außerdem die sieben "Fantasias op. 116" von Johannes Brahms und die "Ungarische Rhapsodie Nr.12, C-moll" von Liszt, die schlichtweg staunen lässt. Neben diesen Solo-Stücken wurde Tschaikowskis "Klavierkonzert Nr.1" mit den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan und Beethovens Chorfantasie, ebenfalls mit den Berlinern, diesmal unter der Leitung von Claudio Abbado dem Künstlerportrait hinzu gefügt. Schließlich wird das Programm durch zwei weitere Erstveröffentlichungen auf CD abgerundet: eine "Melodie" von Christoph Willibad Gluck und Johann Sebastian Bachs "Siciliana" aus der Sonate BVW 1031. Auf diese Weise entsteht ein rundum berauschendes Hörbild mit bereits legendären Aufnahmen eines der größten Pianisten unserer Tage.

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