 |
© Frans Franciscus |
| Frans Franciscus, "Who is without sins", Öl auf Leinwand, 2003 |
|
|
 |
|
 |
12. März 2006 bis 14. Mai 2006
MEIN SCHWULES AUGE
3
Internationale Künstler zu Gast im Schwulen
Museum
Fotografien, Malereien, Zeichnungen, Performances und
Installationen von über 50 internationalen Künstlern anlässlich der Publikation
der gleichnahmigen Anthologie. Kuratiert von Rinaldo Hopf.
Mein schwules Auge 3 versammelt künstlerische und
sexuelle Abenteurer und Exoten jeder Couleur, darunter viele neue Talente neben
solchen, die sich in der internationalen Kunstszene längst einen Namen gemacht
haben. Bei der Auswahl der Künstler und Bildbeiträge hat der Kurator Rinaldo
Hopf den Blick über Europa hinaus auf neue, ungewöhnliche Ausdrucksformen
gerichtet und insbesondere nach jungen oder in Deutschland bisher wenig
bekannten Künstlern Ausschau gehalten, die sich abseits des gefälligen und damit
auch schnell langweilenden Mainstream bewegen. Künstler, die in ihren Bildern
der schwulen Liebe, Lust, Sexualität und dem schwulen Selbstverständnis
inhaltlich als auch formal individuellen Ausdruck verleihen. Fündig geworden ist
er dabei in Tel Aviv, Palm Springs und Shanghai, vor allem aber in Wien, Berlin,
Amsterdam und New York. In der Ausstellung sind fast alle im Buch vertretenen
Künstler zu sehen, wobei mehrere von ihnen neue Arbeiten eigens für das Schwule
Museum geschaffen haben.
 |
 |
© Anthony Gayton |
| Anthony Gayton, |
|
|
 |
|
Inhaltliche Schwerpunkte der Ausstellung sind
Pornografie, digitale Medien, Liebe und Spiritualität - Themen, die auf den
ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, die aber einzeln oder in
Kombination in der Arbeit vieler der beteiligten Künstler Kristallisationspunkte
bilden und dem Geist und den Bedürfnissen der Zeit zu entsprechen
scheinen.
Pornographie ist ein immerwährendes Thema, welches
sich seit den sechziger Jahren längst den Weg aus der Schmuddelecke in die
Alltagskultur gebahnt hat. Die Beiträge hierzu reichen von überraschend lustigen
Stills während Cazzo Pornodrehs; über intime und spontane Klappensexfotos von
Martin E. Kautter; verspielte Zeichnungen von Jungs in akrobatischen
Sexstellungen von Hannes Steinert; selbstironisch übersteigerte sehr
kalifornische Bilder von Henning von Berg; zu den radikalen Selbstportraits von
Matthias Herrmann, der ausschließlich seine eigene Person als Arbeitsmaterial
einsetzt.
Digitale Medien, Kontaktaufnahme und Sex via Internet
sind dabei, weltweit die schwule Sozialisation zu verändern. Statt wie bisher in
Schwulengruppen, Kneipen und in der Subkultur findet die Kontaktaufnahme mit der
schwulen Welt nunmehr zuhause am Computerbildschirm statt. Dabei entwickelt sich
eine ganz neue Ästhetik und künstlerische Praxis. So entwirft der New Yorker
Clarke Jackson eine irreale Welt von CyberGyms, in der spießig wirkende
Brillenträger die Naturgesetze aufzuheben scheinen; und der Israeli Kai Arama
schafft verstörende Tableaus voller Monstrositäten. Direkt aus dem Internet
heruntergeladen sind die Kontaktfotos, die Boris von Brauchitsch zu
Kompositionen zusammenfügt, die in ihrer Masse entlarvend sind.
Liebe und Beziehung sind das Thema der Gemälde des
Freiburgers Alexander Schönfeld und des New Yorkers Fotokünstlers Bill Travis.
Ebenso des russisch-amerikanischen Duos und Paars Slava Mogutin und Brian Kenny,
deren Installation aus Fotos und Zeichnungen eine ziemlich wilde schwule
Variante der eher homophoben HipHop Szene ist. Nähe, Spontaneität und
Zärtlichkeit sind hervorstechende Merkmale der Fotografien von Anja Müller und
Mathias Trostdorf, der beiden Herausgeber von Mein schwules Auge 1 und 2. Der
Spanier Alexis W verarbeitet das Ende einer großen Liebe in seiner Installation
und Performance Te quiero.
Überraschend ist die relative große Zahl von Arbeiten
mit religiösen und spirituellen Inhalten oder Elementen. So werden Motive der
christlichen Passionsgeschichte mit sadomasochistische Fetischen kombiniert im
Altar des Wiener Fotografen Frank Gassner; im stark sexualisierten Abendmahl des
Berliners Patrick Bartsch; in den überbordend grausamen Gemälden im Comicstil
des Deutsch-Amerikaners Oliver Estavillo. Christliche Versatzstücke finden sich
ebenso in den hyper-realistischen Fotoarbeiten des in Wien lebenden Anthony
Gayton wie in der Serie Rough Gods des New Yorkers Michael Alago; im
spirituell-pornografischen CyberComic von Dirk Lang: Die 120 Tage von Sodom, in
Zusammenarbeit mit dem kalifornischen Fotografen Raymond Angeles entstanden.
Rinaldo Hopf stellt einen ersten Ausschnitt aus seinem Aquarellfries Karma vor,
lebensgroße Aktportraits unterschiedlichster Menschen vor universellen Symbolen
der Erleuchtung.
 |
| © Rinaldo Hopf |
| Rinaldo Hopf (Bodypainting von A. von Agoston), Farbfotografie 2005 |
|
|
 |
|
 |
Eine exotische und verwirrend unbestimmte Variante
queerer Identität spricht aus den Fotokompositionen des Amerikaners Fred
H.Berger, The Art of the Hustle. Eine jeweils ganz berlinerische Form queeren
Lebens stellt Martin von Ostrowski mit seinen knallbunten CSD-Gemälden und
Nicolaus Schmidt mit kaligrafisch verfremdeten Portraits türkischer Tunten wie
Cihangir Guemuestuerkmen im Kreuzberger Gayhane dar.
Sehr unterschiedliche Formen von konkreter Malerei
finden sich bei den Berlinern Georg Weise und Wilfried Laule sowie bei dem
Münchner Peter Schauwecker.
Als Sahnehäubchen steuert Ralf König Arbeitsskizzen
zu seinen Comics bei.
Die Anthologie Mein schwules Auge 3
erscheint im Konkursbuchverlag Claudia Gehrke, Tübingen. Herausgeber sind Axel
Schock (Text) und Rinaldo Hopf
(Bild).
Links:
www.konkursbuch.com www.schwulesmuseum.de
|