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Paradiese – Schätze aus der Sammlung Sternweiler |
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© Schwules Museum |
| Ludwig von Hofmann, Jünglinge beim Baden |
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In unterschiedlichsten Versionen haben sich Menschen zu
allen Zeiten ursprüngliche ideale Welten erdacht, aus denen sie stammen und in
die sie sich zurücksehnen. Diese Traumwelten bekamen Namen wie Paradies,
Elysium, Olymp, Himmel oder das verlorene Arkadien. Es ging dabei um die
Transponierung von Glückseligkeit, von menschlichen Gefühlen und Sehnsüchten auf
eine andere Ebene und zumeist in eine weit entfernte Vergangenheit.
Zwei
entgegengesetzte Konzeptionen beeinflussten die Vorstellung vom Paradies: Die
Vielfalt mythischer Gestaltungen in der Antike und die christlich-jüdische
Vorstellung vom Garten Eden. Das verlorene Paradies von Adam und Eva bedingte
die christliche Vorstellung von einer Zweiteilung der Welt in Gut und Böse, in
Himmel und Hölle. Die Antike war seit ihrem Untergang eine gelungene
Projektionsfläche für unterschiedlichste Ansichten, Ideen und Wünsche. Der
zentrale Unterschied war die Einstellung zu Sexualität, Hetero- wie
Homosexualität. Im Christentum wurde sie verteufelt und zum Grund für die
Vertreibung aus dem Paradies erklärt. In der Antike hatte sie einen positiven
Stellenwert in der Götterwelt, in den Mysterien, der Philosophie und im
Leben.
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© Schwules Museum |
| Alexander Uschin, Das Haus der Jünglinge |
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Die Wiederentdeckung antiker Texte und Kunstwerke im
Mittelalter, verstärkt aber in der Renaissance führten zur Übernahme derartiger
antiker Vorstellungen vom Leben für die Gegenwart. Dies bedingte immer auch
freiere Ansichten zu Homosexualität. Daneben konnten zeitgenössische Orte der
Liebe und Unbefangenheit wie Badehäuser und Schwimmplätze, aber auch die
Prostitution in den Städten zu Plätzen antiker Freiheit stilisiert werden. Dem
folgten die französischen Liebesinseln und Liebestempel des 18. Jahrhunderts.
Italien wurde als neues Paradies besungen. All diese Fluchtbewegungen boten auch
den Homosexuellen eine Möglichkeit, sich auf die Suche nach Arkadien zu begeben.
Paradiesvisionen waren von zentraler Wichtigkeit als Stütze für das
Erdulden einer unbefriedigenden Wirklichkeit. Sie hatten eine politische
Dimension. Das Imaginieren von positiven Gegenwelten konnte zum Kampfmittel
gegen Unterdrückung und Verfolgung werden, zu Manifesten der Selbstbehauptung.
Der Fremdwahrnehmung und Entäußerung wurden solche Bilder der Selbstdarstellung
entgegengehalten.
Die Ausstellung bietet einen Gang durch die
Jahrhunderte, von 1500 bis 1950, und versammelt in zehn Themenbereichen
künstlerische Arbeiten aus der Sammlung Sternweiler. Diese wurde in den letzten
20 Jahren parallel zur Entwicklung des Schwulen Museums von dem Kunsthistoriker
Dr. Andreas Sternweiler und seinen Eltern Anneliese und Dieter B. Sternweiler
aufgebaut.
Es handelt sich dabei um Sicherungskäufe von Materialen, die
im Antiquariats-, Kunst- und Auktionshandel auftauchten, vom Schwulen Museum
wegen des fehlenden Etats nicht angekauft werden konnten und sonst in alle Winde
verstreut worden wären. Der Sammler, der aus gesundheitlichen Gründen eine
Veränderung seiner Lebensumstände vornehmen muß, möchte sich jetzt von der
Sammlung trennen und sie an den sicheren Ort übergeben, für den sie
zusammengetragen wurde. Das Schwule Museum versucht mit Unterstützung der
Kulturstiftung der Länder und weiterer Sponsoren die Sammlung Sternweiler zu
erwerben.
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© Schwules Museum |
| K. Oechsler, Nach dem Picknick |
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Paradiese – Schätze aus der Sammlung
Sternweiler ausgewählt von J. M. Krüger
Ausstellung vom 2.
Juni – 18. September 2006 Ort: Schwules Museum,
Mehringdamm 61, 10961 Berlin
Ausstellungseröffnung: Donnerstag, der
1. Juni, 19 Uhr Öffnungszeiten: 14 - 18 Uhr, Sa 14 - 19 Uhr, Di
geschlossen Eintritt: € 5,00, erm. € 3,00
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