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Liebe ist...
Wat kann Liebe schön sein...
© pixelquelle
Wat kann Liebe schön sein...

Das Wort Liebe wird enorm strapaziert. Auch in Paarbeziehungen muss es für eine große Bandbreite von Bedeutungen herhalten. Ich will hier versuchen, etwas Licht in das Dickicht der verschiedenen Sichtweisen zu bringen, die an dieses kleine Wort geknüpft worden sind.

Was wir unter Liebe verstehen ist im Wesentlichen von zwei Faktoren abhhängig. Erstens welcher Pol uns essentiell mehr anzieht, der männliche oder der weibliche, bzw. der Drang zur Autonomie oder der Drang zur Verbundenheit. Zweitens der Grad an Bewusstheit, den wir in unsere polare Ausrichtung bisher bringen konnten. In der folgenden Tabelle sind die Zustände von unten nach oben nach zunehmender Selbst-Bewusstheit geordnet.*

Über mehrere Stufen entwickelt sich die polare (Selbst-)Wahrnehmung ** bis hin zum alles bezeugenden Gewahrsein, dem so genannten Zeugenbewusstsein und zur allumfassenden Liebe, vollkommener liebevoller Zustimmung zu allen Wesen. Jeder Mensch beginnt jedoch am unteren Ende der Skala in der Unbewusstheit über die Existenz von Polen. In einer gesunden Entwicklung werden dann die Fähigkeit zu Autonomie und Empathie (Verbundenheit) entwickelt, während in der pathologischen Entwicklung mehr oder weniger starke autistische und/oder symbiotische Zustände hervorgerufen werden.

Männlicher
Pol

Ebene

Weiblicher
Pol

Reines
bezeugendes Gewahrsein

(Zeugenbewusstsein)

Alle fühlenden Wesen
(kosmisch)

All-umfassende
Liebe

globales Verantwortungsgefühl

Wir Alle
(weltzentrisch)

globales Mitgefühl

individuelle
Autonomie

Wir
(ethnozentrisch)

persönliche
Verbundenheit

Aggressivität
zur Abgrenzung

Ich
(egozentrisch)

Manipulation
zur Herstellung
von Beziehung

Bindungsunfähigkeit
(Autismus)

undifferenziert

Bindungsabhängigkeit
(Symbiose)

 

Liebe ist...

Was Menschen unter Liebe verstehen ist abhängig von ihrer inneren Verfassung. Diese »Liebestabelle« zeigt, dass das, was wir für Liebe halten, einerseits davon abhängt, ob unser Fokus eher auf Autonomie oder auf Verbundenheit liegt, und andererseits von der Entwicklung der individuellen Selbstwahrnehmung. Als Liebe wird empfunden, was dem Subjekt der jeweiligen Ebene (Ich, Wir, Wir alle, alle fühlenden Wesen) als höchste Erfüllung des Bedürfnisses nach Autonomie bzw. Verbundenheit erscheint.

Auf der Ich-Stufe bedeutet diese Erfüllung die Wahrung der Ich-Grenzen einerseits (männlicher Pol) und Nähe/Kontakt andererseits (weiblicher Pol). Wenn sich Partner auf den unteren Stufen treffen, neigen sie dazu, dem anderen vorzuwerfen, er/sie liebe sie nicht, weil sie nicht erkennen können, dass dessen Wunsch nach Abgrenzung bzw. Nähe bloß eine andere Form der Liebe ist.

Klare Grenzen und das Bedürfnis nach Nähe werden nicht immer selbstverständlich akzeptiert. Ein Mensch, der den weiblichen Pol stärker lebt, wird dazu neigen, das Bedürfnis nach Kontakt manipulativ herzustellen, während eine mit dem männlichen Pol identifizierte Person zu Aggressivität neigt, wenn ihr die richtigen Worte zur Wiederherstellung gesunder Grenzen fehlen. Manipulation und Gewalttätigkeit hören in dem Maße auf, in dem echtes Verstehen des aktuellen Bedürfnisses stattfindet. Im Umkehrschluss bedeutet das: wer seine Bedürfnisse klar hat und eindeutig kommunizieren kann, braucht weder Manipulation noch Aggressivität.

Wenn Manipulation und Aggressivität durch Verstehen der eigenen Bedürfnisse und derer des Partners aufgelöst wurden, entsteht ein neues Wir-Gefühl. Auf der Wir-Stufe ist für den männlichen Pol die Erlaubnis des freien Willens beider Partner die Erfüllung der Autonomie während für den weiblichen Pol das Fühlen von Vertrautheit, Einheit und Verständnis im Mittelpunkt steht. (Siehe nochmals Anmerkung *) Und auch diese Stufe ist wiederum eine Durchgangsstation auf dem Weg zu einem umfassenderen Verständnis von Liebe.

* Anmerkung für die ganz Empfindlichen: Mit männlichem und weiblichem Pol ist nicht gemeint, dass Männer so und Frauen so sind. Vielmehr pendeln sowohl Männer als auch Frauen zwischen beiden Polen. Allerdings lässt sich feststellen, dass eine Mehrheit der Männer den Autonomie-Pol höher bewerten und eine Mehrzahl der Frauen den Verbundenheits-Pol. Da beide in der höchsten Ebene ohnehin vereint werden, sollten sie nur als das angesehen werden, was sie sind: Zwei magnetische Positionen, die das göttliche Spiel von Anziehung und Abstoßung auf allen Stufen der Entwicklung manifestieren.

** Die hier dargestellten Stufen stellen nur eine von vielen möglichen Unterteilungen dar. Sie sind als Orientierungshilfe gedacht, so wie eine Landkarte beim Wandern hilft, aber nicht die Fahrt in die Berge ersetzt.

© Henning Matthaei & Claudia Matthaei - www.das-partnerwerk.de

 


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